Erst nach und nach fügt sich zusammen, was in Graz an diesem Dienstag passiert ist. Um zehn Uhr waren aus einem Gymnasium in der Dreierschützengasse Schüsse gemeldet worden. Wenig später trafen Einsatzkräfte an Ort und Stelle ein. Zunächst gaben sich Polizei und Innenministerium bedeckt. Klar war da nur: Was sich in der zweitgrößten Stadt Österreichs zugetragen hatte, war ein Blutbad.

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Der österreichische „Kurier“ berichtete vom Chaos vor Ort: „Eltern sammeln sich und fragen panisch nach ihren Kindern. Sätze wie: ‚Mein Sohn geht in diese Schule, wo ist er?‘, sind zu hören“. Doch auch Solidarität sei spürbar gewesen, heißt es in dem Bericht. Etwa als ein Mann zur Einsatzstelle geradelt kam und wissen wollte: „Ich bin Notarzt, was kann ich tun?“

Zum Nachlesen: Amoklauf an Schule in Graz – zehn Tote, mehrere Schwerverletzte

Amoklauf in Graz: Polizei bestätigt zehn Tote

Die Polizei sprach zunächst nur von „mehreren Toten“. Ersten Berichten zufolge waren es zehn, darunter mindestens sieben Schüler. Diese Zahl wurde später am Tag offiziell bestätigt. Es gebe sechs weibliche und drei männliche Todesopfer, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Neben den Toten gibt es laut Karner zwölf Verletzte, manche davon schwer. Einige davon waren per Hubschrauber in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden. Laut dem „Kurier“ wurde das MANV-System ausgelöst, das bei einem Massenanfall von Verletzten greift. Rund 160 Einsatzkräfte waren zur Stelle.

Nur eine gute Nachricht gab es gegen Mittag seitens der Polizei auf Anfrage: „Die Lage vor Ort ist gesichert. Es besteht keine weitere Gefahr. Die Rettungsmaßnahmen sind im Gange. Die Ermittlungen wurden aufgenommen“, so ein Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark. Denn Motiv und Hintergrund des mutmaßlichen Täters waren zunächst völlig offen. Ersten Meldungen zufolge wurde von einem Amoklauf ohne konkrete politische oder religiöse Motive ausgegangen. Und: von einem Einzeltäter.

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Völlig unklar war unter anderem, ob es einen Zusammenhang der Tat mit den derzeit laufenden Matura-Prüfungen geben könnte, dem österreichischen Äquivalent zum Abitur. Die regionalen Polizeibehörden richteten jedenfalls sogleich ein Upload-Portal ein, auf dem Bilder und Videoaufnahmen von der Tat hochgeladen und den Ermittlern zur Auswertung zur Verfügung gestellt werden können.

Graz: Täter soll wahllos ums ich gefeuert haben

Berichten zufolge war der mutmaßliche Täter in zwei Klassenzimmer eingedrungen und hatte dort wahllos um sich geschossen. Im Anschluss an die Tat hat er Selbstmord begangen. Nach Angaben der Polizei habe sich der Täter „in einer Toilettenanlage suizidiert“. Noch am frühen Nachmittag durchkämmten Sonderkommandos der Polizei das Gebäude auf der Suche nach Spuren, Opfern oder auch Verwundeten. Die Bevölkerung wurde angehalten, den Bereich rund um die Schule zu meiden und den Anweisungen der Sicherheitskräfte vor Ort Folge zu leisten.

Die Schule wurde evakuiert. Für Eltern und Schüler wurde an einem nahen Sportplatz ein Sammelpunkt eingerichtet, an dem auch Kriseninterventionsteams im Einsatz waren, um psychologische Ersthilfe zu leisten. Bei der Schule handelt es sich um ein Oberstufen-Gymnasium mit rund 400 Schülern. Noch am frühen Nachmittag durchkämmten Sonderkommandos der Polizei das Gebäude auf der Suche nach Spuren, Opfern oder auch Verwundeten. Die Bevölkerung wurde angehalten, den Bereich rund um die Schule zu meiden.

Täter: Diese Waffen soll er genutzt haben

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden am Nachmittag erste Details bekannt gegeben. Bei dem Täter handelt es sich demnach um einen 21-jährigen österreichischen Staatsbürger aus dem Bezirk Graz. Zu dem Motiv des 21-jährigen Österreichers gab es zunächst keine Angaben. Man wisse, dass er die Schule nicht abgeschlossen habe. Über den Hintergrund könne aktuell jedoch nur spekuliert werden, so Karner. Die Ermittlungen würden auf Hochtouren laufen. Für die Tat nutzte der Schütze demnach eine Faustfeuer- und eine Langwaffe. Ausgegangen wird von einer Schrotflinte, was jedoch nicht offiziell bestätigt wurde. Beide Waffen habe er laut Ermittlungsstand legal besessen. 

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Der private Waffenbesitz steigt in Österreich seit Jahren. Stand April 2025 waren laut BMI ca. 1,5 Millionen Waffen im Zentralen Waffenregister des deutschen Nachbarlands verzeichnet, wie „Der Standard“ berichtet. Wer volljährig ist und kein Waffenverbot hat, darf laut „Standard“ in Österreich sogenannte Kategorie-C-Waffen besitzen, darunter fallen etwa die meisten Jagdwaffen. Für Kategorie-B-Waffen (Faustfeuerwaffen bis 60 cm oder halbautomatische Schusswaffen) braucht es eine „Waffenbesitzkarte“, die nur die Behörden ausstellen können. Voraussetzung sind ein psychologisches Gutachten und ein sogenannter Waffenführerschein. Kategorie-A-Waffen (verbotene Waffen und Kriegsmaterial) sind verboten oder nur mit Ausnahmegenehmigung zu erlangen.

Österreichs Bundespräsident: „Horror ist nicht in Worte zu fassen“

Der Amoklauf löste quer durch alle Parteien eine riesige Solidarisierungswelle aus. Gleich mehrere Vertreter der Bundesregierung reisten sofort nach den ersten Meldungen über die Tat nach Graz. So etwa Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), sowie eine Reihe an Staatssekretären. Graz‘ Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) sprach von einer „furchtbaren Tragödie“.

Aus dem Ausland meldete sich unter anderem Ursula von der Leyen auf X zu Wort: „Schulen sind Symbole für Jugend, Hoffnung und Zukunft“, so die EU-Kommissionspräsidentin. „Es ist schwer zu ertragen, wenn Schulen zu Orten von Tod und Gewalt werden.“

Auch Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Grüne) meldete sich zu Wort: „Dieser Horror ist nicht in Worte zu fassen“, schrieb er. Und zu Wort meldeten sich auch so gut wie alle Institutionen Graz‘ vom Sportklub Sturm Graz bis zum Lokal-Rivalen GAK. Die Botschaft dabei: „Graz steht zusammen.“