Benevento südlich von Neapel ist als Italiens Hexenstadt bekannt. Die 60.000-Einwohner-Stadt am kampanischen Apennin lockt mit einer tausendjährigen Geschichte, mystischem Charme, vielen Legenden und gilt als magischer, von Hexen bewohnter Ort. Die Hexentradition ist heute noch überaus lebendig. Eine der bekanntesten Legenden besagt, dass sich Hexen aus ganz Europa regelmäßig in Benevento versammelten, um am Ufer des Flusses Sabato magische Rituale abzuhalten. Dabei sollen sie mit Dämonen getanzt und dunkle Magie geübt haben.

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Erzählungen wie diese prägten das Bild von Benevento als Ort, an dem übernatürliche Kräfte und Magie schlummern. Doch jüngst haben die Hexenbräuche der Stadt eher Negativschlagzeilen beschert – sehr zum Leid wesen des Dorf-Bürgermeisters. Am letzten Märzwochenende hatte die Stadt ein dreitägiges Hexenfestival organisiert, das Tausende nach Benevento lockte. Das Fest „Janara – Die Hexen von Benevento“ mit Theateraufführungen, Kinderprogrammen, wissenschaftlichen Vorträgen sollte der kulturelle Höhepunkt des Jahres werden. Stattdessen rief es den Weltverband der Exorzisten auf den Plan, der Hexerei scharf verurteilt.

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Italiens Hexenhochburg: Exorzisten fürchten „großes Risiko“

Menschen mit Themen aus der Welt des Bösen, der Zauberei, des Schrecklichen und Makabren, wie es eben die Hexerei sei, zu unterhalten, zeuge von einem Mangel an bürgerlichem Bewusstsein, heißt es in einem Statement der Vereinigung. Die Kritik an denjenigen, die solche „ruchlosen Initiativen“ fördern, richtet sich insbesondere an den Bürgermeister von Benevento, Clemente Mastella, der unter anderem als Justizminister in der Regierung von Silvio Berlusconi von 2006 bis 2008 amtierte und ein angesehener Christdemokrat ist.

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„Wer das Böse fördert, indem er es auf faszinierende Weise präsentiert, geht ein großes Risiko ein“, schrieb der Exorzistenverband. Man könne den Menschen kein Gift versteckt unter Honiggeschmack anbieten und dann erwarten, nicht dafür bezahlen zu müssen. „Die Welt der Finsternis zu bevorzugen statt die des Lichts, kann früher oder später unweigerlich zu tragischen Folgen führen, sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene“, so die internationale Vereinigung auf ihrer Website.

Exorzisten setzen den Bürgermeister unter Druck

Alle Arten von Hexerei vereine „die Arbeit mit dämonischen Kräften, um schreckliche Dinge zu vollbringen“. Die Hexerei sei nicht nur eine Realität, die an sich objektiv dem Christentum entgegenstehe, sondern auch ein Feind der Freiheit und der Würde des Menschen.

Announcement Of The Strega Prize Finalists In Benevento
Clemente Mastella, Bürgermeister von Benevento: Er musste sich beim Hexenfest gegen die Anfeindungen der Exorzisten wehren. © Getty Images | Ivan Romano

Bürgermeister Mastella wies die Anschuldigungen der Exorzisten zurück. Bei dem Fest sei es weder um Esoterik noch um dunkle Praktiken gegangen. Das Festival habe Veranstaltungen angeboten, die in lokalen Traditionen verwurzelt seien. „Nichts von dem, was aufgeführt wurde, hatte mit der Welt des Okkulten zu tun: Unser Ziel war es, die Kultur und Geschichte von Benevento mit einem offenen und integrativen Ansatz zu fördern“, verteidigte sich der Ortsvorsteher.

Immer mehr Italiener suchen Exorzisten auf

Die Internationale Vereinigung der Exorzisten gibt es seit 1994, im Jahr 2014 erkannte der Vatikan den Zusammenschluss offiziell an. Eigenen Angaben zufolge zählt der Verband rund 900 aktive Exorzisten und 130 Hilfsexorzisten.

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Laut der Vereinigung ist in den letzten Jahren die Zahl der Menschen, die Exorzisten aufsuchen, gestiegen. Immer mehr Menschen glauben, Opfer übernatürlicher dämonischer Einflüsse wie Besessenheit oder Obsession zu sein. Gründer der Vereinigung war der 2016 verstorbene Priester Gabriele Amorth, dessen Leben die Vorlage für den fiktiven Horrorfilm „The Pope‘s Exorcist“ („Der Exorzist des Papstes“) lieferte.

Unter Exorzismus wird die rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister aus Personen, Lebewesen oder Gegenständen verstanden. Solche Praktiken gibt es in vielen Kulturen, sie sollen der ganzheitlichen Reinigung und Heilung dienen. Hexenkulte gehen in Italien angeblich auf das 7. Jahrhundert zurück, als germanische Invasoren heidnische Rituale um einen heiligen Walnussbaum abhielten. Die Ursprünge der Hexenlegende sind möglicherweise noch älter und lassen sich auf die lokale Verehrung von Hekate und Diana zurückführen, die römischen Göttinnen der Unterwelt und der Jagd.