Drei Bomben-Blindgänger in der Kölner Innenstadt im Bereich der Deutzer Werft legen derzeit einen Großteil der Stadt lahm, mehr als 20.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Mit der Hohenzollern-, der Deutzer und der Severinsbrücke wurden im Laufe des Tages drei wichtige Rheinbrücken gesperrt, bei der Bahn kommt es zu Beeinträchtigungen vor allen Dingen im Fernverkehr. Es ist die größte Evakuierungsaktion in Köln seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Bombenentschärfung zum Nachlesen: Köln im Ausnahmezustand – Größte Evakuierung seit 1945 hat begonnen
Für viele Menschen in der Stadt herrscht gerade Ausnahmezustand – für die Kampfmittelbeseitiger, die die Bomben entschärfen, ist hingegen Alltag. In Nordrhein-Westfalen würden pro Jahr 1500 bis 2000 Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, von so großen Kalibern wie jetzt in Köln etwa 200 pro Jahr, sagte Kai Kulschewski, Dezernent für Kampfmittelbeseitigung bei der Bezirksregierung Düsseldorf, im WDR-„Morgenecho“.
Bombe in Köln: Experte verrät, wie man einen Blindgänger entschärft
Einer, der zwar nicht aktuell in Köln, aber sonst immer ganz nah dran an der Bombe ist, ist Arne-Brinkmann-Walter. Der 48-Jährige ist Technischer Einsatzleiter beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe und entschärft seit sieben Jahren regelmäßig Bomben.
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Wie viele es insgesamt schon waren? „Das weiß ich nicht, ich habe irgendwann nicht mehr mitgezählt“, sagt Brinkmann-Walter. „Das Wichtigste ist es, den richtigen Zünder zu erkennen. Das ist aber zum Teil sehr schwierig, da die Bomben seit mittlerweile 80 Jahren in der Erde liegen.“ Durch den Aufschlag könne es zudem sein, dass die Zünder stark deformiert oder mit Dreck verkrustet sind, erklärt der Bombenentschärfer.
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Bei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg wird zwischen zwei Arten von Zündern unterschieden: dem Aufschlagzünder und dem chemisch-mechanischen Langzeitzünder. Die Langzweitzünder seien besonders brisant, sagt Brinkmann-Walter: „Die sind eigentlich nicht zu entschärfen, weil man nicht weiß, wie es innen drinnen aussieht.“ In einem solchen Fall komme es so gut wie immer zu einer Sprengung der Bombe.
Bombenentschärfung: Auf diese Details muss man achten
Ein normaler Aufschlagzünder lasse sich im Normalfall ausbauen, „es sei denn, er ist verformt oder anderweitig beschädigt“, so Brinkmann-Walter. Der Kampfmittel-Fachmann geht bei einer Entschärfung immer gleich vor. Als Erstes macht er den Zünder sauber, dafür hat er Drahtbürsten in verschiedenen Größen, einen Spachtel oder einen Schraubendreher.

Sollte der Zünder verrostet sein, benutzt Brinkmann-Walter Öl, um ihn wieder gängig zu machen. „Wir verwenden sehr feines Werkzeug, auf die Brechstange verzichten wir natürlich“, sagt der Entschärfer. Die eigentliche Entschärfung findet dann aber nicht mehr an der Bombe statt: „Was wir immer bevorzugen, ist eine Fernentschärfung. Es gibt verschiedene Geräte, am häufigsten angewendet wird die sogenannte Raketenklemme. Das ist ein Impulsdrehgerät. Zwei Kartuschen mit Treibladungen sorgen dafür, dass der Zünder sehr schnell herausgedreht wird“, erklärt Brinkmann-Walter. Das läuft dann ferngesteuert ab.
Aus etwa 100 Metern Entfernung wird Entschärfung in Gang gesetzt. „Dann hoffen wir, dass dabei die Bombe nicht detoniert, der Zünder entfernt und die Zündkette unterbrochen wird.“ Allerdings: Um die Raketenklemme anzubringen, müssen die Entschärfer trotzdem an der Bombe arbeiten. „Das ist der gefährlichste Teil“, sagt Brinkmann-Walter.
„Adrenalin ist da“
Ein Job, der ganz schön unter die Haut geht. „Man merkt schon, dass das Adrenalin da ist. Ganz wichtig ist aber: Man muss bei jedem Mal Respekt vor der Entschärfung haben und sich wirklich zu 100 Prozent sicher sein, dass man alles richtig erkannt an“ sagt er. Im Zweifel hole er sich per Smartphone eine zweite Meinung bei einem Kollegen ein. Das Risiko, dass etwas passieren kann, gehört für Arne Brinkmann-Walter zum Berufsalltag. „Ich denke aber nicht darüber nach, was schiefgehen kann“.

Die Kampfmittelbeseitiger sind grundsätzlich zu zweit unterwegs. Das Team bestehe aus einem Truppführer und einem Munitionsfacharbeiter, der zum Beispiel Werkzeuge anreicht. Der Grundsatz ist laut Brinkmann-Walter aber. „So viele Leute wie nötig, so wenige wie möglich.“
5300 Euro Gehalt – und einige Zulagen
Der Beruf des Kampfmittelbeseitigers ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf. „Viele kommen in diesen Beruf über die Bundeswehr und arbeiten dort als Feuerwerker (beseitigen dort Kampfmittel, Anm. d. Red.)“, sagt Brinkmann-Walter. Es gebe aber auch Lehrgänge an Sprengschulen. Er selbst hat in der Luftbildauswertung angefangen und sei dann in den operativen Bereich gewechselt. Bei der Luftbildauswertung werden auf Grundlage von Bildmaterial aus den Kriegsjahren Grundstücke auf Bomben oder andere Kampfmittel untersucht. Dabei handele es sich um den ersten Schritt der präventiven Kampfmittelbeseitigung, teilt die Bezirksregierung Düsseldorf auf ihrer Website mit.

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Brinkmann-Walter ist als Kampfmittelbeseitiger im öffentlichen Dienst in der Gehaltsstufe „E 9“ angestellt. Nach fünf Jahren Berufserfahrung liegt die monatliche Vergütung bei 5338,33 Euro. Dazu kommen noch verschiedene Gefahrenzulagen, so Brinkmann-Walter.







