Der gestorbene Rapper Xatar ist in Bonn (Nordrhein-Westfalen) nach muslimischen Ritus beigesetzt worden. An der Beerdigung auf dem Nordfriedhof nahmen nach Polizeiangaben knapp 1000 Menschen teil. Sie begleiteten den Sarg in einem Trauerzug zum Grab.

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Xatar war vor einer Woche tot in seiner Kölner Wohnung gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft hat ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet, um zu klären, ob es Hinweise auf „ein strafrechtlich relevantes Fremdverschulden“ am Tod des Rappers gibt. Bei einer Obduktion seien keine Zeichen äußerer Gewalteinwirkung festgestellt worden.

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Xatar: Das Leben des Gangsterrappers

Xatar wurde 1981 im Iran als Giware Hajabi geboren. Die Musik wurde ihm in die Wiege gelegt, sein Vater ist der bekannte kurdische Komponist Eghbal Hajabi, seine Mutter selbst Musikerin. Die Familie floh zunächst in den Irak. Dort wurden sie als Angehörige der kurdischen Minderheit verhaftet, Xatar berichtete, dass seine Mutter sogar gefoltert wurde. Schließlich gelangte die Familie über Paris nach Bonn, wo Xatar ab seinem fünften Lebensjahr aufwuchs.

Bonner Rapper Xatar wird beigesetzt
Ein Trauerzug begleitet den gestorbenen Bonner Rapper Xatar zu seinem Grab auf dem Nordfriedhof.© Thomas Banneyer/dpa | Thomas Banneyer

Mit neun Jahren lernte er das Klavierspielen, er besuchte ein Gymnasium, wo er sich jedoch als Außenseiter fühlte. In den 90er-Jahrne entdeckte er den Hiphop für sich und begann selbst zu rappen. Sein Künstlername Xatar ist das kurdische Wort für Gefahr. Statt sein Abitur abzuschließen, geriet er auf die schiefe Bahn und handelte mit Drogen. Als er deswegen gesucht wurde, floh er nach London, wo er kurzzeitig studierte. Trotz allem trieb er auch seine Musikerkarriere nach vorne. 2007 gründete er sein eigenes Label „Alles oder Nix“ ein Jahr später erschien sein gleichnamiges Debütalbum. Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen in den Liedtexten landete es auf dem Index.

Ein Gangsterrapper, der den Titel verdiente

Gewalt spielte dabei immer wieder auch außerhalb der Musik eine Rolle, etwa als er 2009 in Los Angeles verhaftet wurde, weil er in Hugh Hefners‘ berühmter Playboy Mansion eine Frau geschlagen haben soll. Beim Geschehen mit dabei: Raplegende Sido. Noch vor Verhandlungsbeginn floh Xatar schließlich nach Mexiko und reiste zurück nach Deutschland, so zumindest seine Erzählung.

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Ausführlich verbrieft ist hingegen ein Ereignis aus demselben Jahr, was sein Leben prägen sollte – und seine Musikkarriere erst richtig in Schwung brachte. Zusammen mit mehreren Komplizen überfiel Xatar einen Goldtransporter, die Beute hatte einen Wert von rund 1,7 Millionen Euro. Daraufhin floh der Rapper in den Irak, dort wurde er verhaftet und nach eigenen Angaben auch gefoltert. Wo sich das Gold befand, gab er dennoch nicht preis, bis heute wurde es nicht gefunden. Schließlich wurde er nach Deutschland ausgeliefert und 2011 zu acht Jahren Haft verurteilt,

In der Rap-Szene war Xatar bekannt und beliebt

Von der Musik ließ der Rapper sich aber auch im Gefängnis nicht aufhalten. Mit einem eingeschmuggelten Diktiergerät nahm er sein zweites Album „Nr. 415“, benannt nach seiner Häftlingsnummer auf. Damit schaffte er es immerhin auf Platz 19 der deutschen Charts. Xatar war authentisch, ein Gangsterrapper mit echter Verbrecherbiografie, und in der Szene bestens vernetzt. Als er aus dem Gefängnis die Single „Interpol.com“ veröffentlichte, war in seinem Musikvideo nicht selbst zu sehen. Dafür einige der bekanntesten Rapper der Bundesrepublik von Farid Bang aus Nordrhein-Westfalen bis hin zu der Berliner Formation K.I.Z. – fast alle im Xatar-Shirt.

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Xatar hatte die deutsche Rap-Szene geprägt, sie bewunderte ihn dafür. Nach seiner Entlassung 2014 kam der kommerzielle Erfolg. Der „Baba aller Babas“ (so der Name seines dritten Albums), schaffte es gleich zweimal auf den ersten Platz der deutschen Albumcharts. Auch seine 2015 erschienene Biografie wurde zum Bestseller. 2022 wurde sie unter dem Titel „Rheingold“ verfilmt, im selben Jahr zeichnete das Branchenmagazin „Hiphop.de“ ihn für sein Lebenswerk aus.

Die Szene trauert um Xatar

Zu diesem Zeitpunkt war Xatar schon längst nicht mehr nur Rapper, mit seinem Label förderte er junge Künstler, vertrieb zudem Tabak, Mode und Schmuck und betrieb ein Restaurant. Die Musik gab er jedoch nie auf, noch 2024 rappte der Sohn eines Komponisten in der Kölner Philharmonie. Dabei hatte er bereits mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, 2021 erlitt er einen Schlaganfall, nahm in der Folge 50 Kilogramm ab.

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Vom Gangsterleben hatte Xatar sich, zumindest nach eigenen Angaben, längst abgewandt. „Ich komme aus der Gewalt, aber ich habe sie nie geliebt“, sagte er schon 2017 dem „Stern“. Sein unerwartetes Ableben sorgte in der Szene für Trauer, Rapkollegen veröffentlichten emotionale Beiträge in den sozialen Medien, Farid Bang nannte ihn „eine der größten Rap Legenden“. Hiphop.de-Herausgeber Tobias „Toxik“ Kargoll schrieb über Xatar: „Er hatte keinen frühen Tod verdient, sondern das Bundesverdienstkreuz.“ Der Rapper wurde nur 43 Jahre alt.

dpa/dw/fgö