Eromanga, über tausend Kilometer westlich von Brisbane, gilt als die am weitesten vom Meer entfernte Stadt Australiens. Auch wenn dies eher ein geschickter Marketing-Slogan ist, herrscht in dem kleinen Outback-Ort meist ein heißes und trockenes Klima. Doch im Augenblick versinkt die 100-Einwohner-Gemeinde im Wasser. Monsunartige Regenfälle haben das Landesinnere des australischen Bundesstaates Queensland heimgesucht. Betroffen sind 700.000 Quadratkilometer, große Teile der zentralwestlichen und südwestlichen Regionen des nordöstlichen Bundesstaates stehen unter Wasser. Medien sprechen von den schlimmsten Überschwemmungen seit 50 Jahren. In manchen Gemeinden fiel innerhalb weniger Tage so viel Regen wie sonst in zwei Jahren.

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Erst vor wenigen Wochen wurde Queensland vom tropischen Wirbelsturm „Alfred“ getroffen, der ungewöhnlich weit nach Süden vordrang und in und um Brisbane heftige Winde und Regenfälle mit sich brachte. Nun haben sich die Regenfälle ins Landesinnere verlagert und normalerweise staubtrockene Regionen wie die Munga-Thirri-Simpson-Wüste in Binnenmeere verwandelt.
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Australien: 66-Jähriger aus überfluteter Wüste gerettet
In einer der trockensten Regionen der Welt wegen Hochwassers gerettet zu werden, ist eine absolute Seltenheit. Doch genau das passierte einem 66-jährigen Australier – er musste per Hubschrauber aus den Fluten geborgen werden. „Ich dachte, ich würde davontreiben“, sagte Tony Woolford dem australischen Sender ABC nach seiner Rettung. Woolford saß fünf Tage lang in seinem Geländewagen auf der Madigan Line fest – einer abgelegenen Offroad-Route durch die Simpson-Wüste, die auf den Entdecker Cecil Madigan zurückgeht. Der starke Regen hatte die sandige Strecke in eine Schlammpiste verwandelt. Das Wasser stieg unaufhörlich, bis er schließlich per Hubschrauber in Sicherheit gebracht wurde.
Don Rowlands, der die Rettung koordinierte, hat in seinen 31 Jahren als Wüstenranger unzählige Einsätze im südwestlichen Outback von Queensland erlebt. Doch so etwas wie diese Rettung sei einzigartig: „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der in der Wüste aus Hochwasser gerettet werden musste“, sagte er der australischen Ausgabe von „The Guardian“. Rowlands berichtete weiter, dass der 1500 Kilometer westlich von Brisbane gelegene Ort Birdsville seit über einer Woche von der Außenwelt abgeschnitten sei. Am Dienstag bereitete sich die Stadt auf erneut steigende Pegelstände vor, da die Überreste des ehemaligen tropischen Wirbelsturms „Dianne“ vom Westen Australiens nach Queensland ziehen.
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145.000 Nutztiere vermisst oder tot
Adavale, knapp 740 Kilometer östlich von Birdsville, musste evakuiert werden. In den Gemeinden Jundah, Stonehenge und Windorah übertraf der Wasserstand den historischen Höchstwert von 1974. Bewohner und Bewohnerinnen der Gemeinde Thargomindah mussten die Nacht in ihren Autos verbringen, nachdem auch dort ein Rekordhochwasser verzeichnet wurde. Der örtliche Flughafen wurde zur Notunterkunft umfunktioniert und dient als provisorisches Krankenhaus. „Es ist einfach verheerend“, sagte die junge Landwirtin Emily Green in einem auf Social-Media geposteten Video. Ihre Familie habe mitansehen müssen, wie ihr Haus, ihre Nebengebäude, der Hubschrauber, ihre Maschinen, Schuppen und all ihre Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen wurden. „Der Gedanke, unser Vieh in den Fluten zu verlieren, ist für mich unerträglich“, sagte sie.
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Schätzungen des Queensland Department of Primary Industries (DPI) vom Mittwochnachmittag (Ortszeit) gehen davon aus, dass mehr als 145.000 Nutztiere – rund 69.000 Rinder und 67.000 Schafe – vermisst oder tot sind. „Das, was die Menschen in West-Queensland derzeit durchmachen, kann man nur als herzzerreißend bezeichnen“, schrieb Landwirtschaftsminister Tony Perrett in einer E-Mail-Erklärung. „Mit ansehen zu müssen, wie Rinder und Schafe, die man über Generationen hinweg versorgt hat, in den Fluten umkommen, muss einfach nur erschütternd sein.“ Queenslands Premierminister David Crisafulli erklärte gegenüber Reportern, dass dies „kein normaler Regen in der Regenzeit“ sei. „Wir haben es mit einem Ereignis von beispiellosem Ausmaß in vielen dieser Gemeinden zu tun.“
Australischer Outback: „Atemberaubendes Naturschauspiel“ steht bevor
Dass es im normalerweise trockenen Outback so viel regnet, liegt an einer tropischen, feuchtigkeitsreichen Luftmasse, die von den Ozeanen im Norden und Osten weit ins Landesinnere gezogen ist. Das ist zwar nicht völlig ungewöhnlich, doch die Wassertemperaturen im Meer vor Australien sind derzeit so hoch wie nie zuvor – ein Faktor, der laut Experten den Wasserkreislauf erheblich beschleunigt.
In den kommenden Wochen wird sich die gewaltige Wassermenge ihren Weg durch rund 600 Kilometer lange Kanäle bahnen und den Kati Thanda-Lake Eyre im Norden Südaustraliens auffüllen – einen normalerweise ausgetrockneten Salzsee. „Wenn sich der Kati Thanda-Lake Eyre mit Wasser füllt, entsteht ein atemberaubendes Naturschauspiel“, schrieb der Geograph Steve Turton von der CQUniversity Australia in einem Fachbeitrag. „Es ist mit der Bildung eines riesigen Sees zu rechnen – so groß wie ein kleines europäisches Land.“
Die Wassermassen dürften den See monatelang füllen. Millionen von Salzkrebschen würden dann aus ihren Eiern im trockenen Boden schlüpfen, erklärte Turton. Dieser plötzliche Artenreichtum wiederum locke Millionen von Wasservögeln an. Auf diese positiven Folgen der derzeitigen Fluten freuen sich nicht nur Vogelliebhaber und Biologen. Auch der Ranger Rowlands erwartet, dass sich die trockenen Regionen bald in eine üppige Landschaft verwandeln werden. „Das Land wird wie ein Garten sein“, sagte er. „Es wird ein Meer aus Blumen geben.“










