Italien ist erneut mit schweren Naturkatastrophen konfrontiert. Während in den Urlaubsregionen Toskana und Emilia Romagna schwere Unwetter toben, bebt in Süditalien wiederholt die Erde.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Heftige Überschwemmungen überfluten die Region Toskana. Nach Dauerregen am Freitag sind neun kleinere Gemeinden in der Provinz Florenz isoliert, 248 Personen mussten evakuiert und in Strukturen des Zivilschutzes untergebracht werden, teilten die Behörden am Samstag mit. In mehreren Kommunen kam es zu Stromausfällen. Einige regionale Bahnverbindungen wurden unterbrochen, nachdem Bäume umstürzten und es zu heftigen Niederschlägen gekommen war. Auch Autobahnstrecken mussten in der Toskana geschlossen werden.

Unwetter in Toskana
Autos parken in einer überfluteten Straße in Florenz .© DPA Images | Giuseppe Cabras

Auch interessant

In Pisa sollen die Menschen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen

Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, um der Bevölkerung Hilfe zu leisten und Keller und Straßen vom Wasser zu befreien. Der Fluss Arno erreichte in der Stadt Pisa ein Hoch von fünf Metern. „Wir rufen die Bürger auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und sich umsichtig zu verhalten“, warnte die Präfektin von Pisa, Maria Luisa D‘Alessandro.

Unwetter in Toskana
Der überflutete Arno am Santa Rosa-Damm. © DPA Images | Giuseppe Cabras

In Florenz erreichte der Pegel des Arno 4,05 Meter. Schleusen wurden geöffnet, um den Wasserdruck zu verringern. Beim Sieve, dem größten Nebenfluss des Arno, der in mehreren Ortschaften entlang seines Laufs von Mugello bis Pontassieve (Florenz) über die Ufer trat, wurde ein Pegelstand wie 1966 gemeldet, als es am 4. November zu einer katastrophalen Überschwemmung in Florenz kam, berichtete der Zivilschutz.

Dom und Uffizien in Florenz bleiben geschlossen

In Florenz ordneten die Behörden die vorzeitige Schließung der Uffizien, des weltberühmten Kunstmuseums, an. Auch der Dom von Florenz, sowie Parks und Friedhöfe wurden vorsorglich geschlossen.

 In mehr als 60 Gemeinden der Toskana wurden die Schulen gesperrt, auch Fährverbindungen zur Insel Elba wurden vorerst ausgesetzt. In der Provinz Lucca kam es zu einigen Erdrutschen, derentwegen die Straße zum Apennin-Berg Abetone unterbrochen wurde. Mit weiteren Niederschlägen ist auch im Laufe des Samstags zu rechnen,

Italien wird seit Jahren von verheerenden Unwettern heimgesucht

Ebenfalls schwere Unwetter gab es in der norditalienischen Region Emilia Romagna. Toskana und Emilia Romagna waren in den vergangenen Jahren bereits von heftigen Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht worden. Mehrere Menschen kamen damals ums Leben. Die Behörden lassen daher höchste Vorsicht walten.

Regierungschefin Giorgia Meloni schrieb bei X: „Meine Gedanken sind bei den Menschen, die von dem Unwetter betroffen sind, das verschiedene Gebiete Italiens heimsucht und den Bürgern große Schäden und Schwierigkeiten zufügt“. Sie sicherte den Betroffenen die Unterstützung der Regierung zu.

In Süditalien bebt die Erde

Erdbeben in Neapel
Nach einem Erdbeben sind viele Menschen Donnerstagnacht in Neapel auf die Straße gelaufen. © DPA Images | Alessandro Garofalo

 Inzwischen bebt die Erde weiter im Süden. Am Freitagabend wurde eine Erschütterung der Stärke 3,5 im Gebiet des Supervulkans nahe Neapel gemeldet, teilte das Institut für Geologie und Vulkanologie (INGV) mit. Ein weiteres Erdbeben mit Stärke 4,6 hatte sein Epizentrum in der Provinz Foggia in Apulien, der Region am Stiefelabsatz Italiens.

Das Erdbeben in Apulien wurde auch in den angrenzenden Regionen Molise, Abruzzen und Basilikata klar gespürt. Das Epizentrum lag in einer Tiefe von einem Kilometer, teilte das INGV-Institut mit. Meldungen zu Opfern oder schweren Schäden gab es nicht, der Schreck war jedoch groß.

„Wir beobachten die Situation. Bislang gibt es keine Berichte über kritische Ereignisse, aber wir sind in Alarmbereitschaft“, sagte die Leiterin des apulischen Zivilschutzes, Barbara Valenzano. Kontrollen wurden auf der stark befahrenen Adria-Bahnstrecke Pescara-Bari eingesetzt, was zu Zugausfällen führte.

Phlegräische Felder: Anwohner schlafen in ihren Autos

Erdbeben in Neapel
Trümmer liegen auf einem Auto nach einem Erdbeben nördlich von Neapel.© DPA Images | Alessandro Garofalo

Einige Bewohner der stark erdbebengefährdeten Phlegräischen Felder im Gebiet des Supervulkans verbrachten nach dem Erdstoß mit Stärke 3,5 am Freitagabend die Nacht auf Samstag in ihren Autos, andere in den Aufnahmezentren, die vom Roten Kreuz und dem Zivilschutz bereitgestellt wurden.

Die Feuerwehr und der Zivilschutz sind seit dem jüngsten, schwereren Erdbeben in der Nacht auf Donnerstag im Dauereinsatz. Sie prüfen die Stabilität hunderter beschädigter Gebäude. Die Schulen bleiben in den Gemeinden des betroffenen Gebiets vorerst geschlossen. In einigen Straßen sind noch Spuren des Bebens zu sehen. Trümmer liegen auf den Straßen, in einigen Gebäuden bildeten sich Risse, die nun von Technikern untersucht werden müssen.

Auch interessant

Forscher: Keine Hinweise auf möglichen Vulkanausbruch

Die Angst der Bewohnerinnen und Bewohner bleibt und die Befürchtungen für die Zukunft nehmen zu. Die Verformung des Bodens setzt sich mit hoher Geschwindigkeit fort, aber nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es vorerst keine Hinweise auf einen möglichen Vulkanausbruch.

Der Bürgermeister von Neapel, Gaetano Manfredi, ruft die Bevölkerung zur Ruhe auf. „Ich bin besorgt, wir haben ein schweres Erdbeben erlitten und die Bevölkerung ist erschrocken. Bei einem stärkeren Erdbeben haben wir einen Notstandsplan, der bei einer extremen Situation die Evakuierung der Menschen vorsieht. Zum Glück sind derzeit diese Bedingungen nicht vorhanden“, sagte der Bürgermeister der größten Metropole Süditaliens.