Der Schock sitzt tief: Nach dem schwersten Erdbeben der letzten 40 Jahren in der Region um Neapel werden die Menschen die Szenen des Grauens wohl lange nicht aus dem Gedächtnis löschen können: Das Erdbeben der Stärke 4.4 und fünf weitere Nachbeben sorgten in der Nacht auf Donnerstag für massive Zerstörung. Nun stellt Italiens Regierung ihre Sicherheitsvorkehrungen vor. So auch den Plan zu einer Massenevakuierung im Bereich der „Phlegräischen Feldern“, dem Gebiet des Supervulkans bei Neapel.

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Der für den Zivilschutz zuständige Minister Nello Musumeci schlägt Alarm. „Wir denken an alle Varianten, weil wir bei weiteren Erschütterungen nicht unvorbereitet sein wollen.“ Die Phlegräischen Felder gehörten zwar schon jetzt zu den am strengsten überwachten Gebieten Italiens, so der Minister. „Die besten Vulkanologie-Experten prüfen ständig die Entwicklungen“, sagte er gegenüber der Tageszeitung „Il Messaggero“. Aber der Fokus soll sich noch verschärfen.
Supervulkan in Italien: Pläne sorgen für Existenzängste
Der Stadtrat von Neapel präsentierte einen detaillierten Evakuierungsplan für den Fall, dass es zu einem Ausbruch des Supervulkans kommt, mit dessen Aktivität die wiederholten Erdbeben eng verbunden sind. Die Vorkehrungen betreffen 481.000 Einwohner, die in einem Radius von der Hafenstadt Pozzuoli bis Neapel, der größten Stadt Süditaliens, leben.
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Besonders krass ist der sogenannte Voralarm, der schon Monate oder sogar Jahre vorher eine Warnung abgeben wird. Damit soll den Menschen Zeit genug bleiben, ihre Häuser zu verlassen und wegzuziehen. Für viele Betroffene ist das ein Schock. Sie verlieren ihre Heimat, ihr Hab und Gut. Was soll aus ihnen denn dann nur werden, fragen sich viele. Rom will diese Familien, die die Phlegräischen Felder freiwillig verlassen, umfassend unterstützen. Details aber wurden nicht genannt. „Wir müssen in der Bevölkerung das Bewusstsein erhöhen, dass sie in einem schwierigen Gebiet leben. Sie müssen genau wissen, wie sie sich im Fall akuter Gefahr verhalten sollen“, so der Minister.
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Im Detail soll es bei der Massenevakuierung folgendermaßen zugehen: Zunächst heißt es, dass das Ganze innerhalb von 72 Stunden organisiert sein muss. Die Evakuierung kann per Bus, Zug, oder auch per Schiff erfolgen. Wer es selbst regeln kann, darf es tun. Die anderen Betroffenen erhalten Hilfe von den Behörden. Auch dieses ist geplant: Von den verschiedenen Stadtvierteln Neapels aus werden die Bürger auf festgelegten Routen zum Hafen und der Stadtumfahrung gebracht. Von dort aus werden sie dann auf mehrere Regionen Italiens verteilt.
Italiens Tourismusbranche alarmiert: Supervulkan war Topreiseziel
Damit es keine bösen Überraschungen gibt, wurden an Viadukten und Tunnel bereits Baumaßnahmen durchgeführt, um sie erdbebensicher zu machen. Vorrangige Fluchtwege sind für jene Einwohner vorgesehen, die das Gebiet der Phlegräischen Felder mit dem Auto verlassen werden. Es wird mit 200.000 Fahrzeugen gerechnet. Der Evakuierungsplan wurde bereits Anfang Oktober mit der Bevölkerung getestet. Weitere Tests werden jetzt erfolgen.

Die betroffene Region bangt nach dem Schrecken des Bebens um den Tourismus. Mehrere gebuchte Urlaube aus dem Ausland wurden storniert. Tourismus aber ist eine der wichtigsten Einnahmequellen. Früher gab es in der Hafenstadt Pozzuoli Industrie, Metallverarbeitung, Bushersteller. Sie mussten alle schließen. Jetzt lebt die Region von Gästen aus dem Ausland.
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Die Zahlen der Besucher, so die Tourismusmanager, seien in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, bis auf etwa eine Million jährlich. Gerade wegen des Supervulkan sei das Gebiet gefragt, so heißt es von den Verantwortlichen. Der Vulkan sei für viele aus dem Ausland zur Attraktion geworden. „Wir leben mit dem Risiko. Aber wir müssen das Beste aus der Situation machen und nutzen, was der Herrgott uns gegeben hat“, sagt der Bürgermeister von Pozzuoli Luigi Manzoni. Er hofft auf ein baldiges Ende der Erdbebenserie.
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Doch das Ende dieser Serie scheint eher nicht in Sicht. Angesichts der Tatsache, dass sich die Erdbeben seit zwei Jahren wiederholen, sollen deshalb Zelte zur Aufnahme der Bevölkerung ständig zugänglich bleiben und nicht nur unmittelbar nach der Erschütterung aufgebaut werden, auch das gehört zu den Plänen der Regierung.
Die Regierung will auch massiv in erdbebensichere Immobilien und Infrastrukturen investieren und bis 2029 dafür 600 Millionen Euro locker machen, aber auch die Einwohner müssen tiefer in die Taschen greifen: Denn Versicherungen gegen Erdbebenschäden könnte bald teure Pflicht werden.







