- Auf seiner Yacht „Christina“ feierte der griechische Reeder Aristoteles Onassis berüchtigte Partys
- Zu seinen Gästen zählten Stars wie Grace Kelly oder Politiker wie Winston Churchill
- Jetzt steht die Yacht für 90 Millionen US-Dollar zum Verkauft – was sie so besonders machte
Sie war das kleinste seiner Schiffe, aber das größte Symbol seines Erfolges: Auf der Privatyacht „Christina“ inszenierte sich der griechische Reeder Aristoteles Onassis. 50 Jahre nach dem Tod des Tanker-Tycoons steht sein schwimmender Palast jetzt zum Verkauf. 90 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 83 Millionen Euro) soll die immerhin 82 Jahre alte „Christina“ kosten – eine rekordverdächtige Summe für einen so alten Pott.

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Aber die „Christina“ ist nicht irgendein Schiff. Mit ihrer 99,15 Metern, einer Wasserverdrängung von 2250 Tonnen und 17 Kojen für 34 Passagiere ist sie heute zwar nicht mehr die längste oder größte Superyacht. Die beiden MAN-Dieselmotoren bringen das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 16 Knoten, umgerechnet 30 km/h. Auch das ist nicht besonders viel. Aber keine Privatyacht hat so viel Prominenz beherbergt wie die „Christina“: Zu den Gästen gehörten Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor und Richard Burton, Frank Sinatra, John F. und Jackie Kennedy, Maria Callas, Richard Branson, John Wayne, John D. Rockefeller und Paul Getty.
Griechische Luxusyacht: Reeder Onassis beherbergte Größen wie Winston Churchill
Grace Kelly und Fürst Rainier von Monaco feierten an Bord der „Christina“ 1956 ihre angeblich von Onassis eingefädelte Hochzeit. Zu den treuesten Gästen gehörte der britische Ex-Premier Winston Churchill. Er unternahm acht Kreuzfahrten auf der Onassis-Yacht. „Churchill war eine sehr seltsame Person“, erinnerte sich ein ehemaliges Besatzungsmitglied: „Wegen seines enormen Gewichts verbrachte er die meiste Zeit essend, trinkend oder schlafend in einem Sessel an Deck.“
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Die Geschichte der heutigen „Christina“ geht zurück bis ins Jahr 1943. Damals lief das Schiff als Fregatte „Stormont“ auf der kanadischen Vickers-Werft vom Stapel. Schon 1948 musterte die kanadische Marine das Schiff wieder aus. Onassis kaufte die bereits zur Verschrottung vorgesehene Fregatte für 34.000 Dollar. Für vier Millionen Dollar ließ er das Schiff von 1952 bis 1954 bei den Howaldtswerken in Kiel umbauen und taufte es auf den Namen seiner Tochter. Der Entwurf stammte von dem berühmten Hamburger Schiffsarchitekten Cäsar Pinnau. Er machte aus der unansehnlichen Fregatte eine stromlinienförmige Luxusyacht.

Yacht „Christina“ bot damals „größten Ausmaß an Luxus“
„Die ‚Christina‘ war Anfang der 50er Jahre das größte anzunehmende Ausmaß an Luxus“, erinnerte sich Sven Thienemann, der erste Kapitän der Yacht, 2007 in einem Interview mit dem SZ-Magazin. Onassis habe die Yacht „beinahe mehr geliebt als seine Frauen und seine Kinder“, erzählte Thienemann. In den Salons und Kabinen dominierten Gold, Marmor und edle Holzvertäfelungen. Beliebtester Treffpunkt an Bord war „Ari’s Bar“. Sie war ausgestattet mit nautischen Sammlerstücken und Schiffsmodellen. Die Barhocker waren mit Leder aus der Vorhaut von Walen bezogen. Onassis soll einmal zu Greta Garbo gesagt haben: „Meine Liebe, Sie sitzen auf dem größten Penis der Welt.“

Der Reeder nutzte das Schiff, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen – Networking würde man es heute nennen. Die „Christina“ avancierte zum schwimmenden Salon der Reichen, Schönen und Mächtigen. „Wo immer wir anlegten, kamen Könige, Prinzen und Neureiche an Bord“, erzählte Kapitän Thienemann. Eines der Highlights war der Pool: Der Boden des mit Bronze umrandeten Beckens, verziert mit der Nachbildung eines antiken Mosaiks aus dem kretischen Knossos, konnte hydraulisch nach oben gefahren werden. So wurde das Schwimmbad zur Tanzfläche.
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Um seine Geschäfte auch von Bord der „Christina“ aus führen zu können, ließ Onassis das Schiff mit allen damals verfügbaren Kommunikationseinrichtungen ausstatten. Um die maximal 34 Gäste kümmerten sich 38 Besatzungsmitglieder. Häufig ankerte die Yacht vor Skorpios, der Privatinsel des Reeders im ionischen Meer. Hier feierte Onassis 1968 seine Hochzeit mit Jackie Kennedy, die Witwe des ermordeten US-Präsidenten. Sie gilt als größte Eroberung des Frauenhelden. Onassis‘ Tochter Christina nannte es ironisch eine „perfekte Verbindung“: „Sie wollte sein Geld, er wollte ihren Namen.“

Der 1906 als Sohn eines Tabakhändlers im kleinasiatischen Smyrna geborene Grieche war als 16-Jähriger allein nach Argentinien ausgewandert. Er verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst als Hotelpage, dann als Händler. 1932 stieg er mit dem Kauf von sechs gebrauchten Frachtern einer bankrottgegangenen kanadischen Reederei in die Schifffahrt ein. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war seine Flotte bereits auf 46 Frachtschiffe und Tanker angewachsen. Anfang der 1950er Jahre ließ Onassis auf Werften in Bremen, Hamburg und Kiel die ersten Supertanker bauen. Aber Onassis‘ Lebenstraum sei die „Christina“ gewesen, erzählte Kapitän Thienemann. Sie symbolisierte für ihn den gesellschaftlichen Aufstieg vom armen griechischen Emigranten in die internationale High Society.
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Luxusyacht kann man mieten – für 450.000 Euro die Woche
Nach Onassis‘ Tod 1975 schenkte seine Tochter die Yacht der griechischen Regierung. Sie sollte unter dem neuen Namen „Argo“ als Staatsyacht dienen. Aber die Regierung verkaufte das Schiff wegen der hohen Betriebskosten schon bald. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte 1998 der griechische Reeder John Paul Papanicolaou die Yacht. Er ließ das inzwischen ziemlich marode Schiff von Grund auf sanieren.
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Die originalen Dampfmaschinen von 1943 wurden durch MAN-Dieselmotoren und Generatoren ersetzt. Papanicolaou vercharterte die Yacht für bis zu 450.000 Euro pro Woche. Heute gehört die Yacht, die in Nizza liegt, irischen Investoren. Von der ursprünglichen Ausstattung und den Originalmöbeln aus der Onassis-Ära ist zwar nur wenig übrig geblieben. Wer auch immer die „Christina“ kauft, bekommt eine schwimmende Legende.











