Seit 145 Jahren leben die „Magdalenen“ im Kloster der Stadt Vigevano in der Lombardei. Die Ordensschwestern verwalteten einst ein Waisenhaus und halfen jungen Frauen in Not, unterstützten Arme und Jugendliche oder boten, wie zuletzt, eine Unterkunft für Studentinnen und Lehrerinnen an.

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Doch für ihre wohltätige Arbeit fehlt ihnen mittlerweile vor allem eines: Personal. Über die Jahre ist die Nonnengemeinschaft auf fünf Mitglieder geschrumpft. Die Generaloberin der Kongregation, Schwester Franca Barbieri, hat jetzt beschlossen, das Kloster zu schließen und die Nonnen an andere Orten in Norditalien zu versetzen. Doch das wollen sich die fünf verbliebenen Schwestern nicht gefallen lassen – und besetzen das Kloster.
Italienische Nonnen rebellieren gegen Räumung: „Hier ist unser Zuhause“
Die Generaloberin begründete ihren Beschluss, das Kloster aufzulösen, mit dem fortgeschrittenen Alter der Ordensschwestern: vier von ihnen sind über 80 Jahre alt, die älteste, Schwester Rosalba, 92. Hinzu komme laut der Generaloberin noch der Rückgang der Berufungen: Immer weniger Frauen entschließen sich demnach, ins Kloster einzutreten. Das mache den Betrieb der Einrichtung unhaltbar.
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Eigentlich hätten die verbliebenen Nonnen bereits im vergangenen Juni das Kloster räumen sollen, doch sie leisteten Widerstand. Sie wollen die Einrichtung nicht verlassen. „Hier ist unser Zuhause und die Gemeinschaft hier braucht uns“, lautet ihre Devise.

Die 63.000-Einwohner Stadt Vigevano stärkt ihnen den Rücken. 3.000 Unterschriften wurden gesammelt, um die Generaloberin aufzufordern, ihren Beschluss zu überdenken. Bürgermeister Andrea Ceffa schrieb an Papst Franziskus und bat um Unterstützung für die Nonnen, die ihr Leben in der Stadt beenden wollen. Bürger setzen sich aktiv für die Instandhaltung des Klosters mit kleineren Reparaturen ein. Sie sammeln Geld für die Klosterfrauen und liefern ihnen Lebensmittel.
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„Sie haben viel für uns getan, jetzt sind wir daran, etwas für sie zu tun“, betont Leonardo Cardano, ein Bürger Vigevanos, der sich für die Ordensschwestern mobilisiert hat. Auch die lokale Presse unterstützt mit Überzeugung den Kampf der Magdalenen für ihre Zukunft in der Stadt. „Wir haben geöffnet“, ist auf einem Schild am Eingang des Klosters zu lesen. Damit signalisieren die Nonnen ihren festen Willen, gegen den Räumungsbeschluss Widerstand zu leisten. Für die Generaloberin ist dies ein Affront: Sie forderte die Nonnen auf, das Kloster sofort zu verlassen, ansonsten drohe ihnen der Ausschluss aus dem Orden wegen Ungehorsams.
Nonnen müssen bis Juni durchhalten – dann erhoffen sie sich Hilfe von der neuen Oberin
Der Fall der rebellischen Nonnen beschäftigt inzwischen ganz Italien. Fernsehteams stationieren vor dem Kloster und berichten über ihre Rebellion. „Ich bin sicher, dass der Herrgott alles in Ordnung bringen wird“, zeigt sich Schwester Rosanna zuversichtlich.

Wie es weitergehen soll, ist noch unklar. Der Winter ist kalt, und die Heizung des Klosters muss repariert werden. Die Nonnen bekommen von der Kongregation kein Geld mehr und sind ganz auf sich selbst angewiesen. Wie lange sie noch durchhalten werden, ist fraglich. Sie hoffen auf den Juni, denn dann soll eine neue Generaloberin der Kongregation gewählt werden. Die Ordensschwestern hoffen, dass die neue Oberin zu einem Dialog für den Erhalt des Klosters bereit sein wird.
Immer mehr Klöster in Italien müssen schließen
Wie dem Magdalenen-Kloster ergeht es immer mehr Klöstern in Italien: Sie werden wegen Mangels an Nachwuchs und hohen Instandhaltungskosten geschlossen. Die Zahl der Ordensschwestern sinkt auch in dem katholisch geprägten Land immer mehr. Nach Angaben des Vatikans leben nur noch 66.000 Nonnen im Land, ihr Durchschnittsalter ist hoch, die Zahl der neuen Eintritte in die Orden sinkt immer mehr.
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Erst Ende 2023 musste eines der ältesten Klöster Italiens, das Santa Chiara in der bekannten Touristenortschaft Ravello, nach über sieben Jahrhunderten dicht machen. Die letzten beiden Ordensschwestern, die hier lebten, wurden versetzt. Neben dem großen geschichtsträchtigen Gebäudekomplex mit Blick auf das Meer gehören dem Santa Chiara Kloster auch ein historisches Gebäude an, in dem ein Hotel untergebracht ist. Der geschätzte Wert des gesamten Vermögens, einschließlich der Kunstwerke und der Büchersammlung der antiken Bibliothek, liegt um die 60 Millionen Euro. Nicht auszuschließen ist, dass das Kloster jetzt in ein Hotel umgewandelt wird.








