• Papst Franziskus verstarb am Ostermontag im Alter von 88 Jahren in Rom
  • Bereits im Januar 2025 veröffentlichte er seine Memoiren, in denen er berührende Einblicke in sein Privatleben teilt
  • Er gilt als erster Papst, der die Erinnerungen seiner Kind- und Jugendzeit veröffentlicht – darin ist auch zu lesen, wie er sich einst in eine junge Frau verliebte

Die Liebe machte auch vor dem Papst nicht halt: Es ist eine der intimeren Offenbarungen, die Papst Franziskus in seiner Autobiografie „Hoffe“ (Kösel-Verlag), erschienen im Januar, mit der Welt teilte. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche berichtet darin, wie er sich im Alter von 22 Jahren während seiner Zeit im Priesterseminar in Argentinien in ein Mädchen verliebte.

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Kennengelernt habe er sie bei der Hochzeit eines seiner Onkel. Die Schönheit der jungen Frau habe ihn stark beeindruckt. „Eine gewisse Zeit lang war mein Kopf so verdreht, dass ich nicht mal beten konnte, ohne ihr Bild vor Augen zu haben – und das ständig“, schreibt Franziskus in seinen Memoiren.

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Wer das geheimnisvolle Mädchen war, enthüllte Franziskus, der am Ostermontag im Alter von 88 Jahren starb, nicht. Die Liebe zu der jungen Frau habe ihn eine Zeit lang verwirrt. Rückblickend sei diese Phase „etwas ganz Normales“ gewesen. „Ich fände es sogar anormal, hätte ich diese Momente des Zweifels nicht erlebt“, so Franziskus weiter. „Auch heute denke ich, wenn ein junger Mann oder eine junge Frau sich vom Herrn berufen fühlt, aber nie Zweifel oder Unsicherheit empfindet, dann fehlt ihm oder ihr etwas. In diesen Fällen bin ich misstrauisch.“ Von seiner Berufung habe er sich jedoch trotz allem nicht abbringen lassen. Im Gegenteil: Es wäre ihm „nicht im Traum eingefallen, zu heiraten“, betonte der Pontifex.

Papst Franziskus: Seine Familie entging einst einem schwerem Unglück

Sein Buch ist nicht nur wegen seines Inhalts besonders: Laut Verlag war es das erste Mal, dass ein Papst überhaupt seine eigenen Memoiren veröffentlichte. „Das Buch meines Lebens ist die Geschichte einer Reise der Hoffnung, einer Reise, die ich nicht von der Reise meiner Familie, meines Volkes, des gesamten Volkes Gottes trennen kann“, so Franziskus, der seit März 2019 an dem Text gearbeitet hatte. Franzsikus tritt in dem Buch nicht als Interviewter, sondern als Erzähler in Erscheinung, der mit Direktheit, Tiefgang und oft einem Augenzwinkern sein Leben Revue passieren lässt.

Papst Franziskus als junger Priester
Jorge Mario Bergoglio in jungen Jahren während seiner Zeit im Priesterseminar in Argentinien. Damals ahnte Franziskus wohl noch nicht, dass aus ihm mal ein Papst werden würde.© picture alliance / AP Photo | Uncredited

Er berichtet etwa über die italienischen Wurzeln seiner aus der Region Piemont stammenden Familie und die schicksalhafte Begebenheit einer verpassten Schifffahrt im Jahr 1927, die seinen Großeltern und seinem Vater Mario das Leben rettete: So sollten die drei am 11. Oktober ein Schiff von Genua aus in Richtung Buenos Aires besteigen. Sie schafften es jedoch nicht, ihr Hab und Gut rechtzeitig zu verkaufen, und sahen sich gezwungen, die Fahrt nach Argentinien zu verschieben.

Die verpasste Abfahrt stellte sich als großer Glücksfall heraus, denn das Schicksal der „Mafalda“ ging als eines von Italiens schwersten Schiffsunglücken in die Geschichte ein. Das Passagierschiff wurde vor der brasilianischen Küste von einer Welle so schwer beschädigt, dass es sank. Rund 300 der etwa 1200 Passagiere starben.

Fußball-Begeisterung war dem Papst in die Wiege gelegt

Aus der Perspektive des Erzählers gibt Franziskus viele Einblicke in seine Kindheit. Die Autobiografie enthält viel Anerkennung für Franziskus‘ Vater Mario. Dieser habe die Familie auch durch schwierige Zeiten getragen, so der Sohn, dessen bürgerlicher Name Jorge Mario Bergoglio lautet. Fußball spielte damals für ihn eine große Rolle – als Fan des argentinischen Vereins San Lorenzo, aber auch als Spieler. Der kleine Jorge stand dabei zumeist im Tor. Denn ein großer Ballkünstler sei er nicht gewesen, gesteht der Papst. Er musste wegen Plattfüßen orthopädische Schuhe tragen.

Papst Franziskus: Die Stationen seines Lebens in Bildern

Pope Francis Leads General Weekly Audience At The Vatican
Papst Franziskus ist im Alter von 88 Jahren gestorben.© Corbis | Alessandra Benedetti - Corbis
Jorge Mario Bergoglio
Franziskus, mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio, wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien, geboren.© picture alliance / AP Photo | Uncredited
Nach seinem Abschluss als Chemieingenieur entschied sich Bergoglio für den Priesterberuf und trat in die Gesellschaft Jesu ein.
Nach seinem Abschluss als Chemieingenieur entschied sich Bergoglio für den Priesterberuf und trat in die Gesellschaft Jesu ein.© AFP | SERGIO RUBIN
Argentina's Cardinal Jorge Mario Bergoglio
1998 wurde Jorge Mario Bergoglio zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt, bevor ihn Papst Johannes Paul II. im Jahr 2001 in den Rang eines Kardinals erhob. Als Oberhaupt der argentinischen Kirche prägte er deren Kurs maßgeblich.© picture alliance / dpa | Ediciones B / Handout
10 Jahre Papst Franziskus
Schon damals zeigte er sich bodenständig und volksnah – auch als begeisterter Anhänger des Fußballclubs San Lorenzo de Almagro. Dieser traditionsreiche Verein aus Buenos Aires zählt Franziskus bis heute zu seinen treuesten Fans. © picture alliance/dpa/EFE/CLUB ATLETICO SAN LORENZO D | Club Atletico San Lorenzo De Alm
Franco Origlia Vatican Archive
Seine Nähe zu den Menschen zeigte sich aber nicht nur im Fußballstadion, sondern vor allem in seinem Wirken als Geistlicher. Am 20. März 2008 feierte er in Buenos Aires in einem der ärmsten Viertel der Stadt die Messe vom letzten Abendmahl und setzte damit ein Zeichen der Demut.© Getty Images | Vatican Pool
Am 13. März 2013 wählte das Konklave Jorge Mario Bergoglio zum Nachfolger des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. Als Papst Franziskus trat er sein Amt mit dem Versprechen an, eine Kirche der Nähe, der Demut und der Barmherzigkeit zu führen.
Am 13. März 2013 wählte das Konklave Jorge Mario Bergoglio zum Nachfolger des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. Als Papst Franziskus trat er sein Amt mit dem Versprechen an, eine Kirche der Nähe, der Demut und der Barmherzigkeit zu führen. © © epd-bild / Cristian Gennari | Cristian Gennari
Papst Franziskus mit Benedikt XVI. in Castel Gandolfo
Am 23. März 2013 traf Papst Franziskus in Castel Gandolfo mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. zusammen – die erste Begegnung eines amtierenden mit einem emeritierten Papst seit über 700 Jahren.© picture alliance / AP Photo | Uncredited
Vatican Francis Fun Facts
Am 6. April 2016 wurde Papst Franziskus fotografiert, wie er nach seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom Mate aus einem traditionellen Gefäß trank. Zu diesem Zeitpunkt näherte sich das fünfjährige Jubiläum seines Pontifikats.© picture alliance/AP Photo | Andrew Medichini
Holy Mass And Opening Of The Holy Door Of St. Peter's Basilica
Papst Franziskus prägte sein Pontifikat mit Reformen, interreligiösem Dialog und dem Ruf nach sozialer Gerechtigkeit. Ein starkes Symbol dafür war die Eröffnung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am 8. Dezember 2015, als er die Heilige Pforte des Petersdoms öffnete und Gläubige weltweit zur Barmherzigkeit aufrief. Gleichzeitig blieben seine Reformen aber hinter den Erwartungen zurück.© Getty Images | Vatican Pool
Pope Francis Holds His Weekly Audience
Im Juni 2021 empfing Papst Franziskus bei seiner wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan einen besonderen Gast: Mattia Villardita, verkleidet als Spider-Man. Der 28-jährige Italiener besucht in diesem Kostüm kranke Kinder in Krankenhäusern, um ihnen Freude zu bereiten.© Getty Images | Franco Origlia
Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Privataudienz bei Papst Franziskus
Im Oktober 2021 traf Bundeskanzlerin Angela Merkel Papst Franziskus im Vatikan zu einer Privataudienz. Dabei würdigte Merkel das Engagement der Kirche für den Klimaschutz. © picture alliance / AP Photo | Uncredited
Nur wenige Monate nach seinem Treffen mit Angela Merkel lenkte Papst Franziskus erneut die Aufmerksamkeit auf das Schicksal von Migranten und Flüchtlingen. Im Dezember 2021 reiste er auf die griechische Insel Lesbos, um die humanitäre Krise vor Ort anzuprangern und ein Zeichen der Solidarität zu setzen.
Nur wenige Monate nach seinem Treffen mit Angela Merkel lenkte Papst Franziskus erneut die Aufmerksamkeit auf das Schicksal von Migranten und Flüchtlingen. Im Dezember 2021 reiste er auf die griechische Insel Lesbos, um die humanitäre Krise vor Ort anzuprangern und ein Zeichen der Solidarität zu setzen.© AFP | ANDREAS SOLARO
APTOPIX Canada Pope
Im Sommer 2022 reiste Papst Franziskus nach Kanada, um die indigene Bevölkerung um Vergebung für das Unrecht zu bitten, das ihnen in kirchlichen Internaten angetan wurde. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Nathan Denette
Pope Francis Presides Over Palm Sunday Mass At The Vatican
Am 2. April 2023 leitete Papst Franziskus die Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz, nur einen Tag nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, wo er wegen einer schweren Atemwegsinfektion behandelt worden war. Sein geschwächter Zustand war offensichtlich, aber er nahm die Strapazen der Liturgie auf sich, um mit den Gläubigen die Karwoche zu feiern.© Getty Images | Vatican Pool
APTOPIX Papua New Guinea Asia Pope
Am 8. September 2024 besuchte Papst Franziskus die abgelegene Stadt Vanimo in Papua-Neuguinea, wo er von tausenden Gläubigen mit einem traditionellen Kopfschmuck aus Paradiesvogelfedern empfangen wurde. In seiner Ansprache rief er dazu auf, Gewalt und Aberglauben zu überwinden und in Harmonie miteinander zu leben.© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Gregorio Borgia
J.D. Vance und Papst Franziskus
JD Vance, Vizepräsident der USA, war der letzte Politiker, der Franziskus vor dessen Tod traf – nur einen Tag vor dem Tod des Papstes.© Vatican Media/Romano Siciliani/KNA | Vatican Media
Letzter Auftritt vor seinem Tod: Papst Franziskus spricht den Oster-Segen Urbi et Orbi
Ebenfalls am Tag vor seinem Tod trat Franziskus ein letztes Mal öffentlich auf: Am Ostersonntag spendete er Gläubigen den Segen „Urbi et orbi“.© action press | marco iacobucci / ipa-agency.net

Jorge Mario Bergoglio teilt mit dem Leser auch Erlebnisse, die ihn erschütterten und prägten. So berichtet er etwa über einen Jugendfreund aus der Schulzeit, einen begabten und gebildeten Polizistensohn, der eines Tages mit der Pistole des Vaters völlig unerwartet einen Gleichaltrigen erschoss und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wurde. „Es war schrecklich, ich war zutiefst verstört“, erzählt der Papst. Der Junge habe sich später das Leben genommen, berichtet er, noch immer betroffen.

Sich selbst beschreibt Franziskus als melancholisch. So erzählt er von Besuchen bei einer Psychiaterin in Zeiten der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983), von seinen Neurosen und seiner Ungeduld, die ihn auch als Papst hin und wieder ins Stolpern gebracht hätten. Seine Wutausbrüche sind im Vatikan bekannt. Vielleicht gerade deshalb hebt Franziskus in seiner Autobiografie die Bedeutung des Humors und der Ironie hervor – Haltungen der Resilienz und Lebenskunst, wie er schreibt. Humor zu haben und zu lächeln seit für ihn ein „Mittel, Schwierigkeiten und Leid mit Widerstandsfähigkeit zu begegnen“. Sogar die Ironie sei doch letztlich „ein Bekenntnis zur Würde“.