- Pompeji gilt nach einem Vulkanausbruch als Zeitkapsel der Antike
- Archäologen entdecken dort jetzt das pompöse Badehaus einer Villa
- Wozu solche Wellness-Tempel dienten und welche Aufgabe Sklaven dabei hatten
Wenn es um archäologische Sensationen geht, gibt es Orte, die ständig für neue Schlagzeilen sorgen. Einer der Spitzenreiter in dieser Rangliste ist ohne Frage Pompeji. Mitte Januar war es wieder einmal so weit – Forscher und Forscherinnen konnten der antiken Stadt in Italien ein weiteres Highlight entlocken. Was genau hat es damit auf sich – und warum können wir von einer „Sensation“ sprechen?

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Der Name der Stadt Pompeji sagt wohl fast jedem etwas – egal ob geschichtlich interessiert oder nicht. Gelegen am Golf von Neapel, wurde die Stadt und ihre Einwohner im Jahr 79 n. Chr. Opfer eines Ausbruchs des Vulkans Vesuvs. Meterhohe Vulkanasche-Schichten bedeckten dabei den Boden und konservierten in großen Teilen alles, was sich unter ihnen befand. Für die Bewohner sicherlich ein grausames Schicksal – für die Archäologie und die moderne Gesellschaft allerdings eine einmalige Zeitkapsel.
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Pompeji: Prunkvolles Badehaus der Römer freigelegt – dazu dienten die Becken
Im 18. Jahrhundert wurde Pompeji wiederentdeckt und stellt seither eine der am besten erhaltenen Städte der Antike dar. Zu Beginn wurde – wie leider an so vielen Fundorten – auch hier vieles geraubt und geplündert. Die damit einhergehenden Zerstörung konnte jedoch zum Glück gestoppt werden und es folgten im 19. Jahrhundert systematische wissenschaftliche Ausgrabungen.
Diese sind noch längst nicht abgeschlossen. So hört man immer wieder von sensationellen neuen Entdeckungen. Dieses Mal handelt es sich um ein Badehaus – und zwar nicht irgendeines.
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Das nun in Pompeji entdeckte Badehaus ist das bisher größte Gebäude seiner Art in der antiken Stadt und zählte zum privaten Besitz einer elitären Familie. Das Gebäude besteht aus drei verschiedenen Becken mit unterschiedlichen Temperaturen:
- dem kaltenfrigidarium,
- dem heißen calidarium sowie dem dazwischen liegenden
- warmen tepidarium.
Das Kaltwasserbecken befindet sich im größten Raum, der zehn Quadratmeter misst. Seine Wände zieren farbige Malereien der römischen und griechischen Mythologie. Das zentral gelegene Becken ist gesäumt mit rot bemalten Säulen. Ausmaße des Raums und darin befindliche Steinbänke boten wohl Platz für 20 bis 30 Personen.
Wellness-Tempel für elitäre Familie: Sklaven hatten wichtige Rolle
Das beheizte calidarium kann man sich wie eine Art Sauna mit heißem Wasserbecken vorstellen. Hinter diesem Raum liegt der zugehörige Heizraum in dem noch Bleirohre und ein perfekt erhaltenes Ventil gefunden werden konnten. Sklaven sorgten hier unter Verwendung eines komplexen Leitungssystems für den Betrieb der unterschiedlichen Wasserbecken.
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So eine Heizung braucht natürlich ihre Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen im Vergleich zu einer heutigen und dementsprechend kontinuierliche Arbeit hinter den Kulissen. Getrennt durch nur eine Wand schufteten hier Sklaven für das Wohlbefinden der Gäste.

Angrenzend an das Badehaus befindet sich ein bereits vergangenes Jahr freigelegter Speisesaal. Beides große repräsentative Bauten, die mit Sicherheit nicht rein für private Zwecke entworfen und gebaut wurden. Machtdemonstration, aber auch politischer Einfluss und Überzeugung fielen bei Banketten und Spa-Aufenthalten sicherlich schon damals leichter als an weniger pompösen Orten.
Die Forschenden vermuten, dass die Villa einem gewissen Aulus Rustius Verus gehört haben könnte. Der einflussreiche Pompejaner war für die Infrastruktur und öffentlichen Gebäude dieses Bezirks verantwortlich und namentlich durch zahlreiche Inschriften bekannt.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Das Einzigartige an Pompeji ist wie erwähnt: Die antike Stadt stellt eine echte Zeitkapsel dar. Der Zeitpunkt der Katastrophe scheint wie eingefroren zu sein. Wie Gabriel Zuchtriegel, der Direktor des Archäologischen Parks Pompeji es so schön beschreibt: „Es ist fast so, als ob die Menschen erst vor einer Minute gegangen wären“.
Ich persönlich war bisher noch nie in Pompeji und kenne die Stadt nur aus Büchern und zahlreichen Dokumentationen. Aber dieser „Pompeji-Effekt“ übt auch aus der Ferne eine unglaubliche Faszination aus. Als vor- und frühgeschichtlicher Archäologe hat man es ja eh in den aller seltensten Fällen mit aufgehendem Bauwerk zu tun.
Pompeji: Vulkanausbruch machte Stadt zur Zeitkapsel der Antike
Den Großteil der Grabungen machen hölzerne Bauten aus, die nun mal nicht mehr stehen und nur durch die Standspuren ihrer Baupfosten erkennbar sind – um es grob zusammenzufassen. Archäologinnen und Archäologen anderer Zeitepochen sind da schon etwas besser bedient.
Unser Experte
Ägyptische Pyramiden, entdeckte Schätze, der Alltag der alten Römer und Griechen: Archäologie fasziniert viele Menschen. Konstantin Kárpáty hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der Münchener ist nach seinem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) seit Kurzem Doktor der Archäologie. Was er in seinem Job erlebt und was die wichtigsten Neuigkeiten aus der Welt der Archäologie sind, erzählt er für uns regelmäßig aus ganz persönlicher Sicht. Außerdem betreibt er die Social-Media-Kanäle „Excavation Time“ und den Podcast „Ausgegraben“.
Allerdings stellt selbst da Pompeji eine absolute Besonderheit dar. Es ist der Gesamteindruck aus einer Fülle gut intakter Ruinen mit bis heute erhaltener farbenprächtiger Malerei in Kombination mit zahlreichen Objekten. Aber auch die Überreste der plötzlich aus dem Leben gerissenen Bewohner tragen auf groteske Weise zu dieser Faszination bei.
Wir dürfen gespannt sein, welche 2000 Jahre alten Highlights Pompeji noch für uns bereithält. Ich bin mir sicher, Sie werden davon hören.








