Liebe Leserin, lieber Leser,
was wird heute wichtig? Beginnen wir mit einem Blick auf die Termine des Tages:
• Heute startet die Berlin Freedom Week mit einem Kongress von mehr als 200 internationalen Menschenrechtlern und Dissidenten aus 50 Ländern. Die Eröffnung findet um 9 Uhr durch den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner auf dem Platz vor dem Abgeordnetenhaus statt, der World Liberty Congress beginnt um 10 Uhr.
• In Brandenburg an der Havel findet am Sonnabend und Sonntag der Landesparteitag der AfD Brandenburg statt, bei dem es im Leitantrag um Wirtschaftspolitik geht. (10 Uhr)
• In Pankow hält der Kreisverband der Grünen seine Mitgliederversammlung zur Nominierung von Direktkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl 2026 ab. Es wird unter anderem entschieden, ob Stefan Gelbhaar, der nach Belästigungsvorwürfen seine Bundestagskandidatur verlor, als Direktkandidat nominiert wird (11 Uhr). Auch die SPD nominiert ihre Kandidaten (siehe unten).
Neues aus Berlin
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber als ich am Donnerstag die ersten Bilder der NFL Experience am Brandenburger Tor sah, fühlte ich mich doch sehr an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bzw. die Europameisterschaft 2024 erinnert. Fröhliche Kinder, die auf Kunstrasen Fußball, pardon, (Flag-)Football spielten. Flag-Football ist die körperlose Variante des American Football. Möglich ist das an diesem prominenten Ort noch heute von 10 bis 17 Uhr.
Am Wochenende wird Berlin zudem zum Zentrum des American Footballs, wenn die Indianapolis Colts gegen die Atlanta Falcons im Olympiastadion (ab 15.30 Uhr) antreten. Tatsächlich habe ich keine Ahnung von American Football. Den Begriff Flag-Football habe ich beim Kollegen Nelis Heidemann gelernt, der in diesen Tagen gemeinsam mit Paul Gorgas und vielen anderen Morgenpost-Reportern und Reporterinnen über das Event berichtet. Nelis Heidemann hat für Menschen wie mich ein Glossar geschrieben, für das ich sehr dankbar bin. Damit können Sie wie ich an diesem Wochenende Expertise vortäuschen.

Das Brandenburger Tor ist nicht der einzige Ort, wo in diesen Tag NFL-Spirit zu spüren ist. Was Sie noch erleben und wo Sie das Spiel abseits des Olympiastadions verfolgen können, lesen Sie hier. Was beim Duell der Indianapolis Colts und Atlanta Falcons sportlich auf dem Spiel steht – und welche Spieler es im Auge zu behalten gilt, erfahren Sie hier.
Die Berliner Polizei hat für das NFL-Wochenende jedenfalls ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt, um die erwarteten 72.000 Besucher zu schützen. Mit 650 zusätzlichen Einsatzkräften wird eine entspannte Atmosphäre angestrebt, da NFL-Fans in Deutschland nicht für Ausschreitungen bekannt sind, berichtet Dennis Meischen. Drohnen allerdings werden natürlich nicht aufsteigen dürfen.
Das NFL-Wochenende hat auch Auswirkungen auf die Hotelpreise in Berlin. Die Nachfrage ist aufgrund der Veranstaltung stark gestiegen, und die Zimmerpreise sind um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Die Hotels rund um das Olympiastadion sind nahezu ausgebucht – für Hoteliers ein Hinweis auf die wirtschaftliche Bedeutung des Events, wie Lisa Schmiedlin berichtet.

Ob das tatsächlich so ist, ist allerdings durchaus umstritten, wie Julian Würzer erfahren hat. Insgesamt kalkulieren der Berliner Senat und die NFL Investitionen von rund 62,5 Millionen Euro für drei NFL-Spiele in Berlin, jenes am Sonntag, eines 2027 und ein weiteres 2029. Das Land steuert 12,5 Millionen Euro bei, der Rest kommt von der NFL. Zum Vergleich: Die Stadt München hat vor mehr als einer Woche in einer Sitzung des Sportausschusses beschlossen, für zwei NFL-Spiele insgesamt knapp zwei Millionen Euro für den Haushalt anzumelden, mehr als zehn Millionen Euro weniger. Ob diese Ausgaben gerechtfertigt sind, lesen Sie hier.
Was allerdings nicht bedeuten muss, dass das Ereignis am Sonntag nicht trotzdem unterhaltsam wird. Geht mir jedenfalls so. Wenn die Party erst mal läuft, bin ich dabei. Also: Viel Spaß am NFL-Wochenende!
Außerdem wichtig
Affäre um Förderung von Antisemitismus-Projekten: Wegen der Vergabe von Fördermitteln für Projekte gegen Antisemitismus stehen die Kultursenatoren Joe Chialo und Sarah Wedl-Wilson (beide CDU) weiter unter Druck. Sie sehen sich unter anderem wegen der irregulären Vergabe an Projekte wie die „Fablhaft GmbH“ in der Kritik. Diese Firma, die keine Verbindung zur Antisemitismus-Bekämpfung aufweist, erhielt allein 39.000 Euro. Hintergründe gibt es hier.
Doch damit nicht genug. Informationen der Morgenpost legen nah, dass die Besetzung der Jury, die pro Jahr zwei Millionen Euro über den Aktionsfonds Antisemitismus verteilte, von den Christdemokraten infrage gestellt wurde. Offenbar sei diese „zu links, zu woke, BDS-nah“ gewesen, zitiert Joachim Fahrun aus einer Mail eines Fachbeamten.
Berlin führt die bundesweite Statistik bei Autoteile-Diebstählen an: In Berlin werden täglich an fast 100 Autos Scheinwerfer, Räder oder Lenkräder gestohlen – mehr als in jedem anderen Bundesland, hat Philipp Siebert recherchiert. Der Schaden pro Fall ist mit durchschnittlich 2000 Euro besonders hoch, da die Täter beim Ausbau oft zusätzlich Karosserie und Scheiben beschädigen.
Entscheidendes Wochenende für Franziska Giffey: In Berlin stehen die Sozialdemokraten vor einem entscheidenden Wochenende: Sie nominieren in mehreren Bezirken ihre Kandidaten für das Abgeordnetenhaus. Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und andere prominente Genossen bangen um ihre politischen Karrieren. Giffey, die in Neukölln nicht mehr auf einen vorderen Listenplatz gesetzt wurde, muss nun ihren Wahlkreis in Rudow direkt gewinnen, um ihre politische Laufbahn fortzusetzen, wie Chefreporter Joachim Fahrun berichtet.

Lösung für Lärmbeschwerden: Gäste eines Biergartens des benachbarten Strandbads Grünau können aufatmen. Nach einer Petition, die im Sommer gestartet wurde, haben sich die Verantwortlichen auf eine Vereinbarung geeinigt. Sie sieht vor, dass die Lautstärke während Techno-Partys im Strandbad reduziert wird, berichtet Philipp Hartmann.
Zum Schluss noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Wenn Sie gerne einmal mit Spitzenpolitikern diskutieren wollen, sollten Sie zur „Elefantenrunde“ kommen, die wir einmal im Jahr gemeinsam mit der Friedrich-Naumann-Stiftung veranstalten. In diesem Jahr findet sie am 17. November statt.
Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende!
Ihre Heike Dietrich,
Leitende Redakteurin
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