Kommentar

Mangelnde Kooperation Schuld an Mehrkosten für Flüchtlinge

Hätten Berliner Senat und Bezirke von Anfang an solidarisch an einem Strang gezogen, hätte man Geld gespart, meint Andreas Abel.

Blick auf das neue Wohncontainerdorf an der Potsdamer Straße/Ecke Hohentwielsteig

Blick auf das neue Wohncontainerdorf an der Potsdamer Straße/Ecke Hohentwielsteig

Foto: dpa Picture-Alliance / Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Die Unterbringung der Flüchtlinge in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof ist, gelinde gesagt, nicht gut. Es besteht große Einigkeit, dass sie so schnell wie möglich beendet werden sollte. Aber was heißt schnell? Die Containerquartiere, die als Ersatz auf dem Vorfeld errichtet werden sollen, werden erst im Mai fertig. Frühestens. Dabei sollten sie eigentlich bis September dieses Jahres gebaut sein. Das ist unbefriedigend.

Obendrein werden sie sehr teuer, kosten voraussichtlich doppelt so viel wie andere Containerdörfer, die so schön „Tempohomes“ genannt werden. Das ist streng genommen unwirtschaftlich, auch wenn weder Sozial- noch Finanzverwaltung das klar sagen wollen.

Es gebe keine Alternative, heißt es im Senat. Nun rollt ein Zug, der offenbar nicht mehr aufzuhalten ist. Weitere monatelange Diskussionen über andere, wirtschaftlichere Möglichkeiten seien nicht machbar, heißt es, und vermutlich wären sie bei der politischen Gemengelage in Berlin auch nicht zielführend. Dennoch löst diese Planung einen mehr als schalen Beigeschmack aus. Nun rächt sich, dass bei der Auswahl der Standorte viel zwischen Senat und Bezirken zerredet wurde. Dass es offenkundig nicht möglich war, diese Aufgabe solidarisch zu schultern, insbesondere nicht, weil die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen bevorstanden.

Noch leben in Berlin mehr als 20.000 Flüchtlinge in Notunterkünften. Die Stadt braucht also dringend die geplanten Modularbauten und Containerquartiere, wobei Erstere die bessere Form der Unterbringung versprechen. Dennoch sollten Landesregierung und Bezirke eine ehrliche Bestandsaufnahme vornehmen, ob die aktuelle Gesamtplanung noch Sinn macht – auch im Hinblick auf die angestrebte gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge auf die Ortsteile. Es muss ja vielleicht nicht Monate dauern.