Berlin

Flüchtling stirbt in Thüringen nach Fenstersturz

Anwohner sollen Somalier zum Springen aufgefordert haben

Berlin. Im thüringischen Schmölln ist ein minderjähriger Flüchtling nach einem Fenstersturz gestorben. Wie Polizei und Landratsamt am Sonnabend mitteilten, sprang der Jugendliche aus Somalia am Freitagnachmittag aus einem Fenster im fünften Stock des Gebäudes, in dem Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht sind. Im Krankenhaus sei er den schweren Verletzungen erlegen. Von einem Fremdverschulden werde nicht ausgegangen, hieß es vonseiten des Landratsamts. Das Alter des Jugendlichen wurde vom Amt mit 16, von der Polizei mit 17 Jahren angegeben.

Der MDR berichtet, Anwohner hätten den Selbstmord des Flüchtlings gefilmt und ihn zuvor aufgefordert, aus dem Fenster zu springen. Als der Jugendliche auf der Fensterbank stand, hätten die Anwohner gerufen: „Spring doch.“ Der Bürgermeister von Schmölln, Sven Schrade (SPD), reagierte entsetzt auf den Bericht. „Sollten sich die Aufrufe bewahrheiten, dann ist das aufs Schärfste zu verurteilen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Polizei wollte das Verhalten der Anwohner nicht bestätigen

Der Geschäftsführer der Betreuungseinrichtung, David Hirsch, habe die Vorwürfe bestätigt: Eine Mitarbeiterin hätte die Rufe zweifelsfrei gehört, dies werde auch in einem nicht öffentlichen Bericht festgehalten. Die Frau wurde laut Polizei befragt. Ihre Aussagen würden nun geprüft.

Das Verhalten der Anwohner wollte die Polizei am Sonnabend nicht bestätigen und verwies nur auf ihre offizielle Mitteilung. Demnach alarmierten Betreuer die Polizei, weil ein 17-jähriger Jugendlicher somalischer Herkunft in der Unterkunft randalierte. Beim Eintreffen der Polizei habe er bereits auf der Fensterbank im fünften Stock gesessen. An dem Rettungseinsatz seien sowohl die Feuerwehr als auch der Rettungsdienst beteiligt gewesen. Trotz aller Bemühungen der Einsatzkräfte habe der Sprung des Jugendlichen nicht verhindert werden können. Zum genauen Hergang der Tragödie hat die Staatsanwaltschaft Gera die Ermittlungen übernommen.

Eingereist nach Deutschland sei das Opfer, dessen Namen die Behörden aufgrund des derzeitigen Ermittlungsstandes noch geheim halten, am 31. März dieses Jahres per Flugzeug aus der Schweiz auf dem Flughafen Frankfurt/Main. Hinter ihm habe eine Fluchtodyssee gelegen, die ihn aus Somalia über den Sudan, die Sahara und über die bekannte Route über das Mittelmeer gen Europa geführt hatte. „Er war traumatisiert und hatte psychische Probleme“, sagte Jugendamtschef Dirk Nowosatko. Wegen Verhaltensauffälligkeiten sei er wiederholt in psychiatrischer Behandlung gewesen. Zuletzt sei er am Freitagmorgen aus der Klinik entlassen worden, also unmittelbar vor dem Fenstersturz.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen