Debatten sind wie Trinkwasser: Es gibt sie heiß und kalt, plätschernd und druckvoll, in Mengen oder homöopathisch dosiert. Für beide gilt: ohne trocknet ein Land aus. Und Gift gehört nicht hinein. Die saubere Debatte ist Grundlage jeden menschlichen Miteinanders, ob Kita oder Bundestag. Je kontroverser die Inhalte, desto sorgfältiger ist die Form zu achten.

Krach ist kein Qualitätsmerkmal, Zynismus auch nicht, Lüge verboten. „Ich weiß es nicht“, kann ebenso Zeichen von Stärke sein wie die Pause zum Nachdenken. Der Medienprofessor Bernhard Pörksen warnt vor „kommentierendem Sofortismus“. Hier ein paar Vorschläge zum Debatten-Detox, die auch in Cliquen und Vereinen, am Arbeitsplatz und in Beziehungsgesprächen funktionieren.

1. Höflichkeit: Egal, wie ernst oder emotional – der Ton sollte fürs eigene Kind geeignet sein. Beleidigungen und Tiervergleiche meiden.

2. Vorsicht bei Verallgemeinerungen: Ob Christen, Frauen, Schalke-Fans, Journalisten oder Schweizer – kollektive Merkmale stimmen nicht mal, wenn Internetquellen zugrunde liegen.

3. Augenhöhe: Weltuntergangsbeschwörungen („Tag X“), Häme („Mutti“) und rechthaberischen Triumphalismus („War ja klar“) erfolgen oft vom hohen Ross.

4. Sparsamkeit: Den Gebrauch von „man“, „alle“, „immer“ und „eigentlich“ sollte man vorsichtig dosieren.

5. Glauben, Fragen und Wissen unterscheiden: Die Aussage: „Ich glaube an die vegane Weltverschwörung“ ist durch den Grundgesetzartikel Glaubensfreiheit gedeckt. „Ich frage mich, ob es eine vegane Weltverschwörung gibt“ ist ebenfalls okay, da er keine Behauptung aufstellt. Wer allerdings sagt: „Es gibt eine vegane Weltverschwörung“, muss Fakten liefern (vgl. Vorschlag 4).

6. Nazi-Abstinenz: Bärte, Eisenstangen, Moral – Vergleiche sind leicht gezogen, aber schräg. Der Ironiker Mike Godwin behauptet, dass jede Debatte früher oder später in einen Nazi-Vergleich mündet und damit ergebnislos endet.

7. Geduld: Erst mit Fakten vertraut machen, was dauern und mit Widersprüchen einhergehen kann, dann Hysterie aufbauen. Reihenfolge einhalten.

8. Größe: „Da ham’ Se mal recht“ verdattert jeden Gegner.

Kolumne "Schumachers Woche"


Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute.
Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute. © Reto Klar | Reto Klar