Berlins Polizei versucht es mit Druck: Regelmäßig winken Beamte des Verkehrsdienstes hochmotorisierte Autos aus dem Verkehr und kontrollieren die Veränderungen, damit die Wagen schneller und lauter werden.

Zivilstreifen fahren über den Kudamm, um Fahrer zu stellen, die mit Tempo 80 über die Busspuren rasen. Die Polizei versucht mit einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit über beschlagnahmte Autos abzuschrecken. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, nutzt die Polizei auch soziale Medien wie Twitter und Facebook.

PS-Protze am Kudamm gefasst

PS-Protze am Kudamm gefasst

Die Berliner Polizei hat am Donnerstagnachmittag in der City West drei Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen.
Die Berliner Polizei hat am Donnerstagnachmittag in der City West drei Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen.© Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer
 Aufgefallen waren den Polizisten zunächst ein BMW und ein Toyota wegen zu hoher Lautstärke.
Aufgefallen waren den Polizisten zunächst ein BMW und ein Toyota wegen zu hoher Lautstärke. © Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer

Auf dem Kurfüstendamm an der Joachimsthaler Straße stoppten Ermittler die Autos und nahmen sie unter die Lupe.
Auf dem Kurfüstendamm an der Joachimsthaler Straße stoppten Ermittler die Autos und nahmen sie unter die Lupe. © Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer
Nach Angaben der Polizei stellten die Beamten vor Ort manipulierte Auspuffanlagen und andere nicht genehmigte Umbauten an den Fahrzeugen fest.
Nach Angaben der Polizei stellten die Beamten vor Ort manipulierte Auspuffanlagen und andere nicht genehmigte Umbauten an den Fahrzeugen fest. © Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer
Noch während die Beamten mit den anderen Fahrzeugen und der Aufnahme der Personalien der Fahrer zu tun hatten, rollte ihnen noch mehr Arbeit vor die Füße.
Noch während die Beamten mit den anderen Fahrzeugen und der Aufnahme der Personalien der Fahrer zu tun hatten, rollte ihnen noch mehr Arbeit vor die Füße.© Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer
Ebenfalls ins Visier der Fahnder geriet ein Jaguar Cabrio mit Tübinger Kennzeichen.
Ebenfalls ins Visier der Fahnder geriet ein Jaguar Cabrio mit Tübinger Kennzeichen. © Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer
Bei einer Kontrolle stellte sich heraus, dass der Fahrer keinen Führerschein hat und wohl aufgrund seiner Vergangenheit auch auf lange Zeit keinen machen werden kann.
Bei einer Kontrolle stellte sich heraus, dass der Fahrer keinen Führerschein hat und wohl aufgrund seiner Vergangenheit auch auf lange Zeit keinen machen werden kann.© Jörg Krauthöfer | Jörg Krauthöfer

Dass die Polizei so massiv gegen die Raserszene vorgeht, hat einen Grund, den man nicht vergessen darf. Auslöser war ein Unfall bei einem Autorennen auf dem Tauentzien, bei dem ein unschuldiger Fahrer starb. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall wegen Totschlags.

Tödlicher Unfall bei illegalem Autorennen

Tödlicher Unfall bei illegalem Autorennen

Am Tauentzien in der City West starb in der Nacht zum 1. Februar 2016 ein Rentner. Ein Sportwagen krachte in voller Fahrt in den Jeep des Mannes.
Am Tauentzien in der City West starb in der Nacht zum 1. Februar 2016 ein Rentner. Ein Sportwagen krachte in voller Fahrt in den Jeep des Mannes.© ABIX | Foto: ABIX
Zwei Sportwagenfahrer hatten sich zuvor ein illegales Rennen geliefert.
Zwei Sportwagenfahrer hatten sich zuvor ein illegales Rennen geliefert.© ABIX | Foto: ABIX
Dabei rasten die beiden Fahrer bei Rot über mehrere Ampeln.
Dabei rasten die beiden Fahrer bei Rot über mehrere Ampeln. © ABIX | Foto: ABIX
Ein Mercedes konnte ausweichen, ein Audi prallte auf den Jeep.
Ein Mercedes konnte ausweichen, ein Audi prallte auf den Jeep.© Abix | Abix
Der Mercedes wurde durch die Luft geschleudert und landete auf der Mittelinsel.
Der Mercedes wurde durch die Luft geschleudert und landete auf der Mittelinsel.© ABIX | Foto: ABIX
Der 69 Jahre alte Fahrer des Jeeps starb noch am Unfallort.
Der 69 Jahre alte Fahrer des Jeeps starb noch am Unfallort.© ABIX | Foto: ABIX
Die Fahrer der beiden anderen Autos wurden schwer verletzt.
Die Fahrer der beiden anderen Autos wurden schwer verletzt.© ABIX | Foto: ABIX
Auch eine Beifahrerin kam in ein Krankenhaus.
Auch eine Beifahrerin kam in ein Krankenhaus.© Abix | Abix
Der am Unfall beteiligte Mercedes soll sich mehrfach überschlagen haben.
Der am Unfall beteiligte Mercedes soll sich mehrfach überschlagen haben.© ABIX | Foto: ABIX
Experten der Kriminaltechnik ermitteln.
Experten der Kriminaltechnik ermitteln.© ABIX | Foto: ABIX
Einer der Unfallwagen zertrümmerte die Betonumrandung der Mittelinsel.
Einer der Unfallwagen zertrümmerte die Betonumrandung der Mittelinsel.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Erst der Erdwall des Beetes stoppte das Auto.
Erst der Erdwall des Beetes stoppte das Auto.© dpa | dpa
Übrig blieben Betonbrocken.
Übrig blieben Betonbrocken.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Der Tauentzien war über Stunden gesperrt.
Der Tauentzien war über Stunden gesperrt.© dpa | dpa
Und es musste ein neuer Ampelmast aufgestellt werden.
Und es musste ein neuer Ampelmast aufgestellt werden.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Viele kleine Einzelteile der Fahrzeuge wurden über die Straße verteilt.
Viele kleine Einzelteile der Fahrzeuge wurden über die Straße verteilt.© dpa | dpa
Die BSR reinigte die verschmutzte Fahrbahn.
Die BSR reinigte die verschmutzte Fahrbahn.© Steffen Pletl | Steffen Pletl

Die Justiz zeigt den Weg auf, den die Behörden insgesamt gehen sollten: Wer sein Auto hochrüstet, will die Pferdestärken auch nutzen. Das darf er auf gesperrten Rennstrecken. Aber was sollen 450 PS im normalen Straßenverkehr? Was soll ein Auspuff, der Lärm macht wie ein Rockkonzert. Erst diese Woche stoppte die Polizei einen Maserati, der 110 Dezibel laut war.

Mehr Blitzer an markanten Stellen

Natürlich kann die Polizei nicht immer und überall kontrollieren. Das wird sie personell nicht schaffen. Die Schwerpunktkontrollen der letzten Wochen sind der richtige Weg. Aber sie dürfen nun nicht nach zwei Wochen wieder enden. Zusätzlich zu den Verkehrskontrollen sollten mehr Blitzer an markanten Stellen aufgebaut werden. Vor allem an den großen Ausfallstraßen und dort, wo viele Fußgänger, wie am Kudamm, unterwegs sind. Wieso sich die Politik hier sträubt, versteht man nicht. Auch sollte der Strafenkatalog überdacht werden. Wer als Raser das Leben anderer Menschen bewusst in Gefahr bringt, sollte lange Zeit auf den öffentlichen Nahverkehr oder Taxis angewiesen sein.

PS - an dieser Stelle gemeint als ein Postskriptum: Während dieser Kommentar entstand fuhr ein roter Sportwagen unter ohrenbetäubenden Lärm zehnmal den Kudamm rauf und runter - völlig ungehindert.

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