„Sie müssen sie einfach noch fotografieren“, sagt Matthias Diether. Die Arbeit von Karina Appeldorn sei so großartig, er halte sich komplett aus ihren Kreationen für seine Gäste raus. Und da sie so bescheiden sei, müsse er sie jetzt zeigen. Sagt ihr Chef, der Sternekoch aus dem „first floor“ im „Hotel Palace Berlin“. Das war im Mai dieses Jahres. Da wissen weder er noch der Fotograf, dass Karina Appeldorn schon bald im Fokus der Öffentlichkeit stehen wird – und muss.

Am Montagabend werden im „Hotel Vier Jahreszeiten“ in Hamburg die Preise und Punkte des „Gault Millau“ 2015 vergeben. Karina Appeldorn aus Berlin ist zum „Pâtissier des Jahres“ gekürt worden, neben Christoph Rüffer vom „Haerlin“ in Hamburg als „Koch des Jahres“, Anton Schmaus vom „Storstad“ in Regensburg als „Aufsteiger des Jahres“ und Thomas Brandt vom „Bareiss“ in Baiersbronn als „Oberkellner des Jahres“.

Zum besten Koch in der Hauptstadt haben die Kritiker des Restaurantführers erneut Zwei-Sternekoch Tim Raue ernannt, mit 19 von 20 möglichen Punkten. „Oft sind es simpel wirkende Ideen, die Raue zu großen Gerichten ausarbeitet“, hieß es. Auf Platz zwei schafften es mit je 18 Punkten Michael Kempf vom „Facil“ am Potsdamer Platz, Daniel Achilles vom „Reinstoff“ in Mitte und Hendrik Otto vom „Lorenz Adlon Esszimmer“ am Brandenburger Tor. Alle vier Köche sind ebenfalls mit je zwei Michelin-Sternen ausgestattet.

Insgesamt 42 Berliner Küchenchefs ausgezeichnet

Insgesamt zeichneten die Tester 42 Berliner Küchenchefs aus. Im Vergleich zum Vorjahr bewerteten sie zwölf Restaurants höher und fünf niedriger. Küchenchefs mit 13 oder 14 Punkten bekommen noch eine Kochmütze für eine ambitionierte, sehr gute Küche. Wenn die Kritiker weniger als 13 Punkte vergeben, sind die Speisen und Getränke ihrer Meinung nach herkömmlich und durchschnittlich – oder gar einfallslos und mangelhaft.

Und ein paar werden aufgrund ihrer besonderen Leistung in einer der neun Kategorien geehrt. Wie Karina Appeldorn. Und wie Gerhard Retter und Christof Ellinghaus von der „Cordobar“ in Mitte. Als „Restaurateur des Jahres“ wurden der einst zum besten Sommelier Österreichs gekürte Weinkenner und der Chef des Rock-Labels City Slang am Abend ausgezeichnet. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagte Ellinghaus kurz vor der Gala. „Ursprünglich wollten wir eine einfache Weinbar sein, mit ein paar Stullen, die wir dazu schmieren.“ Mit Küchenchef Lukas Mraz habe die Küche jedoch unglaublich angezogen. „Der hat sich in einen Rausch gekocht“, so Ellinghaus. Sobald man zurück in Berlin sei, werde man mit ihm sowie mit Sommelier Willi Schlögl, mit dem ganzen Team, feiern.