Flughafen Tempelhof

Warum die Modemesse Bread & Butter nun doch in Berlin bleibt

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Alexandra Kilian

Foto: Reto Klar

Die Entscheidung war ein Paukenschlag: Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller hatte erst im Juli angekündigt, dass die Modemesse im Winter nach Barcelona zieht. Jetzt jedoch rudert er zurück.

In der Sonne sitzt er. In einem Straßencafé auf Ibiza. Mit seiner Frau und den Kindern verbringt der Chef der Modemesse Bread & Butter seinen Sommerurlaub auf der spanischen Balearen-Insel. „Im Winter würde ich auch lieber hier in der Sonne sein“, sagt Karl-Heinz Müller, „in Barcelona.“ Wenn die Nachfrage jedoch eine andere sei, werde er nun mal in Berlin bleiben. Und nicht in der Sonne Spaniens.

Damit wird die Modemesse Bread & Butter nicht wie angekündigt im Januar kommenden Jahres nach Barcelona gehen und erst im Sommer 2015 wieder in Berlin stattfinden. „Wir werden im Januar 2015 parallel zu den weiteren Veranstaltungen im Rahmen und zum Zeitpunkt der Fashion Week veranstalten“, so Müller am Sonnabend.

Die Modemesse wird damit zeitgleich - und altbewährt - mit den anderen Berliner Verkaufsshows und Messen vom 19. bis 21. Januar 2015 in der Hauptstadt stattfinden.

„Auch Angela Merkel überdenkt Entscheidungen“

Die „Breaking News“, die Müller erst im vergangenen Juli vor großem Publikum bei der Eröffnung seiner Messe in Tempelhof inklusive Public Viewing des WM-Halbfinalspiels Deutschland gegen Brasilien verkündet hatte, sind damit nur einen guten Monat später hinfällig geworden. Hier hatte Müller von Barcelona im Januar, Berlin im Juli und Seoul im September als Veranstaltungsorte gesprochen.

Einem „Grand Slam“ seiner Messe, die wie bewährt neue Trends setze – und setzen müsse. „Wir müssen der Entwicklung in der Branche folgen. Wir sind ja Modeprofis und keine Quadratmeter-Vermieter. Deswegen ist unser ,Grand Slam‘ für die Kunden attraktiver, als das x-te Mal nach Tempelhof zu kommen. Die fangen sonst an, sich zu langweilen“, hatte Müller damals der Berliner Morgenpost im Interview gesagt.

„So ist das Leben nun mal“, sagt Karl-Heinz Müller am Sonnabend, als wir ihn auf Ibiza anrufen. „Auch Angela Merkel überdenkt Entscheidungen im Nachhinein.“ Industrie und Handel hätten einer Bread & Butter in Barcelona im Winter skeptisch gegenüber gestanden. Besonders, weil im schwierigen Einzelhandel mit Wintermode der noch größere Umsatz erzielt werde.

Wünsche und Nachfrage der Aussteller

„Für einen Mantel und Stiefel zahlt der Kunde mehr, als für ein Sommerkleidchen“, so Müller. Die Alternativen in Berlin für seine Aussteller während der Fashion Week, wäre er in Barcelona gewesen, die Premium und die Panorama, sind offenbar keine Alternative gewesen. „Mich haben zu viele gebeten, zu bleiben. Die Premium ist eine klassische Fachhandelsmesse, die Panorama entspricht nicht dem Style unserer Kunden – wir bieten ein ganz eigenes Event, eine eigene Show“, so Müller.

Aufgrund der Wünsche und Nachfragen der Aussteller habe er seine Entscheidung also rückgängig gemacht. Das habe er seinen Kunden bereits am Freitagabend mitteilen lassen. „In zahlreichen Gesprächen mit den Entscheidungsträgern unserer Branche wurde deutlich, dass man in der bestehenden Marktlage eher am bewährten Format festhalten möchte, trotz dem Reiz und den Möglichkeiten des Neuen. Die meisten Aussteller haben momentan den gesunden und sicheren deutschsprachigen Markt im Fokus“, so Müller.

Wie schon 2006? Damals war Karl-Heinz Müller schon einmal mit der Bread & Butter nach Barcelona gezogen, zunächst nur für die Winter-Editionen, 2008 schließlich ganz. Um bereits 2009 nach Berlin zurückzukehren und einen Zehn-Jahres-Mietvertrag mit der Stadt für Tempelhof bis 2019 zu unterschreiben. Den Müller weiter erfüllt hätte, ob er die Hallen nutzt, oder nicht, wie er im Juli betonte. Nun soll sich seine Miete wieder lohnen.

Keine Bewertung durch Klaus Wowereit

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte das Hin und Her des Messechefs und privat guten Bekannten am Sonnabend offiziell nicht bewerten. „Uns freut es natürlich, wenn alles beim Alten bleibt“, so Sprecher Richard Meng. „Zweifel, ob die Entscheidung vor einem Monat, nach Barcelona zu gehen, klug war, hatten wir schon damals. Aber das muss Herr Müller selbst wissen.“ Dietmar Axt, CEO von Mustang, kommentierte die Entscheidung: "Mich überrascht das nicht. Und ich freue mich für den deutschen Handel und auch für Mustang, dass Berlin das Epizentrum der europäischen Messelandschaft Für Fashion bleibt." Auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) freut sich, „wenn nach der Aufregung alles beim Alten bleibt“, wie sie am Sonnabend ebenfalls betonte. Offiziell habe es bei der Senatsverwaltung zwar noch keine Information von Müller gegeben, es überrasche sie jedoch nicht, dass er zu der gleichen Überzeugung gekommen sei wie ihr Haus, „nämlich, das Berlin der bessere Modestandort ist.“ Sie habe von den Ausstellern bereits gewusst, dass Berlin mehr Wirtschaftskraft ziehe.

Und dass Tempelhof als wichtiger Veranstaltungsort der Stadt bestehen bleibt. Nachdem Müller im Juli seinen Teilrückzug verkündet hatte, hatten nachfolgend ebenfalls das Berlin-Festival und die Weinmesse ihre Veranstaltungen im ehemaligen Flughafen abgesagt. Nach der für Berlin positiven Zusage der Sigmund Freud Privatuniversität, die sich in Tempelhof positionieren wird, wird nun auch Müller wieder Leben in die Hallen bringen.

„Ich möchte mich bei unseren Ausstellern, Besuchern und Partnern für die entstandene Verunsicherung und eventuelle Unannehmlichkeiten entschuldigen“, sagt Müller noch. „Ich versichere, wir werden mit voller Kraft an der zeitgemäßen Weiterentwicklung der Bread & Butter arbeiten.“ Ob die Idee des „Grand Slam“ nun ganz gestorben sei? „Nein“, sagt Karl-Heinz Müller. „Anfang September fliege ich wie geplant nach Seoul, um unseren Auftritt im September 2015 vorzustellen - und auch Barcelona ist nicht vom Tisch.“ Er habe doch schon damals gesagt, dass die Stadt auch eine Idee für den Sommer wäre. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, so Müller. Aus dem Straßencafé auf Ibiza, aus der Sonne Spaniens.