Nachnutzung

Abgehobene Ideen für das Dach vom Flughafen Tempelhof

Visionen für 1,2 Kilometer: Gärten, eine Tango-Tanzfläche oder ein Beachvolleyballfeld - auf der Dachterrasse des Flughafens Tempelhof scheint vieles möglich. Gäste sollen sie ab 2017 nutzen können.

Foto: Roswag Architekten / Roswag Architekten“

Eine Geschichtsgalerie, Laufstege, ein Aussichtscafé und Beachvolleyballfelder – die Ideen für die künftige Nutzung der riesigen Fläche auf dem Dach des Flughafens Tempelhof werden konkreter. "Wir beginnen jetzt mit den Planungen für die auf einer Länge von einem Kilometer vorgesehene Ausstellungsfläche zur Geschichte des Flughafens Tempelhof", sagte am Montag Gerhard Steindorf. Wie der Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH der Berliner Morgenpost bestätigte, ist der Baubeginn der öffentlichen Geschichtsgalerie auf dem Flughafendach für 2015 geplant.

Die bereits seit Jahren vorgesehene Gastronomie mit einem Aussichtscafé und einem Restaurant auf dem Flughafendach wird nach Angaben Steindorfs voraussichtlich nicht vor 2017 realisiert. "Vorher schaffen wir das nicht", so Steindorf. Die Umsetzung dieser und weiterer zuletzt 2013 in einem Dachnutzungskonzept zusammengestellten Ideen setze erst einmal voraus, dass die erforderlichen Untersuchungen zur statischen Tragfähigkeit des noch nicht vollends sanierten Daches abgeschlossen sind.

Erste Abschnitte der Geschichtsgalerie sollen bereits 2016 fertiggestellt und eröffnet werden. Die Ausstellung soll Besuchern dann neben ungewöhnlichen Ausblicken in die Weite des Flugfeldes auch Einblicke in die wechselvolle Geschichte des Flughafens bieten. Insgesamt 20 Millionen Euro sind dafür bislang aus öffentlichen Fördermitteln des Tourismus veranschlagt.

Die Geschichtsgalerie ist nicht die einzige Idee für die neue Nutzung des Flughafendaches, von der sich auch Berlins Tourismusexperten wachsende Anziehungskraft für die Hauptstadt erwarten. "Allein das Flugfeld ist international schon eine Attraktion. Aber das Dach des Flughafengebäudes ist ein Juwel mit einem ungeheuren Entwicklungspotenzial", sagt Björn Lisker.

Tangotanzfläche oder "Urban Gardening" - alles ist möglich

Der Sprecher der Tourismus-Gesellschaft "Visit Berlin" verspricht sich nicht nur von der Geschichtsgalerie sondern auch von Ideen wie die einer Tangotanzfläche, "Urban Gardening", einer Theaterbühne oder einem Beachvolleyballplatz auf dem Dach "weitere Attraktionen, mit denen Berlin international punkten kann". Tourismusexperte Lisker scheut keine großen Vergleiche: "Das Dach des Flughafengebäudes mit solchen Angeboten zu öffnen, ist ähnlich, als würde das Dach des Pentagon für die Öffentlichkeit freigegeben", betont der Sprecher. Immerhin: Das Dach ist 1,2 Kilometer lang

Doch bevor diese großen Visionen realisiert werden, geht die Tempelhof Projekt GmbH erst mal einen kleineren Schritt: Im September wird die erste Besucherplattform nach der Sanierung der ersten drei von insgesamt sieben Dächern aller Flughafenhangars wieder für größere Gruppen geöffnet. "Dann können wir mit den Besuchern unserer Flughafenführungen auch wieder aufs Dach steigen", freut sich Gerhard Steindorf.

Neben Bausenator Michael Müller (SPD) begrüßt auch der SPD-Landesparteichef Jan Stöß die Pläne, das Dach der Öffentlichkeit mit neuen Nutzungen wieder zugänglich zu machen.

Die Idee des abgehobenen Public-Viewings ist nicht neu. Schon Flughafenarchitekt Ernst Sagebiel (1892–1970) hatte das 1,2 Kilometer lange Dach für eine Tribüne angelegt. Bis zu 80.000 Besucher sollten nach den Plänen Sagebiels von dem leicht schrägen 60.000 Quadratmeter großen Dach unter anderem Flugschauen der Luftwaffe verfolgen. Die Tribüne wurde aber nie realisiert.

Es scheint, dass nach dem Scheitern der Bebauungspläne für die Ränder des Flugfeldes die Zukunft des ehemaligen Flughafengebäudes wieder stärker im Fokus steht. Allerdings gibt es nicht nur gute Nachrichten: Laut Informationen des aktuellen "Tagesspiegel" soll das für September geplante Berlin Festival nun doch nicht auf dem Gelände in Tempelhof stattfinden. Die Modemesse Bread & Butter hatte bereits vor kurzem einen Teilrückzug angekündigt.

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