Die Zeiten ändern sich. Deutschland rückt nach rechts und die Öffentlich-Rechtlichen rücken mit. Böse Zungen sagen, in vorauseilendem Gehorsam, schließlich scheint eine Kanzlerin Alice Weidel nicht mehr ganz unrealistisch. Die AfD liegt in Umfragen bei 30 Prozent, die Union rennt mit ihrem Kanzler von Umfragetief zu Umfragetief. Da möchte man in Mainz vorbereitet sein. Nicht, dass Weidel dem ZDF den Stecker zieht.
Zumindest stellte sich in den letzten Wochen dieser Eindruck ein, beim Blick auf das satirische Angebot vom Lärchenberg. Der als links wahrgenommene, man kann sagen, verschriene Jan Böhmermann verlässt das ZDF. Im Dezember ist Schluss mit dem „ZDF Magazin Royal“. Eigene Entscheidung, Böhmermann möchte „noch mal eine neue Sendung machen“.
Wo der eine geht, kommt der andere: Florian Schroeder bekommt vier Sendungen für sein „Journal Deluxe“, das vom Titel her ein wenig nach Ablösung für das „Magazin Royal“ klingt, aber keine sein soll. Dass Start des einen und Ende des anderen „zeitlich so nah beieinanderliegen, steht in keinem ursächlichen Zusammenhang“, teilte das ZDF der „Süddeutschen Zeitung“ mit. Die berichtete vor wenigen Tagen über ein Konzeptpapier zum „Journal Deluxe“, offenbar aus der Feder von Schroeder, einem ZDF‑Redakteur, und Wolfgang Link von der Produktionsfirma Tokara Media.
Neue ZDF-Show: Schroeder verspricht eine „neue Satirefarbe“
Die Echtheit des Papiers bestätigte das ZDF zumindest indirekt. Es sei „im Lauf der Zeit weiterentwickelt“ worden, hieß es aus Mainz, bildet also wahrscheinlich nicht mehr ganz den Stand des finalen Produkts ab. Laut dem zitierten Konzeptpapier soll das Format „Contrapunkt zu allen gängigen Comedy-Formaten“ sein und auch jene kritisieren, „die sonst wenig kritisiert werden: Grüne, Linke und Co.“ Dabei möchte man offenbar keine reaktionäre Perspektive einnehmen, sondern mit „einem böse-ironischen Blickwinkel der eigenen ‚Hood‘ gegenüber“ auf Debatten und Positionen blicken. Und dabei eben, nicht ausschließlich, aber doch wohl vorwiegend auf die Parteien links der Mitte.
Vom ZDF heißt es dazu in der offiziellen Ankündigung: Das „Journal Deluxe“ stelle Fragen und analysiere scharf: „Wie viel neue Wohnungen entstehen durch Enteignung?“ Und: „Wo stellen Grüne die Brandmauer hin, wenn der Handwerker erkennbarer AfD-Sympathisant ist?“ Anarchisch, verspielt und zugänglich werde das Format, in dem substanzielle Satire auf „Leichtigkeit und spielerische Konfrontation mit unterschiedlichen Gästen“ treffe.
Schroeder selbst lässt sich vom ZDF so zitieren: „Es erwartet uns eine neue Satirefarbe, die es so bisher nicht gibt“, und beschreibt diese Farbe als eine, die „liberaler ist, eine, die kleine Scheuklappen aufsetzt“. Im Konzeptpapier ist die Rede von „Diskurserweiterung“ und davon, dass man mit der Sendung neue „ZDF-ferne Zielgruppen“ erschließen will.
Als mögliche Gäste werden etwa der Freieste Mitarbeiter der Tageszeitung „Welt“, Ulf Porschardt, genannt und der demokratiekritische Milliardär Peter Thiel. Elemente der Sendung seien dazu laut SZ-Bericht Stand-up und eine längere Auseinandersetzung mit einem Thema, über Clips, Grafiken und Pointen am Tisch, ein Panel und eine Rubrik für Medienkritik.
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ZDF-Format hat Potenzial
Was es davon am Ende in die Sendung schafft, ob jede Sendung alle diese Elemente enthält, oder nur manche, wird sich zeigen. So klingt es ein wenig, als hätten Schroeder und sein Team das „Magazin Royal“, die „Heute Show“ und die „Anstalt“ in einen Mixer gesteckt und dem Ergebnis einen libertären Anstrich verpasst, um die „Vermeider des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ anzusprechen.
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Gemessen an dem, was in den Sozialen Medien bereits zur Ankündigung der „neuen Satirefarbe“ an Kritik aus der liberal-progressiven Blase verlautete, darf man wohl festhalten: Das Kalkül des ZDF, eine Art „Nuhr im Zweiten“ zu etablieren, könnte aufgehen. Ob Grüne und Linke in den letzten Jahren der Kritik zu sehr entgingen, darf gerade auch mit Blick auf Dieter Nuhrs Sendung natürlich bezweifelt werden. Und auch Oliver Welkes ZDF-Nachrichtensatire ist nicht gerade zu unterstellen, sie sei auf dem links-grünen Auge blind.
Auf dem Lärchenberg scheinen sie anderer Meinung zu sein. Und vielleicht nicht zu unrecht. Auch links-grünes Regierungshandwerk muss sich der Kritik stellen und allzu verbissener Kampf für eine bessere Welt muss ein Augenzwinkern aushalten.
Immerhin liegt das Format bei Florian Schroeder in den Händen eines Satirikers, dem gleichfalls nicht zu unterstellen ist, er teile nur in eine Richtung aus. Im Gegenteil, der 47-Jährige steckt aus beiden Lagern Kritik ein – und könnte vielleicht genau deswegen wirklich eine farbliche Abwechslung in die Satirelandschaft des ÖRR bringen. Dafür muss Schroeder aber eines im Blick behalten: Satire arbeitet sich nicht an den Schwachen ab.





