Als der Mann von Yvonne Lissel die Diagnose Demenz bekommt, ist der ehemalige SEK-Beamte gerade einmal 51 Jahre alt. Das ist nun rund sieben Jahre her. Seitdem pflegt Lissel ihren Partner. 24/7 an 365 Tagen im Jahr, wie sie bei „Hart aber fair“ sagt. Ihren eigentlichen Job musste sie aufgeben.

Ein Platz im Pflegeheim kommt für sie, nach einer schlechten Erfahrung in der Kurzzeitpflege, nicht infrage, für eine Pflegekraft aus dem Ausland fehle das Geld, erzählt sie. Inzwischen ist ihr Mann in der Tagespflege. Ein volatiles System, auf das sie sich nicht verlassen kann. „Wenn es nicht funktioniert, muss ich ihn wieder abholen“, so Lissel.

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„Hart aber fair“: Das waren die Gäste:

  • Petra Köpping (SPD), Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sachsen
  • Hendrik Streeck (CDU), Gesundheitspolitiker, Drogenbeauftragter der Bundesregierung
  • Caren Miosga, Journalistin und ARD-Moderatorin
  • Yvonne Lissel, pflegt ihren demenzkranken Mann
  • Dilek Erusta, Gemeindepflegerin in Berlin-Neukölln
  • Katarina Schickling, Autorin, pflegte ihre Mutter
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Friedrich und Ilse – geht da was?
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Pflegende Angehörige bei „Hart aber fair“ in der ARD: Gefühl, „gar nicht zu existieren“

So wie Yvonne Lissel geht es bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland. Sie pflegen Ehepartner, Eltern oder erwachsene Kinder. Und sie werden gebraucht. „Das System würde ohne pflegende Angehörige zusammenbrechen“, sagt Petra Köpping (SPD). Sie ist Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sachsen.

Doch warum werden mit der geplanten Pflegereform Gelder gekürzt? Weshalb haben so viele von ihnen das Gefühl, „gar nicht zu existieren“, wie Lissel es beschreibt? Und warum „schaut man immer auf den Betroffenen, aber nie auf den pflegenden Angehörigen“, wie die Gemeindepflegerin Dilek Erusta fragt? All diese Fragen kommen bei „Hart aber fair“ auf den Tisch.

Streeck schiebt bei „Hart aber fair“ alles aufs (fehlende) Geld

Beantworten soll die vornehmlich der Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck (CDU). Doch was er an diesem Abend liefert, sorgt für Unmut in der Runde. Man habe zu hohe Erwartungen an die Pflegeversicherung. Jahrelang seien die Leistungen ausgebaut worden, ohne dass es eine Gegenfinanzierung gegeben habe. „Alleine im nächsten Jahr haben wir ein Loch von acht Milliarden“, führt er aus. „Wir können nicht jede Alltagshilfe finanzieren.”

Doch an diesem Abend wird klar: „Es geht nicht nur ums Geld“, wie Journalistin Caren Miosga es sagt. „Wenn die Strukturen einfacher wären, wären die pflegenden Angehörigen schon glücklicher.” Denn: Es fehlt an niedrigschwelligen Angeboten. An unterstützenden Angeboten. Das seien keine Einzelfälle, sondern vor allem ein Strukturproblem, sagt die Autorin Katarina Schickling. Auch sie pflegte einst ihre Mutter und schrieb ein Buch zum Thema. Das Problem: „Die meisten sind so erschöpft, sie haben keine Kraft, sich zu beschweren”, sagt sie.

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„Mir platzt grad der Kragen”

Streeck würdigt diesen Job der pflegenden Angehörigen mit Worten. „Das wird von der Politik schon gesehen”, sagt er etwa. Doch er verliert sich auch in leeren Worten.„ Das ist ein Knochenjob und der hat eine physische Belastung”, sagt er. „Das muss auch irgendwie gewürdigt werden, aber ich bin nicht der Fachmann dafür, wie man das umstrukturieren kann.” Als er das sagt, wird Yvonne Lissel richtig wütend. „Mir platzt grad der Kragen”, sagt sie enttäuscht.

Die Würdigung, die Anerkennung ist es, die den pflegenden Angehörigen fehlt. Das wird an diesem Abend bei „Hart aber fair” klar. Stattdessen müssen sie mit Kürzungen, Bürokratiewahnsinn und mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung kämpfen. Und das Tag für Tag, manche Jahr für Jahr.