Franz Josef Strauß hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie weit rechts die Union Konkurrenz dulden sollte: gar nicht. Sein berühmter Anspruch, rechts von CDU und CSU dürfe sich keine demokratisch legitimierte Partei etablieren, bekommt nach 43,8 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt eine ziemlich bittere Aktualität. Sandra Maischberger macht Strauß deshalb zum Maßstab ihrer ersten Frage an Markus Söder: „Hat Merz das Format von Strauß?“
Söder lächelt – und weicht zunächst aus. Friedrich Merz und der frühere CSU-Chef hätten „nicht dasselbe Format“, sagt er, schließlich seien Herkunft und politische Zeiten andere. Dann schiebt er nach: „Ich glaube schon, dass er das Format eines Bundeskanzlers hat.“
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Das klingt loyal, obwohl die Lage wenig Anlass für parteifreundliche Höflichkeiten bietet. „Diese Wahl hat uns alle geschockt“, sagt Söder. Der „Regierungsauftrag“ liege nun „eindeutig bei der AfD“. Für die Bundesregierung sei das Ergebnis vor allem eines: eine „Denkzettelwahl in Richtung Berlin“.
Maischberger versucht trotzdem mehrfach, aus dem CSU-Chef mehr Kritik am Kanzler herauszulocken. „Sie waren mal schärfer“, erinnert sie ihn. Auf die Frage, ob Merz der richtige Kanzler sei, antwortet Söder denkbar trocken: „Ich glaube, dass er Kanzler ist.“ Die Verfassung gebe ihm schließlich eine starke Stellung.
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Sandra Maischberger provoziert Markus Söder – und der findet es nur bedingt lustig
Maischberger übersetzt: „Also man kriegt ihn nicht weg.“ Im Studio wird geschmunzelt. Söder weniger. Er finde ihre Art zwar „nicht unhumorvoll“, aber „nicht voll angemessen für die Lage“. Maischberger kontert: „Ich versuche, Sie ein bisschen zu provozieren.“
So richtig lässt Söder sich darauf nicht ein. Merz habe nicht alles richtig gemacht, sagt er. Das eigentliche Problem liege für ihn aber tiefer: in der Migrationsdebatte und dem Gefühl vieler Menschen, der Staat habe die Kontrolle verloren. „Ein Urvertrauen – auch in die Union – wurde beschädigt.“
Gleichzeitig warnt Söder davor, auf ein Verbot der AfD zu hoffen. Die „Brandmauer“ sei gescheitert, nun müsse man „mehr in die Zweikämpfe gehen“. Normalisieren will er die Partei damit nicht. „Wie Höcke und Co. über behinderte Menschen reden, das ist mit meinem christlichen Verständnis null vereinbar“, sagt er.

Söder fordert „Gerechtigkeitscheck“ und warnt vor AfD-Wirtschaftspolitik
„Ich will nicht, dass wir uns irgendwann vorwerfen lassen müssen, wir waren zu schwach als Demokraten.“ Die Weimarer Republik sei nicht daran gescheitert, dass die Radikalen stark gewesen seien, „sondern weil die Demokraten am Ende keinen Mumm mehr hatten“.
Dann geht es doch noch ins klassische CSU-Terrain. Söder fordert einen „Gerechtigkeitscheck“ für Reformen, Einsparungen bei Grundsicherung und Migrationskosten und warnt davor, nach dieser Wahl alles zurückzudrehen: „Dann ist noch größeres Chaos.“ Deutschland müsse sich entscheiden, was ihm wirtschaftlicher Wohlstand wert sei. Über die Wirtschaftspolitik der AfD urteilt er wenig zimperlich: „Alle Länder, die so agieren, wie die AfD vorschlägt, sind innerhalb kürzester Zeit vollpleite.“
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200.000 Euro für die CDU: Unternehmer Carsten Maschmeyer rechnet mit Merz ab
Vor einer Diagnose schreckt Söder aber an diesem Abend zurück: dass Friedrich Merz selbst das Problem sein könnte. Carsten Maschmeyer hat diese Hemmung nicht. Der Unternehmer ist der zweite Gast der Sendung. „Merz hat es voll vergeigt. Er muss weg. Er muss zurücktreten“, sagt Maschmeyer. Während Söder die Politik der Regierung kritisiert, stellt Maschmeyer also den Kanzler selbst infrage.
Bemerkenswert, weil Maschmeyer der CDU im Januar 2025 noch 200.000 Euro gespendet hatte, weil er ihr und der FDP „wirtschaftliche Kompetenz“ attestierte. Nun spricht er dem Kanzler nicht nur politische Führungskraft ab, sondern stellt gleich dessen Motivation infrage. Merz habe „aus einem falschen Grund Kanzler werden“ wollen: aus „Ego“ und um Angela Merkel zu zeigen, dass er es geschafft habe.
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Maschmeyer hält Merz für einen „Besserwisser“
Auch beim Führungsstil hält sich Maschmeyer nicht mit diplomatischen Verrenkungen auf. Merz sei „unnahbar, belehrend, ein Besserwisser“. Er höre von Menschen, die mit ihm zu tun hätten, zudem immer wieder, der Kanzler sei „arrogant“. Es folgt die politische Bilanz: Partei nicht im Griff, Koalition nicht im Griff, Ankündigungen nicht eingehalten. „Er hat nicht die AfD halbiert, sondern die CDU.“
Merz habe das „Schiff falsch gesteuert“ und müsse „von der Kommandobrücke runter“, sagt Maschmeyer. Das mögliche Ersatzpersonal hat er schon im Blick: Hendrik Wüst, Daniel Günther und Markus Söder seien „tolle Offiziere auf dem Schiff“. Damit wäre die Mannschaft für einen Wechsel schon mal aufgestellt. Wer ans Ruder soll, lässt Maschmeyer offen. Nur eines nicht: Merz soll runter von der Kommandobrücke. Aho









