Markus Lanz ist dafür bekannt, dass er in Diskussionen oft über die Rolle des Moderators hinausgeht und einen starken Standpunkt vertritt. Manchmal tut er das als „Advocatus Diaboli“, als der er bewusst eine Gegenposition zum Gegenüber einnimmt. Bei anderen Malen merkt der Zuschauer, dass ihm eine Sache wirklich am Herzen liegt.

In der Sendung vom Mittwochabend ist es das Thema Bürgergeld, das Lanz regelrecht fassungslos macht. Seit dem 1. Juli hat die Große Koalition das Bürgergeld in eine neue Grundsicherung überführt, bei der strengere Regeln für Empfänger gelten.

Die SPD ist hier also über ihren Schatten gesprungen, was Lanz aber nicht davon abhält, weiter auf dem Thema herumzureiten: „Das Bürgergeld hat die Wähler in Scharen zur AfD getrieben“, behauptet er etwa.

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Lanz ist Teil des Problems

Diese Annahme untermauert er mit keinerlei Daten und hinterfragt dabei auch nicht seine eigene Rolle. War es wirklich nur das Bürgergeld oder auch die Art und Weise, wie von Politikern und Medien darüber gesprochen wurde? Etwa wenn er fragt: „In welcher Welt muss man leben, um das Bürgergeld zu verteidigen?“

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Was an dieser Sendung sehr frappierend ist: Es wird die meiste Zeit nach unten getreten. Denn es geht um zwei Gruppen, die in Deutschland sehr häufig in Armut leben: Menschen in Grundsicherung und Einwanderer. Besonders um die Fälle, in denen beides zusammenkommt.

Man könnte die Diskussion seriös angehen und zum Beispiel über Probleme bei Arbeitserlaubnissen für Einwanderer sprechen. Auch eventuelle Fehlanreize durch die Grundsicherung könnte man thematisieren, ohne Ressentiments zu schüren. Doch stattdessen wird immer wieder von „Sozialmissbrauch in einer massiven Art und Weise“ und „Clanstrukturen“ gesprochen.

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Miersch leistet der Polemik wenig Widerstand

Der Journalist Olaf Sundermeyer steigt voll auf Lanz‘ Tenor ein und spricht davon, dass im Ruhrgebiet die Sozialsysteme „regelrecht ausgesaugt“ würden. Das Verrückte ist: Nur wenige Minuten später wollen Lanz und Sundermeyer vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch wissen, wie die AfD so stark werden konnte. Vielleicht liegt das auch daran, dass AfD-Talking-Points im ZDF reproduziert werden?

Matthias Miersch kommt mit seinen nüchtern vorgetragenen Argumenten nicht im Ansatz gegen die Grundstimmung im Studio an. Er führt zum Beispiel an, dass man Menschen nicht abschieben kann, die von ihrem Herkunftsland nicht genommen werden. Oder dass man EU‑Bürger, zum Beispiel aus Bulgarien, nicht einfach herausschmeißen kann, weil es in der EU eine Reisefreiheit gibt.

Einmal versucht er es auch mit dem Hinweis, dass die Verluste für den Staatshaushalt durch Steuerbetrug die Kosten durch Sozialbetrug um ein Vielfaches übersteigen. Doch als das bei Lanz auf taube Ohren stößt, lässt er das Thema wieder fallen.

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SPD-Krise: Wann ist Schluss für Bas und Klingbeil?

Auch bei Miersch merkt man, was ihm wirklich am Herzen liegt. Am leidenschaftlichsten und klarsten argumentiert er nämlich, wenn Lanz ihn nach der Zukunft der SPD-Parteivorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas fragt. Diese verteidigt er klar und lässt sich auch nicht auf Szenarien ein, die sich mit der Ablösung der SPD-Chefs beschäftigen. Diese Szenarien trägt die Journalistin des konservativen Nachrichtenportals „Pioneer“, Dagmar Rosenfeld, vor. Im „Blitzableiter-Szenario“ würden sich die SPD-Mitglieder lediglich bei einem Parteitag „auskotzen“, dann aber doch mit Bas und Klingbeil weitermachen.

In den anderen Szenarien würde Manuela Schwesig die SPD-Führung übernehmen, wann genau und mit wem oder allein – das sei noch zu klären. Rosenfeld will auch schon über mögliche Kabinettsumbildungen Bescheid wissen, in denen Miersch dann zum Umweltminister würde.

Dass es für Bas und Klingbeil eng wird, ist aufgrund der wahrscheinlich schlechten Ergebnisse bei den meisten kommenden Landtagswahlen klar. Lanz macht klar, dass er vor allem von Bas kein Fan ist. Er hat ein Zitat von vor drei Monaten herausgekramt, in dem die Parteivorsitzende als spontane Antwort auf einen AfD-Politiker sagt: „Es gibt keine Einwanderung in Sozialsysteme.“

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Lanz: „Da kommt so eine gewisse Geisteshaltung durch“

Diese pauschale Aussage von Bas ist falsch, weshalb die SPD-Vorsitzende sie später auch revidierte. Doch für Lanz ist der Satz offenbar Ausdruck eines größeren Problems: „Da kommt so eine gewisse Geisteshaltung durch.“

„Eine gewisse Geisteshaltung“ ist an diesem Abend auch bei Lanz durchgekommen. Nämlich, dass er sich besonders empört, wenn es um Migranten und Grundsicherungsempfänger geht. Damit sorgt Lanz für eine einseitige Diskussion, bei der Migration und Sozialleistungen die ganze Zeit problematisiert werden.

Am Ende der Sendung fragt Lanz dann, wie man AfD-Wähler wieder zurückholen könne? „So nicht“, möchte man ihm zurufen. Doch Lanz will offenbar keine Antworten, denn er schließt die Sendung dann mit der Bemerkung, dass das nur eine „rhetorische Frage“ gewesen sei.