Da saßen sie also: vier wortgewandte Frauen und ein Markus Lanz – zum zweiten Mal in dieser Woche begrüßte der Moderator eine reine Frauenrunde. „Ich freue mich sehr“, beginnt Lanz den Abend und betont, dass auch diese weibliche Runde reiner Zufall sei. Keine Männer – jedenfalls nicht unter den Gästen. Als Gesprächsthema aber den ganzen Abend präsent.

Los ging’s direkt mit einem Rundumschlag zu Frauen in der Politik und in Führungspositionen – oder besser: deren auffälligem Fehlen. Julia Löhr, Wirtschaftsexpertin der „FAZ“, kritisiert, dass Frauen oft nur als „Garnitur“ männlich dominierten Treffen beiwohnen und bezieht sich dabei auf das Treppenfoto beim Investitionsgipfel „Made for Germany“ im Kanzleramt, bei dem Vertreter mehrerer deutscher Unternehmen sowie einige Minister des aktuellen Kabinetts stehen. Auf dem Bild sind nur zwei Frauen zu sehen.

Anzüge, soweit das Auge reicht: Dieses Foto vom Innovationsgipfel hatte für Aufsehen gesorgt. Es sind nur zwei Frauen auf dem Bild zu sehen: Katherina Reiche (CDU, 1. Reihe links), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, und Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank.
Anzüge, soweit das Auge reicht: Dieses Foto vom Innovationsgipfel hatte für Aufsehen gesorgt. Es sind nur zwei Frauen auf dem Bild zu sehen: Katherina Reiche (CDU, 1. Reihe links), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, und Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank.© Katharina Kausche/dpa | Katharina Kausche

Frauke Brosius-Gersdorf bei Lanz: Offen, reflektiert und enttäuscht

Grünen-Politikerin Ricarda Lang zeigt auf, wie der Frauenanteil im Bundestag geschrumpft ist („Die AfD hat einen geringen Frauenanteil und bei den Konservativen ist der Frauenanteil auch gering“), während Journalistin Hannah Bethke die zunehmende Rückkehr zu alten Rollenmustern anspricht: Ein schleichender Prozess, der aber dazu führe, dass Frauen sich in so einem Umfeld nicht wohlfühlen und dort auch nicht arbeiten wollen würden. Lanz: „Also treten die Jungs gerne breitbeiniger auf?“ Absolut. Da sind sich alle Frauen einig. Doch Löhr sagt auch: „Wir können nicht nur den Männern die Schuld geben. Das Kabinett ist gemischt, aber es ist deutlich, wer präsenter ist.“ Weibliche Kabinettsmitglieder suchten die Öffentlichkeit nicht so sehr. Es wäre hilfreich, wenn Frauen mehr aus sich herausgehen würden.

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Markus Lanz leitet ein neues Thema ein und spricht Frauke Brosius-Gersdorf direkt an: „Sie sind diese Woche an die Uni zurückgekehrt. Wie war das für Sie?“ „Ich habe als sehr schön erlebt, aber es ist nichts, was ich mir gewünscht hatte“, gibt Brosius-Gersdorf ehrlich zu. „Ich wäre sehr gerne nach Karlsruhe gegangen.“ Während des ganzen Gesprächs über die geplatzte Wahl zur Verfassungsrichterin, zeigt sich die Juristin ehrlich und verletzlich: „Natürlich tut das noch weh. Man kann nicht einfach alles abstreifen“, sagt sie über die Kampagne gegen sie. „Das wird mich auch noch länger beschäftigen.“ Als die Richterwahl dann erfolgte, sei sie nach Sylt geflohen.

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Lanz bohrt wie gewohnt nach, als Brosius-Gersdorf erzählt, Jens Spahn hätte sie im Nachhinein angerufen: „Hat Jens Spahn sich bei Ihnen entschuldigt?“ Brosius-Gersdorf hält die Situation charmant aus: „Eine Entschuldigung habe ich nicht vernommen.”

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Themenhopping: Wehrpflicht, Gendern und Sozialstaat

Die zweite Hälfte der Sendung zerfasert ein wenig. Kaum, dass die Runde den Fall Brosius-Gersdorf hinter sich gelassen hatte, geht es um Wehrpflicht, Gendern und Sozialpolitik. Besonders beim Thema Bürgergeld und Sozialausgaben wird es kurz hitzig. Ricarda Lang warnt vor sozialer Kälte und möglichen Folgen wie Obdachlosigkeit für Familien. Julia Löhr entgegnet, es müsse legitim sein, Menschen in die Verantwortung zu nehmen, die sich dreimal nicht bei den Behörden meldeten. Beide Seiten versuchen, ihre sozial- und wirtschaftspolitischen Positionen mit gleicher Vehemenz zu verteidigen – und zeigen dabei das Dilemma des Koalitionsstreits.

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#19 Carsten Linnemann über Merkel, Merz - und warum er in der Politik nicht alt werden will
Meine schwerste Entscheidung
 

Zum Abschluss noch ein Klassiker bei „Markus Lanz“: die obligatorische Frage nach der Steuererhöhung. Lanz, mit einem Augenzwinkern: „Kommt sie oder nicht? Frage für einen Freund.“ „Für Jens Spahn?“, kommt die Frage aus der Runde, doch Lanz kontert schmunzelnd: „Nein, Carsten Linnemann.“ Die Runde lacht.