Anzüge, soweit das Auge reicht: Als sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in dieser Woche mit den Chefs der Dax-Konzerne zum Investitionsgipfel traf, blieben die Männer bis auf zwei Ausnahmen unter sich: Beim Gruppenbild stachen nur Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp heraus und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). In den sozialen Medien ging das Bild viral. Wo sind die Frauen bei wichtigen Entscheidungen? Wie steht es um die Förderung von Frauen? Und wie ist die Situation im Ausland? Daten und Fakten zum Thema.

Welche Bildungsabschlüsse erreichen Frauen und Männer?

Frauen haben bei der Bildung die Nase vorn, das Statische Bundesamt spricht sogar von einem „Gender Education Gap“. Mehr als die Hälfte der Uni- und Hochschulabsolventen, etwa 52 Prozent, sind weiblich, so die Zahlen von 2024. Männer fallen hingegen öfter durchs Examen: Ihr Anteil der nicht bestandenen Studienabschlussprüfungen ist mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen. Je höher der Abschluss, desto niedriger wird allerdings der Frauenanteil: Unter den Doktoranden sind nur noch 46 Prozent Frauen, 37 Prozent habilitieren sich.

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Wie spiegelt sich der hohe Anteil der Akademikerinnen auf dem Arbeitsmarkt wider?

Beim Berufseinstieg ist das Verhältnis noch relativ ausgewogen. Beispiel Jura: Der Frauenanteil bei den Absolventen liegt bei 57 Prozent. Bei guten Noten schaffen es Frauen dann durchaus in die Top-Kanzleien, so liegt ihr Anteil an den sogenannten Associates bei 47 Prozent. Mit dem Aufstieg geraten sie aber zunehmend in die Minderheit. Partnerin werden nur noch 16 Prozent, so eine Erhebung der AllBright-Stiftung.

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Bei den großen Unternehmen beträgt der Frauenanteil an den Vorständen immerhin 26 Prozent, allerdings sind nur vier Frauen Vorstandschefinnen: Neben der Commerzbankchefin Bettina Oropp sind es Belén Grijo von Merck, Karin Rådström von Daimler Truck und Helen Giza von Fresenius Medical Care.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Besonders groß sind die Unterschiede in der Medizin. Schon jetzt sind unter den Ärzten mehr als 50 Prozent Frauen – mit steigender Tendenz, denn sie stellen bereits 70 Prozent der Studierenden. In den Kliniken sinkt ihr Anteil mit dem Karrieregrad: Nur noch 37 Prozent der Oberärzte sind Frauen, ihr Anteil an den Chefarztpositionen stagniert bei 13 Prozent, so der Marburger Bund, der sich auf eine Studie des Deutschen Ärztinnenbundes beruft. „jungmediziner.de“ macht dafür fehlende Netzwerke, Mentoring und mangelnde Vereinbarung von Familie und Beruf verantwortlich.

Evelyne de Gruyter beschreibt die eingespielten Machtzirkel, die Frauen den Aufstieg erschweren: „In den meisten Unternehmen erschweren ‚Buddy-Netzwerke‘ und stereotype Rollenerwartungen Frauen den Zugang zu Führungspositionen“, sagt die Geschäftsführerin des Verbandes der Unternehmerinnen (VDU) dieser Redaktion. Sie beschreibt den immer üblichen sogenannten Thomas-Kreislauf: Führungsrollen würden häufig mit Männern besetzt, „die dem bestehenden Management ähneln“.

Wie sieht es bei den Unternehmensgründungen aus?

Startups leben von Wagniskapital-Investitionen. Doch 91 Prozent der Finanzmittel fließen derzeit an rein männliche Teams, so die Bertelsmann-Stiftung in ihrem „Female Founders Monintor 2025“. Dass Frauen beim Zugang zu Kapital deutlich benachteiligt sind, bestätigt auch de Gruyter: „Gründer erhalten im Schnitt neunmal mehr Investment – nicht, weil sie bessere Ideen haben, sondern weil sie in ein bekanntes Schema passen.“ Frauen würden zudem im Investmentprozess häufig mit anderen Fragen und Erwartungen konfrontiert als männliche Gründer.

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Zwar liege der Gründerinnenanteil insgesamt bei einem Rekordhoch von 43 Prozent, so de Gruyter, doch im Start-up-Sektor sei er zuletzt auf nur noch 18,6 Prozent gesunken. Die Bertelsmann-Stiftung fordert deshalb mehr Kapital für Gründerinnen sowie gezielte Förderprogramme. Für Unternehmerinnen besonders wichtig sei auch die Vereinbarung von Familie und Beruf mit mehr Ganztagsschulen und einem besseren Mutterschutz.

Wie sind die Karrierechancen für Frauen in der Wissenschaft?

In Bereich Forschung und Entwicklung sind Frauen in Deutschland ebenfalls klar unterrepräsentiert. Nur 29 Prozent der knapp 52.000 Professorenstellen waren 2023 von Frauen besetzt, wie das Statistische Bundesamt im vergangenen Dezember ermittelte. Und weniger als zwölf Prozent der Lehrstuhlinhaber (C-4-Professur), ist weiblich.

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Soziologin Jutta Allmendinger sieht die Gründe auch im System selbst: „Der Weg auf eine Professur ist sehr lang und völlig unplanbar.“ Denn es gebe kaum feste Stellen unterhalb der Professur. „Für viele Frauen, die Kinder wollen, ist das Risiko schlicht zu hoch, keine Professur zu bekommen und mit leeren Händen dazustehen“, sagt die Professorin an der Humboldt-Universität Berlin. Viele wechselten deshalb auf administrative Stellen oder verließen den Hochschulbereich ganz.

Wie ist der Frauenanteil in Führungspositionen im Vergleich zu anderen EU-Ländern?

Deutschland liegt im europäischen Vergleich klar unter dem Durchschnitt. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen lag 2024 bei 29,1 Prozent, so aktuelle Zahlen des statischen Bundesamtes. Im EU-weiten Ranking landet Deutschland damit auf Platz 22. Als Führungsposition zählen Vorstände, Geschäftsführungen, hohe Positionen in Verwaltung, Handel, Produktion und Dienstleistungen. Spitzenreiter ist Schweden mit einem Anteil von 44,4 Prozent, auch Lettland (43 Prozent), Polen (42 Prozent) und Ungarn (41 Prozent) erreichten Quoten über 40 Prozent. Schlechter als Deutschland sind Italien, Kroatien und Dänemark mit einem Frauenanteil an Führungspositionen von je 28 Prozent.