„Vielleicht eine Frage zum Aufwärmen: Wann haben Sie zuletzt im Gesundheitsministerium Tischtennis gespielt?“, mit dieser Frage eröffnet Markus Lanz die Runde am Donnerstagabend. Karl Lauterbach, SPD-Politiker und Ex-Gesundheitsminister, lacht – aber der Ton ist gesetzt: Es wird um Kontrolle gehen, um Zugang, um das, was gesagt werden darf und das, was sich nicht gehört. Und das gehört in die Kategorie: Gehört sich nicht, was Negatives zu sagen. Er darf nämlich nicht mehr im Gesundheitsministerium Tischtennis spielen. Warum, weiß er nicht.
Das zentrale Thema des Abends ist aber eigentlich die Maskenaffäre – genauer: der sogenannte Sudhof-Bericht, der die umstrittene Maskenbeschaffung unter Lauterbachs Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU) aufarbeiten sollte. Nur: Der Bericht liegt der Öffentlichkeit bislang nur in geschwärzter Form vor. Angeblich wegen Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Doch das sorgt für Aufregung. „Ich habe den Bericht damals in Auftrag gegeben, weil ich der Meinung war, dass die Öffentlichkeit – und ich übrigens auch – ein Anrecht darauf hat, was damals passiert ist“, sagt Lauterbach.
Lanz fragt: „Hätten Sie ihn ungeschwärzt veröffentlicht?“ Lauterbachs Antwort: „Jeder, der mich kennt, wird die Antwort selbst wissen.“ Es ist einer von mehreren Momenten, in denen sich Lauterbach rhetorisch windet, ohne wirklich etwas preiszugeben. Die zentrale Frage, ob er den ungeschwärzten Bericht kennt, bejaht er klar. „Aber ich kann nicht durch die schwarze Übermalung durchgucken“, sagt er – halb ironisch, halb entnervt.
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SZ-Journalistin Berndt: „Spahn handelte hemdsärmelig“
Christina Berndt, Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung, die seit Jahren zur Pandemie und ihren politischen Folgen berichtet, wird deutlicher: „Uns sind immer wieder Teile zugespielt worden“, sagt sie. Und ergänzt: „Herr Spahn ist hier mit einer Hemdsärmlichkeit an die Sache gegangen. Hat gegen Widerstände und Warnungen gehandelt – zum Beispiel mit seinem Open-House-Verfahren.“
Ein Satz, der Tanja Gulden hellhörig machen dürfte. Die Unternehmerin hatte 2020 gemeinsam mit ihrem Mann rund 600.000 FFP2-Masken an den Bund geliefert – und bis heute kein Geld gesehen. „Wir haben tatsächlich auf eine Herausgabe des ungeschwärzten Berichts geklagt“, erzählt sie. Und weiter: „Von 2,7 Millionen Euro netto habe ich bis heute keinen Cent erhalten.“ Der Staat sei vertragsbrüchig. „Wenn der Bund etwas sagt, geht ein Gericht immer davon aus, dass es stimmt. Das ist ein strukturelles Ungleichgewicht.“
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Rechtliche Grauzonen bei Lanz: Wer darf was sagen?
Gulden ist Geschädigte, Lauterbach war Minister, Berndt berichtet investigativ. Lanz versucht, Struktur reinzubringen. Doch der Elefant steht übergroß im Studio: Man darf vieles nicht sagen. Oder will es nicht. Das erzeugt Spannung – und Frust. Als Lauterbach schließlich halb spöttisch sagt: „Wenn so ein Bericht mit viel Schwärzungen kommt, kommt es zu Sendungen wie heute“, bricht Lanz in schallendes Gelächter aus. Er quittiert den Satz als das, was er ist: eine elegante Spitze. „Das war die schönste Art, Kritik an Ihrer Nachfolgerin zu üben, ohne Kritik an Ihrer Nachfolgerin zu üben.“
Und doch bleibt der Abend unbefriedigend. Weder wird Spahn zur Rede gestellt – er ist nicht da –, noch dürfen konkrete Inhalte des Berichts offengelegt werden. Gulden beteuert: „Ich könnte vielleicht dazu beitragen, dass der Bericht in Zukunft ungeschwärzt verfügbar ist.“ Schließlich fordere sie Einsicht. Mehr als ein „vielleicht“ bleibt aber nicht.

Rentendebatte als Randnotiz: Martin Werding warnt vor Überlastung
Den einzigen Ausflug ins Übergeordnete übernimmt Martin Werding, Wirtschaftsweiser und Mitglied im Sachverständigenrat. Er warnt vor der langfristigen Unfinanzierbarkeit des Rentensystems und spricht sich für eine Anhebung des Renteneintrittsalters ab 2031 aus. Doch die Debatte bleibt hier nur Randnotiz.
Es ist eine Sendung voller Leerstellen. Sie zeigt, wie komplex politisches Aufarbeiten wird, wenn juristische Verfahren parallel laufen – und wie schwierig es ist, mit Gästen zu sprechen, die sich gegenseitig verklagen. Oder wie Lauterbach es formuliert: „Wir haben viele Prozesse verloren – und manchmal wussten nicht mal unsere eigenen Leute, wie es damals wirklich ablief.“






