Geigenvirtuose

Michael Barenboim: Ich habe wenig Lampenfieber

Die nächste Generation einer Berliner Musikerfamilie: Michael Barenboim stellt sich als Geigenvirtuose in der Komischen Oper vor.

Nachdenklich, cool und kein bisschen exaltiert: Geiger Michael Barenboim, hier im Maison de France am Kurfürstendamm

Nachdenklich, cool und kein bisschen exaltiert: Geiger Michael Barenboim, hier im Maison de France am Kurfürstendamm

Foto: Reto Klar

Es ist ein Konzert, bei dem der Name des Virtuosen vollständig ausgeschrieben werden muss. Der Name Barenboim allein genügt diesmal nicht. Klassikliebhaber denken dann sofort an den Musikchef der Staatsoper. Wobei es merkwürdig wäre, wenn Daniel Barenboim, der Stardirigent, Pianist und Akademiegründer, jetzt handstreichartig das Orchester der Komischen Oper übernimmt, um als Geiger zu debütieren. Bartoks zweites Violinkonzert steht am Freitag auf dem Programm. Solist ist Michael Barenboim, sein Sohn, Jahrgang 1985. Das Konzert ist schon deshalb etwas besonderes, weil er sich erstmals als Solist in Berlin vorstellt. Die nächste Generation der Barenboims präsentiert sich.

„Nein, ich habe wenig Lampenfieber“, sagt Michael Barenboim: „Heute habe ich meine erste Probe mit dem Orchester, dann werde ich vielleicht mehr wissen. Es ist ja ein bisschen das Heimspielding. Es kann sein, dass sich mehr Druck aufbaut, aber es kann sich auch das Gefühl des Wohlsein einstellen.“ Das Gespräch findet im Maison de France, wo seine Agentur ihr Büro hat, am Kurfürstendamm statt. Michael Barenboim ist zu Fuß gekommen, er wohnt mit Frau, einer Pianistin, und Kind gleich um die Ecke in Wilmersdorf.

Der Vater raucht Zigarre, der Sohn lieber Pfeife

Der erste Unterschied zwischen Vater und Sohn ist bereits am Eingang zum Maison de France zu bemerken. Michael Barenboim klopft seine Pfeife aus und wird drinnen während des Gespräch nicht mehr rauchen. Daniel Barenboim zündet sich dagegen gerne zu Beginn eines Gesprächs genießerisch eine Zigarre an. Über seinen weltberühmten Vater will Michael Barenboim gar nicht viel reden. Das hat er wohl von klein auf gelernt, es besser nicht zu tun. Dabei ist er bereits die dritte Musikergeneration. Seine Mutter ist die Pianistin Elena Bashkirova, die gerade ihr Kammermusikfestival „Intonations“ im Jüdischen Museum vorbereitet. Sein Großvater Dmitri Bashkirov ist einer der großen Pianistenmacher in Moskau.

„Dass ich in der Familie aufgewachsen bin, habe ich natürlich immer als Vorzug empfunden“, sagt Michael Barenboim: „Ich konnte aus erster Hand viel über Musik lernen. Der erzieherische Geist und das Denken über Musik wird in unserer Familie weitergegeben. Aber wenn ich nicht in dieser Familie aufgewachsen wäre, dann hätte ich doch auch versucht, von den besten Musikern zu lernen.“ Und dann fügt er noch hinzu, dass jeder irgendwann erwachsen wird und „seine eigenen Sachen machen muss.“

Konzertmeister im West-Eastern Divan Orchestra

Geboren wurde Michael Barenboim in Paris, als sein Vater in Berlin Generalmusikdirektor wurde, zog er mit der Familie herüber. Als Junge wechselte er vom Klavier zur Geige. Seit 2000 gehört er dem von seinem Vater mitgegründeten West-Eastern Divan Orchestra an. Drei Jahre später wurde er Konzertmeister des Orchesters, in dem junge Musiker aus dem Nahen Osten gemeinsam musizieren. Sein Vater steht dann immer am Dirigentenpult, er sitzt am ersten Geigenpult vorn links. Seit einigen Jahren ist Michael Barenboim auch als Solist unterwegs. Mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Pierre Boulez hat er gespielt, mit den Wiener Philharmonikern oder dem BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons.

„Vielleicht ist es gut, dass ich nicht gleich in Berlin begonnen habe“, sagt er. Seine Entwicklung hält er für etwas Konsequentes. „Ich verstehe mein Leben so, dass ich durch die Dinge, die ich mache, immer etwas für künftige Projekte lerne. Ein Beispiel. Als Konzertmeister im Orchester habe ich gelernt, wie man im Violinkonzert mit dem Solisten, der vor einem spielt, umgehen muss. So habe ich etwa gesehen, wie ein Orchester auf die Gesten von Solisten reagiert. Insofern habe ich jetzt vielleicht sogar einen kleinen Vorsprung vor anderen.“

Kammermusik spielt er gerne auch mit seinem Vater

Das Konzert in der Komischen Oper dirigiert Henrik Nánási, der Generalmusikdirektor des Hauses. Die Beiden waren gerade zusammen mittagessen. „Das ist ein Vorteil, wenn man in der selben Stadt wohnt“, sagt Michael Barenboim. „Normalerweise kommt man in einer Stadt an, probt kurz mit dem Dirigenten und dann folgen auch schon die Konzerte. Und man reist wieder ab.“ Das Orchester der Komischen Oper kenne er nicht wirklich, sagt er. Aber er mache nicht nur sein Ding, sondern höre auch darauf, was das Orchester anbietet, was es mag, was seine Stärken sind. „Ich gehöre zu den Solisten, die an einer Einheit mit dem Orchester interessiert sind.“

Er sei gut ausgelastet, sagt der Geiger. „Es werden nicht nur Solokonzerte sein, ich kann weiterhin im West-Eastern Divan Orchestra mitspielen. Wenn ich die Zeit dafür habe. Ich werde auch weiterhin viel Kammermusik spielen.“ Das macht er gerne auch mit seinem Vater.

Komische Oper, Behrenstr. 55–57, Mitte. Tel. 47997400 Geiger Michael Barenboim debütiert am 19.2. um 20 Uhr