Kultur

Spritzig, sentimental, kurzweilig

Liebesromanze in der Komischen Oper: Offenbachs „Fantasio“

Nicht die leichte Muse, sondern die große Oper war Jacques Offenbachs Lebenstraum. Von seinen sechs Opern kann sich aber bisher nur „Hoffmanns Erzählungen“ auf den Spielplänen behaupten. Die Komische Oper mit ihrer großen Offenbach-Tradition legt sich jetzt für „Fantasio“ ins Zeug. Und tatsächlich: Die romantische Oper von 1870 ist ein Meilenstein auf dem Weg zu „Hoffmann Erzählungen“. Die Aufführung erweist sich als Höhepunkt des Offenbach-Festivals am Opernhaus.

Das Opernorchester sorgt unter dem Schweizer Dirigenten Titus Engel für erfrischende Wechselbäder zwischen flotten und feierlichen Klängen, steifen Hofknicksen und sehnsüchtigen Liebeswalzern. Manchmal besteht sogar Ohrwurmverdacht. Musikalisch ist das bester Offenbach – spritzig und sentimental und mit kurzweiligem Schwung. Auch der Opernchor spielt mit schlagkräftigen Volks- und Studentenchören eine Hauptrolle.

Die Handlung darf man nicht auf die Goldwaage legen, aber bei welcher Oper darf man das schon? Eine Prinzessin und ein Student, der unter ihrem Balkon steht, singen gemeinsam ein Duett und verlieben sich ineinander. Dabei können sie sich nicht sehen, sie verlieben sich singend in ihre Stimmen. Die bayerische Prinzessin darf ihr privates Glück nicht ausleben, weil die Staatsraison die Heirat mit dem Prinzen von Mantua erfordert. Der Student verkleidet sich als Hofnarr, um seiner Prinzessin nahe sein zu können. Am Ende kommt es nach allerlei Verwirr- und Verwechslungsspielen zum unvermeidlichen Eklat, der in der Textvorlage von Alfred de Musset zum Krieg führt. Jacques Offenbach, der Pazifist, sagt den Krieg ab und lässt seinen studentischen Hofnarren am Ende eine flammende Antikriegsrede halten.

Die Komische Oper hat die „Uraufführung der Originalfassung“ angekündigt. Tatsächlich findet die Aufführung in konzertanter Form statt. Eine Reihe von Arien, Chören und Zwischenspielen wird ausgelassen. Statt der Dialoge gibt es in der französischen Fassung eine deutschsprachige Moderation. Natürlich ist das nicht die Opernaufführung, wie sie sich der Komponist seinerzeit vorgestellt hatte. Trotzdem ist es am Ende ein gelungener Abend. Man darf gespannt sein auf die erste szenische Version dieser Urfassung. Dass sie lebensfähig ist, hat die Komische Oper bewiesen.

Fantasio, Komische Oper, Behrenstr. 55–57, 16.2., 19.30 Uhr