Klassik-Kritik

Elfenhaft leicht lässt Dirigent Ion Marin Mozart erklingen

Pianist Lars Vogt zu Gast beim Rundfunk-Sinfonieorchester

„Schau niemals aufmunternd das Blech an“, lautet eine der zehn goldenen Regeln, die Richard Strauss im Jahre 1925 einem jungen Kapellmeister ins Stammbuch schrieb. Dirigent Ion Marin scheint diesen Rat verinnerlicht zu haben: Angenehm natürlich wirken die Blechbläser bei Strauss’ „Don Juan“ in den Gesamtklang des Rundfunk-Sinfonieorchesters eingebettet – ein Klang, der viel Wert auf Sinnlichkeit und Farbpracht legt, Schärfe und Bitterkeit dagegen weitestgehend vermeidet. Unter Marin, dem Österreicher mit rumänischen Wurzeln, mutet Strauss’ „Don Juan“ kaum wie das Werk eines genialisch auftrumpfenden 24-Jährigen an – eher wie die Kostprobe eines Gentlemans in gereiften Jahren.

Ursprünglich war für diesen Philharmonie-Abend Simone Young am Dirigierpult vorgesehen gewesen. Doch nachdem die Australierin schon vor Kurzem ihren Auftritt beim „Ultraschall“-Festival hatte absagen müssen, schien auch das Konzert mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester eher unwahrscheinlich. Dass nun der einspringende Ion Marin das komplette Programm beibehält, bringt ihm allseits Sympathien ein: beim Publikum, das in den Genuss eines Strauss-Mozart-Abends kommt, und auch beim Orchester, das einmal mehr zeigen kann, wie prächtig es sich in den letzten Jahren unter ihrem Chefdirigenten Marek Janowski weiterentwickelt hat.

Etwas überraschend allerdings, wie ungebrochen klangschön die Musiker in Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ op. 30 aus dem Jahre 1896 bleiben. Das Orchester bietet einen Strauss zum Zurücklehnen und Genießen, voller Wärme und Ausgewogenheit. Ion Marin verlangt einen rückwärtsgewandten, fast Mendelssohn’schen Tonfall. Er vermeidet das Avantgardistische der Partitur überall dort, wo es möglich ist, verbannt Ruppigkeit und Ironie zugunsten kultivierten Schwelgens.

Erstaunlich auch, wie mild und glücklich Mozarts tragisches c-Moll-Konzert KV 491 zuvor wirkt. Elfenhaft leichtfüßig lässt Ion Marin die Orchesterexposition spielen. Pianist Lars Vogt gehört allerdings zu den bodenständigeren Interpreten. Das Forte-Spiel des 45-jährigen Deutschen weist mitunter expressive Härten auf. Seine abrupten Crescendi und perkussiven Artikulationen tendieren zur Manieriertheit. Es ist eine herausfordernde Mozart-Auffassung, an die sich Dirigent und Orchester erst gewöhnen müssen. Lars Vogt forciert den kammermusikalischen Dialog, treibt die RSB-Musiker immer weiter aus der Reserve. Doch erst im humorvollen Finale begegnen sie dem Solisten auf Augenhöhe, erweisen sich als aktive Mitgestalter des musikalischen Geschehens. Vogts Leidenschaft für die Kammermusik kommt auch in der Zugabe zur Geltung: Anstelle einer Solodarbietung versammelt er uneigennützig die RSB-Bläsersolisten um sich – und begleitet eine besonders innige Version des langsamen Satzes aus Mozarts Es-Dur-Bläserquintett KV 452.