Die armen Kinder. Das ist das erste, was man denkt, wenn man sich den Trickfilm „Der kleine Prinz“ anschaut. Wir haben das bei der Berlin-Premiere im Zoo Palast getan, mit einem Kino voller Kinder. Und die blieben auch trickfilm-ungewohnt ziemlich still. Wie denn auch anders? Die verstehen das doch gar nicht.

Aber, das ist der zweite Gedanke, der einem kommt, ging es einem nicht selber so? Als Kind, als man das Buch gelesen hat? „Der kleine Prinz“, der süßeste Außerirdische vor „E.T.“, hat uns von jeher mit seinen schöne Illustrationen gefesselt, die vom Verfasser Antoine de Saint Exupéry selbst stammten. Und sie haben sich in unser Bewusstsein eingebrannt.

Das Streben der Menschen, so sinnlos

Aber haben wir damals diese poetische Mär um den kleinen Propheten verstanden, der da von Planet zu Planet wandert und das sinnlose Streben der Menschen infrage stellte? So ein Satz wie der des Fuchses, „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, begreift man doch erst, wenn man ihn selber Kindern vorliest. Ach, so war das gemeint!

„Der kleine Prinz“ von Mark Osborne ist bei Weitem nicht die erste Verfilmung des Buchklassikers. Aber sie ist insofern einzigartig, weil sie um die Überforderung des kleinen Publikums weiß. Und deshalb gleich zwei Filme bietet: Mär und Deutung zugleich.

Der kleine Prinz in der Sahara
Der kleine Prinz in der Sahara© (C) 2015 Warner Bros. Ent. | (C) 2015 Warner Bros. Ent.

In der Rahmenhandlung wird einem kleinen Mädchen in einer schrecklich durchrationalisierten Gegenwart der Alltag komplett durchgeplant, bis sie in ihrer neuen, gleichgeschalteten Nachbarschaft auf einen schrulligen Alten mit Flugzeugwrack im verwilderten Garten trifft.

Das ist der Pilot, der dem „Kleinen Prinzen“ einst in der Sahara begegnet ist, was das Mädchen teils von dem Alten erfährt, teils aus seinen losen Papieren, die natürlich das Manuskript des berühmten Buchs darstellen.

Zwei Ebenen, zwei Trickverfahren

Für die unterschiedlichen Ebenen findet der Film zwei völlig verschiedene Trickverfahren: Für die Jetzt-Zeit die unvermeidliche Computeranimation mit all den runden Gesichtern und niedlichen Kulleraugen, für die alte Mär die etwas aus der Mode gekommene, aber immer noch viel poetischere, künstlerische Form des Puppenspiels, das noch mühsam im Stopmotion-Verfahren, also Bewegung für Bewegung einzeln aufgenommen werden muss. Mit fantasievoller Butterbrotpapierausstattung.

Von dem alten Zauber hätte man gern mehr gesehen. Aber die Rahmenhandlung gerät so ausladend, dass „Der kleine Prinz“ darüber noch kleiner, auf Nötigste reduziert wird. Was das junge Publikum wohl noch mehr überfordert. Am Ende möchte man gern noch mal das Buch aufschlagen.

Regisseur Mark Osborne /(M.) mit seinen deutschen Sprecher Matthias Schweighöfer (l.) und Til Schweiger bei der Berlin-Premiere
Regisseur Mark Osborne /(M.) mit seinen deutschen Sprecher Matthias Schweighöfer (l.) und Til Schweiger bei der Berlin-Premiere © dpa | Jörg Carstensen

Dennoch geht diese Doppelstrategie auf, harmonieren die optischen Stile ganz gut. Und den Titelhelden gibt es so gleich drei Mal: als kleiner Prinz im Puppenspiel. Als Herr Prinz in der Jetztzeit. Und als Illustration des Piloten.

Im Original werden die Stimmen von Stars wie James Franco, Rachel McAdams und Jeff Bridges gesprochen, der kleine Prinz vom Sohn des Regisseurs selbst. Die deutsche Synchronisation wird dagegen einzig über Til Schweiger und Matthias Schweighöfer verkauft. Dabei sprechen die doch eher Nebenrollen. Das ist ärgerlich und auch ein bisschen gemein.

Peter Zander