Mit Daniel Brühl ist sie fertig. Als schleimiger Journalist nutzt der sie im Film „Ich und Kaminski“ nach Strich und Faden aus. Bis sie seine Sachen packt. Und ihn vor die Tür setzt.

Mit Thomas Heinze kann sie ständig. In der Fernsehserie „Blochin“ ist sie eine eiskalte, ehrgeizige Staatsanwältin, setzt aber für den von Heinze gespielten Polizisten ihre Ehe aufs Spiel.

Mit Lars Eidinger bändelt sie an. Der landet in „Familienfest“ schwer krank im Krankenhaus und lädt sie, eine Krankenschwester, anschließend spontan ein, ihn zum 70. Geburtstag seines Vaters zu begleiten. Als seine Freundin.

Drei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Drei Mal Jördis Triebel. Drei Rollen in kürzester Zeit. „Kaminski“ läuft seit einem Monat im Kino, „Blochin“ wurde vor drei Wochen ausgestrahlt und ist in der ZDF-Mediathek nachzuholen, und „Familienfest“ ist am Freitag gestartet. Drei Filme, drei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und die die ganze Spannbreite dieser großartigen Schauspielerin aufzeigen.

Ist natürlich reiner Zufall, dass die nun so geballt zu sehen sind. Aber eigentlich findet die 37-Jährige das toll, dass das jetzt so zusammenkommt. „Weil man so viele Facetten von sich zeigen kann.“ Und vor allem, „weil ich jetzt so viele Facetten spielen darf“. Das sei nicht immer so gewesen.

An ihrem Job stört sie nur das Berühmtsein

Eigentlich wollten wir die Filmschauspielerin ja persönlich treffen. Das ist lange an ihrem Terminkalender gescheitert. Sie dreht gerade „Die vierte Gewalt“ mit Benno Fürmann. Und jetzt ist sie ein wenig unpässlich. Eine Magen-Darm-Grippe hat sie erwischt. Und ihren Sohn auch.

Keine schöne Sache. Aber sie kocht sich gerade eine kräftige Gemüsesuppe, dann wird das wieder. Sie ist hart im Nehmen. Wegen der Ansteckungsgefahr reden wir aber vorsichtshalber nur übers Telefon.

Grandioser Einstieg in den deutschen Film

Es soll ja Menschen geben, die Jördis Triebel noch immer nicht kennen. Dabei hatte sie, zwölf Jahre ist das her, einen unvergesslichen Eintritt ins deutsche Kino. In „Emmas Glück“ spielte sie, und das trotz einer Tier- haar­allergie, eine Schweinezüchterin, die ihren Säuen einen Tod bereitet, der nicht wehtut, sich in Jürgen Vogel, einen Todkranken, verliebt und ihm am Ende, man ahnt es, mag es aber nicht glauben, auf gleiche Weise erlöst.

Dafür gab es gleich ihre erste Lola-Nominierung. Danach hat sie in zahlreichen Filmen mitgewirkt. Und vor einem Jahr noch mal einen kräftigen Popularitätsschub erlebt mit Christian Schwochows „Westen“, als DDR-Bürgerin, die nach ihrer Ausbürgerung alles andere als einen Goldenen Westen erlebt, vielmehr von Geheimdiensten verhört wird. Dafür gab es, im dritten Anlauf, die Lola als beste Darstellerin.

Endlich auch andere Rollen

Sie kann, das hat sie mehrfach bewiesen, eigentlich alles spielen. Und so jemand klagt über Schubladendenken? Ja, bekräftigt sie. So eine Rolle wie die Staatsanwältin in „Blochin“, die hätte man ihr früher nicht angeboten. Auch an ihr klebe ein Etikett: die Bodenständige, die Liebenswürdige.

„Dass man jetzt anfängt, anders zu denken, ist schön. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich jetzt Mutter bin und mich auch verändert habe. Das wird jedenfalls spannender und interessanter.“ Und das meint sie just in einem Alter, in dem andere Kolleginnen eher darüber klagen, dass die Angebote magerer werden.

Zwei Film-Väter, die kaum älter sind

Ihr Werdegang, sagt die im Osten der Stadt Geborene, sei „sehr langsam“ gewesen. Worüber sie, wohlgemerkt, nie unzufrieden war. Ihr ging es auch nie darum, berühmt zu werden: „Im Gegenteil, das macht mir eher ein bisschen Angst.“ Dass sie immer wieder starke Rollen spielen durfte, hat sie vor allem zwei Berliner Regisseuren zu verdanken, die sie deshalb ihre „Film-­Väter“ nennt, auch wenn die nicht viel älter sind als sie: Lars Kraume und Matthias Glasner.

Beide haben zusammen die hochgelobte und preisgekrönte Krimiserie „KDD – Kriminaldauerdienst“ inszeniert, bei Glasner spielte sie außerdem in dem TV-Drama „Eine gute Mutter“ und dem Pädophilendrama „This Is Love“, bei Kraume in „Meine Schwestern“.

Den Regisseur überredet

Bei den derzeitigen Triebel-Festspielen sind sie auch mit dabei: Von Glasner stammt „Blochin“ (wieder mit Jürgen Vogel), von Kraume das „Familienfest“ (wieder an der Seite eines Todkranken). Auch wenn Lars Kraume diesmal gar keine Rolle für sie hatte. Die Krankenschwester sollte ein junges, naives Mädel sein.

Jördis Triebel musste ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, dass das mit einer reiferen Frau doch viel spannender sei. Jetzt identifiziert sich der Zuschauer mit ihr und trifft mit ihr auf diese von lauter Stars gespielte Sippe, die sich mit Lust zerfleischt.

Ihre Familie bedeutet ihr alles

Seither wird sie natürlich dauernd gefragt, was Familie für sie selbst bedeutet. „Alles“, meint sie schlicht. „Meine Familie ist mein Schatz.“ Das Wichtigste, von dem alles ausgehe und das ihr all die Kraft gebe. Familienkräche wie die im Film kennt sie nicht. „Meine Eltern sind ja getrennt, ich feiere deshalb immer doppelt.“ Was auch was für sich habe.

Auch sie selbst lebt inzwischen getrennt von Matthias Weidenhöfer, Schauspielerkollege und der Vater ihrer zwei Kinder. Die wachsen weitestgehend bei ihr auf. Aber sie seien trotzdem „Eltern, wie es sein soll“, sagt sie. „Wir würden auch zusammen zu Famlienfesten fahren. Das schaffen wir.“

Sie geht ihren Weg also allein. Jördis Triebel ist hart im Nehmen, wie ihre Figuren. Mutter und Karriere, das kriegt sie schon unter einen Hut. Würde sie denn auch mitkommen, wenn sie, wie im Film, von einem Wildfremden zu einer Familienfete eingeladen würde? Da muss sie trotz aller Unpässlichkeit lachen: „Na, wenn das Lars Eidinger wäre, dann schon.“