Es ist schon fast wie bei „Game of Thrones“. Mitten in der zweiten Staffel von „Weissensee“ wurde, unvergessen, Hannah Herzsprung überfahren. Das war ein Schock für alle Zuschauer: Waren doch Florian Lukas und sie das Identifikations-Liebespärchen, das Prinzip Hoffnung im bedrückenden Stasi-Land. Und nun passiert, gleich in der ersten Folge der dritten Staffel, gleich wieder so etwas: Ronald Zehrfeld wird von der Stasi verhaftet und liegt plötzlich tot im Kofferraum.
Anna Loos und Zehrfeld waren in der zweiten Staffel der Liebespaar-Ersatz, die Frau eines Stasi-Offiziers hatte sich ausgerechnet in einen Pastor der Friedensbewegung verliebt. Nun also schon wieder ein solcher Schock. Und was für ein Konflikt, ist doch der eigene Ex-Mann in den Tod des Geliebten verstrickt.

Das ist aber nicht die einzige Überraschung der neuen Staffel. Denn war „Weissensee“ bislang so etwas wie ein Dallas aus Ost-Deutschland, ein Familiendrama in HVA-Kreisen, das man auch gut als „Gute Stasi, schlechte Stasi“ klassifizieren konnte, Zustandsbeschreibungen der DDR Anfang und Mitte der 80er-Jahre, gibt es nun, in der dritten Staffel, einen weiteren Zeitsprung. Gleich auf den 9. November 1989.
Wer die Serie kennt, eine der besten, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat, der hätte schwören können, dass es noch ein, zwei Staffeln braucht bis zum Mauerfall. Und gemeinhin könnte man denken, damit seien auch die Ränkespiele der Stasi vorbei.
Gute Stasi, schlechte Stasi
Aber die Macher, Autorin Annette Hess sowie Regisseur und Koautor Friedemann Fromm, beweisen das Gegenteil. Sie zeigen in den neuen Folgen, wie die Krake Horch und Guck auch danach noch weiter versucht, die Bürgerbewegung, das Demokratische Forum zu unterwandern und zu schwächen. Sie zeigen auch schon den ersten Wendehals: Falk Kupfer (Jörg Hartmann), den J.R. der Sippe, der noch den oberstrammen Hardliner spielt und doch schon Stasi-Wissen über Westpolitiker an die CIA verhökert, um die eigene Haut zu retten.
Während Katrin Sass, die zwei Staffeln lang als weiblicher Wolf Biermann munter gegen die Obrigkeit angesungen hat, bevor sie zur IM-Tätigkeit erpresst wurde, nun – von der Stasi selbst – als Spitzel enttarnt wird und so eine Schlammschlacht gegen die Kleinen losbricht, während die Großen weiter versuchen, die Strippen in der Hand zu behalten.

Das Erste zeigt die dritte Staffel nicht mehr im Wochenabstand, sondern zeigt die sechs Teile in drei Doppelfolgen von Dienstag bis Donnerstag. Eine „Eventprogrammierung“, wie man das im Fachjargon nennt. Schon letzte Woche hat das ZDF seine neue Krimireihe „Blochin“ an nur drei Abenden gesendet.
Das ist auch eine Art, wie man den neuen Sehgewohnheiten durch Serien-DVDs und Video-on-Demand entgegentritt. In diesem Fall ist es aber auch ein Programm-Highlight zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober.
Und auch mit Staffel drei soll es nach dem Willen der Produzentin Regina Ziegler noch lange nicht vorbei sein. Gut möglich, dass die Serie dann in andere Sphären wächst. Weg von der reinen Stasi-Familie, hin zu dem, was so viele im Osten erlebt haben, was aber bislang so selten erzählt wurde im hiesigen Fernsehen: Wendehälse, Treuhand-Ausverkauf, der Verlust der Werte und die Depression all jener, die sich einmal mehr um ihre Chancen gebracht sehen.
„Weissensee“ ARD, 29. und 30. September sowie 1. Oktober, jeweils 20.15 Uhr





