Erfolgsserie im TV

„Weissensee“ - Produzentin Ziegler plant vierte Staffel

In der dritten Staffel der Erfolgsserie fällt die Mauer. Produzentin Ziegler plant schon die nächste Staffel – zur Not auch ohne ARD.

In der neuen Staffel fällt die Berliner Mauer: Gleich in der ersten Folge erlebt Martin Falk (Florian Lukas, vorn) den Mauerfall am Grenzübergang Bornholmer Straße hautnah mit

In der neuen Staffel fällt die Berliner Mauer: Gleich in der ersten Folge erlebt Martin Falk (Florian Lukas, vorn) den Mauerfall am Grenzübergang Bornholmer Straße hautnah mit

Foto: Julia Terjung / ARD/Julia Terjung

Es ist ihr erster Auftritt seit dem Tod ihres Mannes. Der Filmregisseur Wolf Gremm ist im Juli nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Die ersten Termine danach hat Regina Ziegler alle abgesagt. Aber zur Berlin-Premiere der neuen Staffel „Weissensee“ kam die Berliner Film- und Fernsehproduzentin dann doch. Weil die Erfolgsserie ihr eine Herzensangelegenheit ist. Eine Serie über die DDR und eine Stasi-Familie. Die ersten Staffeln spielten Anfang und Mitte der achtziger Jahre. In der dritten fällt nun die Mauer. Passend zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung startet die neue Staffel am 29. September. Die sechs Teile werden an drei Abenden hintereinander jeweils in Doppelfolgen gezeigt. Wir sprachen mit der Produzentin.

Berliner Morgenpost: Frau Ziegler, keiner hätte gedacht, dass Sie so kurz nach dem Tod Ihres Mannes Ihre Serie präsentieren. Stürzen Sie sich absichtlich in die Arbeit?

Regina Ziegler: Die Arbeit tut mir gut. Das dürfen Sie auch gerne schreiben. Es gab einen früheren Pressetermin in Hamburg, da war ich nicht dabei. Da sah ich für mich keine Möglichkeit, mich in irgendeiner Form zu irgendwas zu äußern. Aber es ist für mich selbstverständlich, jetzt hier zu sein. Das hat auch was mit Professionalität zu tun. Und „Weissensee“ ist ja erklärtermaßen mein Lieblingsprojekt. Deshalb unterstütze ich die Serie natürlich, wo ich nur kann.

Der Zuschauer wird überrascht sein: Die dritte Staffel beginnt mit dem Mauerfall. Man hätte gedacht, das dauert noch ein bis zwei Staffeln, bis es soweit ist.

Wir haben in der zweiten Staffel gezeigt, wie die Bürgerbewegung entsteht und wie die Unruhe auch im Führungsstab der Stasi ankommt. Ich hätte es langweilig gefunden, wenn man jetzt daran angeschlossen hätte. Mich hätte es aber auch gelangweilt, wenn wir den Mauerfall so dargestellt hätten, wie wir ihn alle schon kennen und kaum mehr sehen können.

Die dritte Staffel geht vom 9. November bis 31. Dezember 1989. Hätten nicht allein die Ereignisse des Mauerfalls eine ganze Staffel gefüllt?

Aber warum sollte man das machen? Ich selbst habe viele Filme zum Mauerfall gedreht, von „Jenseits der Mauer“ bis „Die Wölfe“. Ich finde, wenn man Zeitgeschichte erzählen will, und das will ich unbedingt, dann muss man auch immer neue Aspekte finden, um sozusagen durch das Schlüsselloch auf den Punkt zu kommen.

Gemeinhin denkt man, die Mauer fällt und die Stasi ist weg. Sie zeigen das Gegenteil. Dass die Stasi noch glaubte, das Demokratische Forum unterwandern und lenken zu können. Das ist bislang ein blinder Fleck in der Geschichte. Wollten wir das damals in der Wiedervereinigungseuphorie einfach nicht sehen?

Wahrscheinlich braucht es für solche Themen einfach eine gewisse historische Distanz. Aber wir schlagen dieses dunkle Kapitel jetzt auf. Und wir werden da auch weiter aufschlagen. Ich finde, dass unsere Geschichte nicht erst seit 25, sondern seit 65 Jahren, seit Deutschland geteilt wurde, noch ein ganz großes Erzählpotenzial hat. Weil so viele Dinge noch nicht erzählt worden sind. Die großen Existenznöte etwa, in die viele Bürger der neuen Bundesländer gestürzt sind, weil sich für sie die Welt komplett verändert hat. Ich finde, das ist auch eine Aufgabe, ja eine Verantwortung von uns Filmproduzenten, sich um solche Stoffe zu kümmern.

Es ist schon fast ein Filmklischee, dass am Ende die Mauer fällt und alles ist gut. Eine zweite Stunde Null – und genau so eine Lüge wie die erste.

So ist es. Das wird in unserer neuen Staffel auch ganz deutlich. Wir sehen diese Zeit vielleicht noch einmal aus einer anderen Perspektive. Es gibt aber inzwischen schon eine Generation, die damals noch gar nicht geboren war. Die gar nicht weiß, wie das alles war. Und für die ist das totales Neuland.

Sie haben mitten in der zweiten Staffel eine Hauptprotagonistin, eine Sympathiefigur geopfert, jetzt tun Sie das, gleich zu Beginn der dritten, schon wieder. Das ist ja schon fast wie bei „Game of Thrones“.

Einer musste dran glauben draufgehen. Besonders geeignet dafür war aus stofflichen Gründen Ronald Zehrfeld, einer der in der Bürgerbewegung gearbeitet hat.

Sie sind mit „Weissenssee“ die Erste im deutschen Fernsehen, die horizontal erzählt. Erfüllt Sie das mit Stolz?

Ja, da darf man wohl sagen, dass wir Pioniere sind. Aber ich bin sowieso stolz auf „Weissensee“. Weil die Serie in der ganzen Welt gesehen wird. In Schweden ist das ein Riesenhit, da wurde gerade die zweite Staffel ausgestrahlt. Wir waren damit sogar im MoMA in New York. Da haben die Leute minutenlang Uwe Kokisch die Hand gedrückt.

Wie viel Zuspruch bekommen Sie eigentlich aus den Neuen Bundesländern?

Wir haben ganz viele Reaktionen. Die meisten sind sehr positiv. Weil die neuen Bundesbürger sich wiederfinden. Weil sie ihre Geschichte erzählt sehen. Was ja, seien wir ehrlich, nicht so häufig vorkommt.

Wird es denn auch eine viertel Staffel geben?

Wenn’s nach mir geht, auf jeden Fall. Das möchten wir alle, die Schauspieler, der Regisseur Friedemann Fromm. Wir haben diesmal einen Cliffhanger gesetzt, bei dem alle, die ihn schon gesehen haben, sich ärgern. Weil sie sofort wissen wollen, wie es weitergeht. Es gibt noch so viel zu erzählen: das Berlin der 90er-Jahre, die Treuhand... Aber das muss jetzt die ARD entscheiden.

Aber die wird doch unbedingt Ja sagen?

Abwarten. Die Entscheidung kann dauern. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Die ARD wartet jetzt vermutlich erst mal die Kritiken ab. Und schaut, wie der neue Sendeplatz ankommt, zwei Folgen hintereinander zu zeigen. Wir sind bereit. Wenn wir das Go kriegen, liegen die Drehbücher Anfang nächsten Jahres auf dem Tisch. Wir haben alles vorbereitet, wir wissen, was wir wollen.

Ärgert Sie das, wenn man bei einer solchen Erfolgsserie immer noch die bürokratischen Hürden bewältigen muss?

Das machen die grundsätzlich nicht anders. Vielleicht bei „In aller Freundschaft“. So läuft das nun mal. Da müssen wir Produzenten alle durch. Selbst mein Freund und Kollege Nico Hofmann (lacht).

Und wenn die ARD nicht mehr wollen sollte?

Dann machen wir einen Kinofilm…

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