Spätsommerlich reif hängt der bewölkte Himmel über der Waldbühne. Doch die Gottheiten Isis und Osiris meinen es an diesem Abend gut mit dem Publikum: Mozarts Zauberflöte bleibt regenfrei.
Zu Zehntausenden lässt sich das gutgelaunte Publikum auf den Rängen nieder. Ein paar Picknickkörbe sind trotz unerbittlich strenger Einlasskontrollen auch dabei.
Und die gute Laune steigt weiter: Denn die Deutsche Oper wartet mit einer farbenfrohen, phantasiegeballten Zauberflöte auf.
Mit einem liebevollen humorgeladenen Spektakel, das Spielleiterin Gerlinde Pelkowski eigens für die Waldbühne ersonnen hat. Inklusive Breakdance-Einlagen, wiedergeborenem Eisbär Knut und einem Kamel, das mit einem Pinguin kuschelt.
Liebkosungen von Marilyn Monroe und Catwoman
Eine erfrischend andersartige Zauberflöte, in der Prinz Tamino zu Beginn von chinesischen Drachen gejagt und verwundet wird. Und danach Liebkosungen von Marilyn Monroe und Catwoman erhält. Mit einem kunterbunten Papageno, der gleichzeitig Fahrrad fahren und singen kann. Und drei Knaben, die gestylt wie kleine Mozarte umherschweben.
Chefdirigent Donald Runnicles lässt Mozarts Singspiel gutmütig beleibt fließen. Sein Orchester nimmt die Hälfte der Bühne ein, daneben ragt eine betagte Eiche vor blauem Grund.
Kein Platz mehr für die Sänger? Nicht bei Regisseurin Pelkowski. Sie verlagert das Geschehen pfiffigerweise in eine Art Manege vor der Waldbühne. Dass Sänger und Dirigent dabei kaum Blickkontakt haben können, fällt kaum ins Gewicht.
Vogelfänger Papageno mit dem meisten Applaus
Die 26-jährige Hila Fahima betört als Königin der Nacht mit frischer virtuoser Stimme, Ante Jerkunicas tiefschwarzer Sarastro passt gut zur einfallenden Dunkelheit. Yosep Kangs schwelgt behutsam in romantischem Schmelz.
Doch den meisten Applaus und fliegende Sympathien erntet erwartungsgemäß Vogelfänger Papageno - nicht zuletzt weil er der einzige ist, der mutig durch die Publikumsränge streift und seinen Weinkrug brüderlich kreisen lässt.


