Konzerte

An Pfingsten steigen in Berlin drei Rock-Legenden vom Olymp

Die Rolling Stones, Black Sabbath und Aerosmith trotzen mit ihren jahrzehntealten Hits der Unerbittlichkeit des Alterns. Von Sonntag bis Dienstag halten sie Hof in Berlins größten Arenen.

Foto: Boris Vergara / dpa

Längst hat der Rock 'n' Roll seinen Anspruch darauf, junge, aufbegehrende Musik von jungen, aufbegehrenden Musikern für ein junges, aufbegehrendes Publikum zu sein, verloren. Er ist zum Allgemeingut geworden. Heute sind es Banker und Manager, Eltern und Großeltern, die sich die Stones, AC/DC oder Bruce Springsteen auf die Ohren laden. Sie sind mit ihren frühen Helden gemeinsam alt geworden.

Gleich drei kapitale Exemplare dieser Spezies werden Pfingsten in Berlin ihren unerschütterlichen Überlebenswillen manifestieren. Black Sabbath, Aerosmith und die Rolling Stones trotzen mit ihren jahrzehntealten Hits der Unerbittlichkeit des Alterns. Ein Triumvirat hält Hof, das die Rockgeschichte nachhaltig geprägt hat. Es sind Berlins größte Arenen, die herhalten müssen, wenn die Götter mit Blitz und Donner aus dem Olymp des Rock 'n' Roll heruntersteigen.

Bei Black Sabbath, die in den 60er-Jahren den Horror als Stilmittel des Rock kultiviert und dem Heavy Metal den Weg geebnet haben, werden es am Sonntag 16.000 Menschen in der Kindl-Bühne Wuhlheide sein. Der Pfingstmontag gehört Aerosmith, jenen kunterbunten Hardrockern aus Boston mit Gespür für Stadionhymnen. Sie treten vor 13.000 Besuchern in der O2 World in Friedrichshain auf. Der Dienstag bringt die Meister aller Klassen in die mit 21.000 Besucher ausverkaufte Waldbühne: The Rolling Stones.

Alle drei Bands werden durch ein Duo in der Mitte angetrieben

Obwohl jede Band stilistisch andere Wege beschreitet, haben sie doch vieles gemeinsam. Sie alle sind geprägt vom Blues. Sie alle haben ihre Kreativität durch Alkohol, Drogen und ausschweifendes Leben erst beflügelt und dann fast ertränkt, konnten aber rechtzeitig den Nothalteknopf betätigen. Und sie alle funktionieren so ausdauernd durch ein prägendes, antreibendes Duo in ihrer Mitte. Bei Black Sabbath sind das Sänger Ozzy Osbourne, 65, und Gitarrist Tony Iommi, 66. Bei Aerosmith der kreischstimmige Steven Tyler, 66, und Saitenmann Joe Perry, 63. Bei den Stones Mick Jagger und Keith Richards, beide 70.

Das Quartett von Black Sabbath bestand in der Originalbesetzung nur von 1969 bis 1979. Sänger Ozzy Osbourne, Gitarrist Tommy Iommi, Bassist Geezer Butler und Schlagzeuger Bill Ward eroberten von Birmingham aus die Welt mit einem bisher noch nicht dagewesenen, düsteren Sound, der unzählige Rock- und Metalbands bis in die Neuzeit nachhaltig beeinflussen sollte. 1970 konnte man sie erstmals live in Berlin erleben.

Nach der Trennung lebte Black Sabbath in den Solo-Projekten der einzelnen Musiker weiter. Erst 1997 klappte eine Wiedervereinigung in Originalbesetzung für zwei Konzerte in Birmingham. 2012 nahm ein neues Sabbath-Album Form an. Produzenten-Meister Rick Rubin holte Osbourne, Iommi, Butler und Ward ins Studio, doch noch vor den Aufnahmen wurde Bill Ward gegen Schlagzeuger Brad Wilk ausgetauscht. Er sei zu dick, ließ Ozzy Osbourne verlauten. Man trennte sich im Streit. Das Album "13" aber wurde zu einem der besten Sabbath-Alben aller Zeiten.

Trennung und Wiedervereinigung bei Aerosmith

Auch die Geschichte von Aerosmith ist geprägt von Trennung und Wiedervereinigung. In Boston kreuzten sich die Wege von Steven Tyler und Joe Perry. Sie gründeten 1970 Aerosmith, eine Rock-'n'-Roll-Band voll überbordender Energie und Hang zu Kitsch und Pathos. Sie feierten Erfolge mit Stadionhymnen wie "Livin' On The Edge" und Balladen wie "Dream On" und "Cryin'". Doch der ausufernde Drogenkonsum von Tyler und Perry ließ die Band auseinanderbrechen. Man gab ihnen den Beinamen The Toxic Twins. "In unseren schlimmsten Zeiten ist halb Peru durch unsere Nase gewandert!", sagte Tyler später einmal.

Die Rückkehr in den 80er-Jahren war wenig von Erfolg gekrönt. Doch dann geschah das Wunder: Die Hip-Hop-Truppe Run DMC coverte den alten Aerosmith-Song "Walk This Way" und Aerosmith war dadurch wieder in der Erfolgsspur. Es war die erste fruchtbare Verbindung von Rock und Hip-Hop. Und Aerosmith avancierte in der Folge zu einer der populärsten Rockbands in den 90er-Jahren.

Das Unternehmen Rolling Stones kehr immer wieder nach Berlin zurück

Mit den Rolling Stones kommt der Inbegriff des alterslosen Altersrocks in die seit langem ausverkaufte Waldbühne. Zum 12. Mal treten sie in Berlin auf, zum vierten Mal in der Waldbühne. Es ist kein Geheimnis, dass Schlagzeuger Charlie Watts, 73, keine Lust mehr hat, auf Tournee zu gehen. Mick Jagger musste seine ganze Überredungskraft aufbringen, um den passionierten Silber- und Waffensammler Watts die aktuelle "14 On Fire"-Tour schmackhaft zu machen. Am Dienstag könnte "Jumpin' Jack Flash" zum letzten Mal live mit den Rolling Stones in der Waldbühne erklingen.

"It's Only Rock 'n' Roll": Als die Rolling Stones 1982 in der Waldbühne auftraten, fragte Mick Jagger während des Konzerts ins Publikum: "Wer von Euch war auch 1965 hier?" Als die Menge in Jubel ausbrach, konterte er: "I'm shattered" (Ich bin erschüttert) und die Band intonierte den gleichnamigen Song. Jagger spielte mit seiner Äußerung auf das erste Stones-Konzert in Berlin am 15. September 1965 in der Waldbühne an. Nach dem kurzen Konzert wurde das Amphitheater von euphorisierten Fans in Stücke gelegt. Es dauerte viele Jahre, bis die Rockmusik wieder in das Freilufttheater einziehen durfte.

Immer wieder kehrte das Unternehmen Rolling Stones zurück. Immer aufwendiger gerieten die Bühneninszenierungen, die sie in der Deutschlandhalle, in der Waldbühne, mehrfach im Olympiastadion und zweimal auf dem Radrennbahngelände in Weißensee aufführten. Sie können es einfach nicht lassen. Und werden am Dienstag die Waldbühne mit "Sympathy For The Devil" und "(I Can't Get No) Satisfaction" einmal mehr zum Beben bringen.

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