Absage

Wie sich die Veranstalter beim Prince-Konzert verzockten

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Der einzige Auftritt von Prince in Deutschland wurde 24 Stunden vor dem Konzert in Berlin überraschend abgesagt. Es gibt eine Chronologie des blamablen Kartenvorverkaufs

Konzertbesucher in Deutschland sind durchaus bereit, für ihre Idole auch einen hohen Preis zu bezahlen. Sie kauften im vergangenen Jahr 120,6 Millionen Tickets und bescherten der Branche ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 3,82 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Preis für ein Ticket erhöhte sich um fünf Prozent auf 31,70 Euro. Das ergab eine kürzlich veröffentlichte Studie der Konsumforschungsgesellschaft GfK.

Für das Konzert der Arctic Monkeys etwa, die am Sonnabend in der Spandauer Zitadelle auftreten, kosten die Karten 49,75 Euro. Für das Konzert von Black Sabbath am Pfingstsonntag sind es 82 Euro und für Aerosmith am Pfingstmontag in der O2 World 53,15 bis 93,40 Euro. Für die Rolling Stones in der Waldbühne kosteten die Karten 109,50 bis 224,50 Euro. Die Waldbühne war dennoch innerhalb von acht Minuten ausverkauft.

Dass es aber Grenzen bei der Kartenpreisgestaltung gibt, zeigte gerade das Debakel um das abgesagte Prince-Konzert im Tempodrom. Am 27. Mai wurde der Auftritt überraschend für den 3. Juni angekündigt. Der Veranstalter, Dirk Becker Entertainment aus Köln, ein Tochterunternehmen des Online-Tickethändlers CTS Eventim, forderte Kartenpreise von 297,65 und 332,15 Euro.

Doch der Verkauf gestaltete sich schleppend. Bereits einen Tag nach Vorverkaufsstart wurde eine neue, günstigere Preiskategorie zum Preis von 188,20 Euro aufgerufen. Wer jetzt schon sein Ticket hatte, fühlte sich zu Recht geprellt. Und Prince wurde zum schwarzen Schaf der Konzertbranche.

Auf der Website des auf Konzerttickets spezialisierten Preisvergleich-Portals ticcats.de findet sich eine Chronologie des blamablen Kartenvorverkaufs für das Prince-Konzert. „Unfassbar aber wahr“, heißt es da beim Eintrag zum 31. Mai. „Die Ticketpreise werden erneut gesenkt. Ab heute gibt es die Aktion ,Zwei Tickets zum Preis für eines (2 für 1)‘. Für 188,20 Euro erhalten Fans nun zwei Tickets in der günstigsten Kategorie. Buchbar nur über einen Direktlink bei Eventim. Ergebnis: Das günstigste Ticket kostet ab heute 94,10 Euro. Rund 200 Euro weniger als noch vor vier Tagen zum Beginn des Vorverkaufs.“

Am 1. Juni ist die Halle, wie auf der Eventim-Webseite ersichtlich, noch längst nicht ausverkauft. Am 2. Juni abends sagt Dirk Becker Entertainment das Konzert aus „produktionsbedingten Gründen“ ab. Für eine Stellungnahme war der Veranstalter nicht zu erreichen und verweist für alle weiteren Anfragen auf das Prince-Management.

Unter dem Datum 3. Juni schreibt ticcats.de: „Dirk Becker Entertainment deaktiviert noch gegen Abend auf der Facebook-Fanpage die Rezensionsfunktion (dort war die Seriosität des Unternehmens durch die Kunden infrage gestellt worden) und löscht ganze Beiträge inklusive aller Kommentare durch die User.“

( pem )