Zwölf Stunden

Mayumana bringt Schwung in die Komische Oper

Die aus Israel stammende Artistengruppe Mayumana bringt in Berlin ihre Show „Momentum“ auf die Bühne. Es geht es um Hektik, Rhythmus und Bewegung. Das ist auch in den Stunden zuvor spürbar.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

10:10 Noch stehen die Uhren still. Auf der Bühne der Komischen Oper wabern Rauschschwaden um die Ziffernblätter der drei großen Standuhren, die für die Show am Abend aufgebaut sind. Scheinwerfer tasten die Bühne ab. Die riesigen Boxen stoßen Beats aus: Test der Bühnentechnik. In ein paar Stunden ist die aus Israel stammende Artistengruppe Mayumana auf der Bühne. "Momentum" heißt die Show der Truppe. Es geht um Zeit, Hektik, Rhythmus und Bewegung.

10:35 Schnell getaktete Arbeitsabläufe sind für Iris Ronly Riklis und ihre Crew während der Tournee das Tagesgeschäft. Jeden Abend eine Show, Schlag 20 Uhr ist Beginn, am Wochenende werden sogar zwei gezeigt: eine Nachmittagsaufführung um 15 Uhr, eine am Abend. 170 Shows spielt die Gruppe im Jahr. "Das muss gut organisiert sein", sagt Riklis, die Buchung und Organisation der Gruppe verantwortet. Sie hat ihr Büro, das einfach nur aus einem Macbook besteht, hinter der Bühne in der Garderobe aufgebaut. Wo sonst die Schauspieler der Komischen Oper angekleidet und geschminkt werden, liegen nun Computerkabel und Mehrfachstecker herum. Iris Ronly Riklis zeigt ein Foto auf ihrem iPhone: Darauf ist einer der zwei großen Trucks zu sehen, mit dem die 14 Artisten und Mitarbeiter angereist sind. Das Künstlerleben ist ein Leben auf dem Sprung.

11:40 Während der Sommerpause der Komischen Oper wird die gesamte Bühnentechnik des Hauses ausgebaut, damit sie eingehend überprüft werden kann. Vor dem Bühneneingang kniet Jeffray Schwab, Auszubildender zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, und reinigt mit einem Luftdruckreiniger ein Vorschaltgerät für einen der Bühnenscheinwerfer. "Die Technik muss einmal entstaubt werden. Das Ganze ist wie ein großer Frühjahrsputz", sagt der 23-Jährige. Und ergänzt mit einem Lächeln: "Nur, dass wir keinen Frühling mehr haben."

11:50 Die Frauen und Männer von Mayumana haben in den Trucks ihre eigene Technik mitgebracht. Nick Carden ist als technischer Leiter der Herr über diese Geräte. Der 56-Jährige steht auf der Hinterbühne neben einem Bildschirm, der so groß ist wie eine Tischtennisplatte. Darauf angezeigt wird die Facebook-Seite der Artistengruppe, die später auf der Bühne eine Rolle spielen wird. Nick Carden ist auch für Licht- und Soundtechnik auf der Bühne zuständig. "Das war in diesem Fall eine besondere Herausforderung", sagt er. Zentrales Element der Show ist eine dreistöckige Fahrwand, die sechs Meter in der Höhe und acht Meter in der Breite misst. "Weil der Untergrund leicht abschüssig ist, mussten wir den Boden hier mit Hilfsmitteln plan machen", sagt der technische Leiter.

13:10 Boaz Berman blickt auf die hell erleuchtete Bühne der Komischen Oper. Bald wirbeln hier Artisten über die Bretter, trommeln Künstler im Rhythmus der Musik. Noch aber herrscht Ruhe. Berman, mit Eylon Nuphar kreativer und künstlerischer Leiter, hat "Momentum" gemeinsam mit Nuphar komponiert und erarbeitet. Auch die Choreografie von "Momentum" haben der Israeli und die New Yorkerin gemeinsam erdacht. "Wir wollen mit dem Stück die verschiedenen Perspektiven auf die Zeit zeigen und wie unterschiedlich sich eine Minute je nach Situation und Ort anfühlt", sagt der künstlerische Leiter. Mal wirke eine Minute wie 60 Sekunden, mal wie ein halbes Jahrhundert. "Rhythmus und Perkussion stehen bei uns im Mittelpunkt", sagt Berman. Und auch das habe ja sehr viel mit Zeit zu tun. Mit dem Lauf der Zeit, mit den Stundenschlägen. Die Zeiger der Uhren, die auf der Bühne stehen, bewegen sich immer noch nicht.

14:00 Vor der Komischen Oper bremst ein großer Bus mit der Aufschrift "Berlin Mobil", ein Shuttle-Service, der die Artisten von Mayumana zum Theaterhaus fährt. Simone Volkmer, die Fahrerin im grünen Firmen-T-Shirt, springt aus dem Fahrzeug und öffnet den Kofferraum, um das Gepäck der Artisten auszuräumen. "Ich habe die Gruppe von der Siegessäule abgeholt", sagt die Fahrerin. Dort hatten die jungen Männer und Frauen der Gruppe noch ein Fotoshooting.

14:05 Die Artisten, die aus einem halben Dutzend Ländern stammen, springen aus dem Shuttle-Bus, nehmen ihre Koffer und betreten die Komische Oper über den Bühneneingang. Die nächsten Stunden werden sie auf der Bühne proben – bevor um Schlag 20 Uhr die heutige Show beginnt.

15:05 Im Halbkreis stehen die Künstler auf der Bühne um ihren sogenannten Stage-Manager. Das ist der 34 Jahre alte Argentinier Gustavo Emanuel Romano, der jetzt, wo die Probe beginnt, die letzten Anweisungen macht. Akrobatik ist nur ein Bestandteil der Schau, außerdem singen, tanzen, musizieren die Mitglieder der Artistentruppe. Mayumana kommen aus Tel Aviv und haben die Show "Momentum" im Jahr 2008 uraufgeführt. Nach Graz, New York und Spielstätten in Südamerika gastiert die Truppe nun das erste Mal in Deutschland.

16:10 Um die kulinarische Versorgung der Gruppe kümmert sich die Geschäftsführerin der Konzeptbar, der Cafeteria der Komischen Oper. Andrea Gründer bereitet hinter der Theke das Abendessen vor. "Uns ist vor allem auch bei Gastspielen, wie wir jetzt eines haben, wichtig, dass die Künstler nicht einfach irgendwo lieblos ein Catering hingestellt bekommen", sagt die 45-Jährige. sorgsam drapiert sie ihre Speisen in der Auslage.

18:10 Auf der Bühne geht die Probe langsam zu Ende. Während einer kleinen Pause erklärt die 27 Jahre alte Sängerin Tal Magen, warum sie das Leben auf der Bühne so fasziniert: "Es ist einfach unglaublich spannend, immer wieder an verschiedenen Orten zu spielen, zu reisen und jeden Tag eine Show zu machen", sagt die Sängerin, die seit drei Jahren in der Crew ist. Ein Job, der einen ausfüllt, sagt sie. Und einer, der straff getaktet ist.

20:00 Das Licht auf der Bühne erlischt während die letzten Zuschauer im Parkett und in der Loge Platz nehmen. Die Künstler von Mayumana stehen hinter der Bühne in den Startlöchern. Dann richten sich die Scheinwerfer der Bühne auf die großen Uhren, Musik schallt aus den Boxen. Und die riesigen Uhrenblätter beginnen sich endlich im Takt der Musik zu bewegen – Zeit für die Show.

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