World’s No.1 DJ, Best Global DJ, Weltbester Produzent von Techno und House – wer sich die Auszeichnungen anschaut, mit denen Paul van Dyk in seiner Karriere bisher bedacht wurde, der bekommt es zwangsläufig mit Superlativen zu tun.

Wer Paul van Dyk trifft, merkt jedoch schnell, dass ihm diese Titel wenig bedeuten. „Ich sehe meinen musikalischen Output nicht in ständiger Konkurrenz zu anderen. Charts oder andere Listen sind für mich nur sekundär wichtig“, sagt der Berliner.

Wichtig ist ihm in erster Linie seine Kunst: „Ich mache meine Musik und freue mich, dass sie sehr vielen Leuten gefällt. Am Ende zählt nur, was passiert, wenn ich vor meinem Publikum stehe. Die muss ich überzeugen. Und solange das funktioniert, werde ich Musik machen.“

Personenkult ist ihm fremd

Paul van Dyks Glück ist es, dass seine Fans das genauso sehen. Personenkult wie um andere bekannte Künstler ist ihm fremd. „Die Leute, die elektronische Musik mögen, sind eben keine Teenager, die schreiend hinter einem herrennen. Bei mir geht es auch nicht so sehr um meine Person, sondern in erster Linie um meine Musik.“ In Berlin könne er sich deshalb auch vollkommen frei bewegen.

Das ist fast erstaunlich. Denn bei aller Bescheidenheit, Fakt ist: Paul van Dyk ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten DJs der Welt.

Allein in den nächsten zwei Monaten stehen die Philippinen, Ibiza, Griechenland, Belgien, Holland, Großbritannien und die USA auf seinem Tourplan, wo er jeweils vor Tausenden Menschen spielen wird.

Ganz nebenbei widmet er sich mit seinem Label Vandit Records um den musikalischen Nachwuchs, moderiert eine Sendung beim Radiosender Fritz und engagiert sich für soziale Projekte. „Ich finde, jeder sollte sich nach seinen Möglichkeiten einbringen, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Dafür braucht es eigentlich nicht mal viel Geld. Wenn ich jeden Morgen die gleiche Rentnerin sehe, die Schwierigkeiten hat, über die Straße zu kommen, dann gehe ich einfach mal hin und helfe ihr“, sagt er.

Er selbst engagiert sich seit seiner ersten Indien-Reise für den Bau von Schulen in den Slums ebenso wie in den sozialen Brennpunkten Berlins: „Das sind Dinge, die helfen, den Kindern eine Perspektive außerhalb der Slums zu geben. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich auch hier viel Gutes tun kann. Die Initiative ,Rückenwind‘ fördert Kinder, die von Armut betroffen sind, um ihnen Chancengleichheit bei Bildung und gesunder Entwicklung zu ermöglichen.“

Was Berlin ihn gelehrt hat

Berlin ist für Paul van Dyk nicht nur seine soziale, sondern auch seine künstlerische Heimat. Hier begann der als Matthias Paul in Eisenhüttenstadt geborene Musiker in den 90er-Jahren seine Karriere. Techno war damals noch eine Nischenerscheinung, die sich in Kreuzberger Undergroundclubs abspielte. „Das war schon eine coole Zeit. Ich freue mich, dass ich die Anfänge der Berliner Technoszene miterlebt habe. Die Abenteuer, die wir mit größeren Gettoblastern in irgendwelchen Kellern erlebt haben. Das hat mich natürlich maßgeblich geprägt“, erinnert sich der 41-Jährige.

Dass sich heute viele Berliner beschweren, dass mit den Jahren der Kommerz im Techno und in der Stadt Einzug gehalten hat, kann er nicht nachvollziehen: „Dinge entwickeln sich weiter. Das sieht man auch an elektronischer Musik an sich. Wie aus dieser kleinen Subkultur an der Köpenicker Straße die größte Musikrichtung der Welt geworden ist. Es nützt nichts, von alten Zeiten zu schwärmen und die Gegenwart zu verneinen. Man muss das, was um einen herum passiert, aufnehmen und auch künstlerisch verarbeiten, das gehört zur eigenen Entwicklung dazu.“

Ihn selbst hat Berlin vor allem eins gelehrt: „Sich im Kopf die Freiheit zu nehmen, genau das zu tun, was man möchte, und dabei konsequent zu sein. Ich würde genau die gleiche Musik machen, auch wenn sie niemandem gefallen würde.“