Ein Tipp für alle künftigen Filmemacher, wie man einen wilden Film auch mit krassen Szenen gefördert bekommt: Man muss einfach eine zweite, entschärfte Drehbuchfassung entwerfen, in der alles rausfällt, was mögliche Entscheidungsträger verschrecken könnte. Die wirft man danach aber sofort wieder weg und verfilmt dann doch die ursprüngliche Fassung.
Das offenbarte der Filmemacher Oskar Roehler am Dienstagabend im Zoo Palast, wo er in der Morgenpost-Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ noch einmal seinen Film „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ aus dem Jahr 2015 vorstellte. Bei dem sei er auch so verfahren. Und nein, hinterher seien die Förderer nicht böse. Die meisten wüssten da schon gar nicht mehr, was sie da eigentlich gefördert haben.
„Es lebe der Punk“ ist ein sehr persönliches Werk des Berliner Regisseurs, in dem er seine eigenen Erfahrungen im West-Berlin der 80er-Jahre nachstellt. Und auch genüsslich durch den Kakao zieht. Mit Tom Schilling als sein Alter Ego und vielen weiteren Stars wie Frederick Lau und Alexander Scheer hat er seine eigene Jugend nachgestellt.

Wie fühlt man sich da, wenn man beim Dreh doppelt so alt ist? „Wie ein Opa“, gesteht Roehler. „Die haben dann die Nacht durchgemacht, während ich um halb elf eine Schlaftablette nahm, um morgens um sechs wieder fit zu sein.“ Aber waren die Schauspieler um sechs dann auch fit? Nicht alle, grinst Roehler. Aber das passte ja genau zu dem Film, in dem die Punks die Nacht zum Tage machen.
So viel der Film über die einmalige West-Berliner „Insel der Seligen“ erzählt – gedreht, das gesteht Roehler, wurde kaum in Berlin, sondern viel in Bochum, Köln und Leipzig. Den genius loci hätte es in diesem Fall aber auch gar nicht mehr gegeben: Die meisten Kultstätten der Punks und Revoluzzer, in denen der Film spielt, seien nach dem Mauerfall längst verschwunden. Und überhaupt habe Roehler damals, wie alle, mit denen er zu tun hatte, eigentlich die meiste Zeit nur in Kneipen und geschlossenen Räumen gelebt. Und die könne man überall nachbauen. Ein Zeichen mehr, dass es gar nicht zwingend viele Bilder aus der Hauptstadt braucht, um einen Film wirklich zu einem Berlin-Film zu machen. Dennoch sagt „Es lebe der Punk“ mehr über die Stadt aus als so viele Komödien, die hier gedreht werden und den Fernsehturm wie ein Ausrufezeichen gleich ins erste Bild setzen müssen.
Als nächstes wird in der „Hauptrolle Berlin“ am 6. November die Mauerfall-Satire "Helden wie wir“ gezeigt. Zu Gast ist dann der Autor Thomas Brussig.






