Classic Open Air

Peter Maffay: "Meine Aufnahmen unter Alkohol waren schlecht"

Der Musiker Peter Maffay spielt beim Classic Open Air am Gendarmenmarkt. Ein Gespräch über Liebe, Alkohol und Konzerte, die heilen.

Peter Maffay am Rande einer Probe auf dem Gendarmenmarkt. Der Künstler tritt erstmals beim Classic Open Air auf

Peter Maffay am Rande einer Probe auf dem Gendarmenmarkt. Der Künstler tritt erstmals beim Classic Open Air auf

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Nach der Probe läuft Peter Maffay vor die Bühne und kramt sein Handy hervor. Er will sich mit Schiller fotografieren lassen. Also klettert er auf das Schiller-Denkmal vorm Konzerthaus und wirkt fröhlich. Peter Maffay (68) ist der Stargast der „First Night“, womit heute das Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt eröffnet wird. Ein Gespräch mit dem Musiker.

Sie treten das erste Mal auf dem Gendarmenmarkt auf. Was war der erste Eindruck bei den Proben?

Peter Maffay: Es ist eine heiße Sache. Wenn die Temperaturen so bleiben, wird es für alle ein angenehmer Abend. Das hofft man ja immer bei Open-Air-Konzerten. Für mich ist es ein Abenteuer, mit dem Filmorchester auf die Bühne zu gehen. Wir haben schon vieles ausprobiert, aber das Konzert ist schon etwas Besonderes.

Tausende kommen zum Open-Air-Konzert. Haben Sie einen Trick, um Besucher in der letzten Reihe zu erreichen?

Die Bühne muss hoch genug sein. Im Grunde genommen ist die Situation überall sehr ähnlich. Ob 100 oder 10.000 Leute dastehen, man spielt, um sie zu erreichen. Wenn es gelingt, vergisst man manchmal die Dimensionen, in denen die Konzerte stattfinden.

Was nehmen Sie auf der Bühne überhaupt vom Publikum wahr?

Wenn einer Bier holen geht, das sehe ich ganz deutlich. Das versucht man zu vermeiden. Es gibt Bühnen, die sind so stark ausgeleuchtet, dass man nicht viel mitbekommt. Aber meistens nimmt man das Publikum wahr, und wir brauchen das auch. Das gibt uns Energie. Ich habe erlebt, dass Leute krank auf die Bühne kamen und durch ein euphorisches Publikum gesund von der Bühne gingen.

"Ein Abenteuer" - Peter Maffay beim Classic Open Air
"Ein Abenteuer" - Peter Maffay beim Classic Open Air

Wie oft sind Sie eigentlich in Berlin?

Oft. Ja sogar öfter als in München, wo ich viel näher dran wohne. Berlin ist für uns ein Zentrum mit Freunden, Partnern und Verlagen geworden. Mich führt der Weg mehrere Male im Monat her. Ich habe auch Begegnungen, die einen politischen Hintergrund haben. Ich habe nach 30 Jahren Pause wieder mit Rumänien zu tun. In Rumänien ist ein Ableger unserer Stiftung, die Schutzräume für benachteiligte Kinder und Jugendliche schaffen will, entstanden.

Sie singen nicht nur, sondern äußern sich gern auch zu gesellschaftlichen Dingen. Wird es heute auf dem Gendarmenmarkt eine Art Botschaft geben?

Wir spielen heute zwei für unsere Laufbahn wichtige Lieder. Das erste ist ein Song, der mit Tabaluga, einer Märchenfigur zu tun hat. Am Schluss der Geschichten des kleinen Drachens gibt es jeweils eine Lehre. Es geht darum, ob zu viel Vernunft vernünftig ist? Der zweite Song verbindet uns mit dem Zusammenbruch der Mauer und der Wiedervereinigung. „Über sieben Brücken“ stammt von Karat, wir haben uns den Song ausgeliehen, und irgendwann ist eine kleine Hymne für beide Seiten daraus geworden.

Begriffe verändern sich im Laufe des Lebens. Nehmen wir den in Ihrem Metier viel verwendeten Begriff Liebe. Darunter versteht ein Achtjähriger etwas ganz anderes als ein 30- oder 80-Jähriger. Was hat sich in Ihren eigenen Liedern verändert?

Es hat sich drastisch verändert, weil ich Situationen heute anders bewerte als vor 30 Jahren. Ich glaube, es gibt keinen zentraleren Begriff als Liebe. Er kann sogar platt daherkommen, erhält aber in der entsprechenden Situation große Bedeutung. Ich hatte mal einen Hit „Du“, das war eine Oberschnulze. Wir lächeln heute, wenn wir ihn spielen. Aber es gibt Situationen, da gilt es genau so.

Über die Jahre hinweg sind Sie vom Du zum Wir gewechselt?

Definitiv ja. Das hat damit zu tun, dass die Leute, die Band, die Umgebung, meine Freunde und Mitarbeiter, eine Lebensgemeinschaft geworden ist. Und die Zusammenarbeit geht immer weiter, sie ist nur durch den lieben Gott limitiert.

Weil Sie gerade vom lieben Gott, von Alter und Tod, sprechen. Der scheint es inzwischen mit Rock- und Popkünstlern gut zu meinen, sie werden immer älter. Offenbar leben viele gesünder als die Rockstars mit ihren Drogenexzessen in den 60er-Jahren.

Es gab Zeiten, da gehörte es zum guten Ton, ein bisschen kaputt zu sein, was Alkohol und Exzesse anbelangt. Wer das nicht tat, wurde hinterfragt. Irgendwann ist vielen ein Licht aufgegangen. Die Aufnahmen, die ich unter Alkohol eingespielt habe, waren einfach nicht gut. Auch wenn ich es dachte. Wenn man etwas positiv daran sehen will, dann vielleicht, dass man seine Brüche ausgelotet hat. Heute trinke ich mal ein Glas Wein oder Bier und das wars.

Peter Maffay über die Echo-Verleihung
Peter Maffay über die Echo-Verleihung

Bei der „Echo“-Verleihung haben Sie kürzlich aus Protest gegen die Gangsterrapper Kollegah und Farid Bang die Gala verlassen. Ist die künstlerische Freiheit am Ende angekommen?

Wenn Kunst diskriminiert oder die Rechte und Ehre anderer verunglimpft, dann geht das nicht. Das ist nicht durch Kunstfreiheit gedeckt. Antisemitismus und Rassismus kann man nicht schönfärben mit künstlerischer Freiheit. Man muss auch die Leute, die solche Impulse zulassen, fragen, ob sie an der richtigen Stelle sitzen. Und eine Industrie, die mit solchen Inhalten Geld verdienen will, hat auch versagt.

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