Serienhauptstadt

Diese Serien werden in Berlin gedreht

In Berlin werden immer mehr Serien gedreht. Ein kleiner Überblick, was gerade gefilmt wird oder demnächst startet.

Spektakulärer Dreh: Für eine Actionsequenz der Endzeitserie „Acht Tage“ wurde der Hausvogteiplatz abgeriegelt (Archiv)

Spektakulärer Dreh: Für eine Actionsequenz der Endzeitserie „Acht Tage“ wurde der Hausvogteiplatz abgeriegelt (Archiv)

Foto: Ricarda Spiegel

Berlin. Dass Berlin Filmhauptstadt ist, ist ja nichts Neues. Überall wird hier gedreht, werden Straßen gesperrt, sind Parkplätze von Filmtrucks blockiert. Spätestens mit „Die Bourne Verschwörung“, das erzählt Christoph Fisser vom Studio Babelsberg gern, hat der Berliner Senat den Werbeeffekt erkannt, wenn die Stadt als Kulisse dient. Seither kommt man sehr viel schneller an Drehgenehmigungen für Außenkulissen auch für komplizierte Sets. So spielt die Stadt nicht nur in Berlin-Filmen wie „Oh Boy“ oder „Victoria“ eine Hauptrolle, sondern auch in internationalen Thrillern („Atomic Blonde“), Historiendramen (Spielbergs „Bridge of Spies“) oder gar Science-Fiction-Filmen („Tribute von Panem: Mockingjay“ oder bald „Mute“).

In der letzten Zeit hat sich die Stadt auch zur Serienhauptstadt gemausert. Wozu das Filmboard Berlin-Brandenburg sehr beigetragen hat, das als einer der ersten regionalen Fördertöpfe explizit Mittel für Serien eingerichtet hat. US-Serien wie „Homeland“ und „Berlin Station“ sind hier entstanden, heimische TV-Produktionen wie „Ku’damm 56“ und „Der gleiche Himmel“, aber auch die erste deutsche Amazon-Serie „You are Wanted“ und die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“.

Beim Deutschen Fernsehpreis am vergangenen Fretitag haben Serien aus Berlin triumphiert. Und der Trend setzt sich 2018 ungebrochen fort. Wir stellen ein paar Highlights vor, die noch gedreht werden oder bald starten.

„Acht Tage“

Was Drehen in Berlin für die Stadt bedeuten kann, davon konnte man sich Mitte August am Hausvogteiplatz ein Bild machen. Der wurde weiträumig abgesperrt. Und in ein Trümmerfeld verwandelt. Hier wurde „Acht Tage“ gedreht, eine deutsche Eigenproduktion des Bezahlsenders Sky. Wie sonst nur in US-Katastrophenfilmen, stürzt ein riesiger Asteroid auf die Erde. Diesmal wird er aber in Europa aufprallen. Die Chance, hier zu überleben, ist gleich null. Also macht sich ganz Europa auf die Flucht. Der Achtteiler, mit Mark Waschke, Christiane Paul und Devid Striesow prominent besetzt, handelt von den letzten acht Tagen vor dem Untergang und wird aus der Sicht einer ganz normalen Berliner Familie erzählt. Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) und Michael Krummenacher führten Regie und malen ein drastisches Bild, wenn die Flüchtlingsströme mal nicht nach Europa rein, sondern aus Europa rausdrängen. Die letzte Klappe fiel Mitte Oktober, die Ausstrahlung ist für Herbst 2018 geplant.

„Deutschland ‘86“

Der größte deutsche Serienerfolg 2015 war „Deutschland ’83“. Und zwar weltweit. Nur nicht in Deutschland. Bei RTL fielen die Quoten verheerend aus. Die Ufa dreht mit „Deutschland ’86“ jetzt dennoch eine Fortsetzung. Interessant ist dabei, dass es nicht mehr ausschlaggebend ist, ob eine Serie auf dem heimischen Markt funktioniert. Die Ost-West-Spionagegeschichte war von Anfang an für den internationalen Markt angelegt. So nun auch in Staffel Zwei. Dabei wird Jonas Nay als Spion wider Willen vom Osten in den Westen geschleust, die Handlung führt ihn diesmal aber bis nach Südafrika. Der Cast der ersten Staffel (Maria Schrader, Sylvester Groth, Ludwig Trepte) wird um Neuzugänge wie Anke Engelke und Fritzi Haberland erweitert. Um sich einen weiteren hiesigen Quotenflop zu ersparen, werden die zehn neuen Folgen noch in diesem Jahr exklusiv bei Amazon Prime Video zu sehen sein.

„Ku’damm 59“

Noch eine Fortsetzung, noch ein Zeitsprung um drei Jahre. Nachdem der Dreiteiler „Ku’damm 56“ 2016 mit großem Erfolg im ZDF lief, wird die Familiensaga um die Tanzschule Galant weiter gesponnen. Drei Jahre nach dem Abschlussball ist der Rock’n’Roll zwar etwas gesellschaftsfähiger geworden, aber die 50er-Jahre sind noch immer restriktiv, was Sex vor der Ehe, uneheliche Kinder oder auch nur weibliche Emanzipation betrifft. Nach wie vor also viele Konfliktstoffe für Mutter Schöllack (Claudia Michelsen) und ihre drei ungleichen Töchter. Für die Produktion wurde die Richard-Wagner-Straße in Charlottenburg völlig umgewandelt und auf fuffziger Jahre getrimmt. Das ZDF zeigt die drei Teile vom 18. bis 21. März.

„Dogs of Berlin“

Und noch mal wird Berlin zum ruppigen Pflaster: in „Dogs of Berlin“, der nach „Dark“ zweiten deutschen Netflix-Eigenproduktion. Vierbeiner spielen dabei weniger eine Rolle, mit den (Under-) Dogs sind zwei Berliner Polizisten gemeint: ein türkisch-stämmiger Cop (Fahri Yardim) und ein Kollege aus Ost-Berlin (Felix Kramer), die den Mord an einem Fußball-Nationalspieler aufklären sollen und dabei in einen Sumpf von Drogenclans, Neonazis, Hooligans und Mafiosi geraten. Der Zehnteiler zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild von Berlin als Hauptstadt des Verbrechens. Zum Ensemble gehören Stars wie Anna Maria Mühe, Katrin Sass und Hannah Herzsprung. Dass das mit viel Wumms inszeniert wird, dafür sorgt Regisseur Christian Alvart, der auch den Hamburger „Tatort“ mit Til Schweiger und Fahri Yardim verantwortet. Berlin stellt Alvart ein zweifelhaftes Kompliment aus: „Wir hätten für diese Serie keine bessere Heimat finden können.“ Sie soll noch in diesem Jahr gestreamt werden.

„You are Wanted“

Matthias Schweighöfer wird immer noch gehackt. Seine Amazon-Serie „You are Wanted“ endete ja mit einem ganz fiesen Cliffhanger. Sie schlug aber so erfolgreich ein, dass schon wenige Tage nach der Premiere die zweite Staffel angekündigt wurde. Karoline Herfurth ist nicht mehr dabei, ihre Figur hat ja nicht überlebt, sie wird durch Jessica Schwarz ersetzt. Staffel Eins war offenbar so nervenaufreibend, dass Schweighöfer diesmal „nur“ als Produzent und Hauptdarsteller fungiert und nicht mehr selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Der Star lässt seine Fans aber via Instagram munter an den Dreharbeiten teilhaben.

„Beat“

Marco Kreuzpaintner, der Regisseur von „Sommersturm“, trieb sich die letzte Zeit unentwegt in der Berliner Clubszene herum. Aber nicht, um dauernd Party zu machen. Sondern weil auch er in Serie geht. „Beat“, gerade abgedreht, ist ein Siebenteiler für Warner, der in den Techno-Underground der Hauptstadt abtaucht. Mit, wie es heißt, „Storys voller Crime, Sex & Drugs“. Dabei spielen Jungstars wie Jannis Niewöhner und Anne Bederke mit. Mehr wird aber partout nicht verraten. Während Produktionsfirmen sonst schon so früh wie möglich für ihre Projekte werben, soll hier große Geheimnistuerei das Interesse anheizen. Deshalb werden auch alle Bilder vom Set zurückgehalten. Immerhin eine Klappe vom Dreh konnten wir aufspüren: ein Indiz, das die Serie auch wirklich realisiert wurde.

„Weissensee“

Auch die Serie um die Stasi-Familie Kupfer geht in die nächste Runde. Nachdem in Staffel 3 die Mauer gefallen ist, handelt Staffel 4 nun von der Währungsunion und den ersten freien Wahlen in der DDR. Eine Zeit, die so in Film und Fernsehen noch nicht erzählt wurde. Mit dabei sind wieder Florian Lukas und Uwe Kokisch, Katrin Sass ist dagegen aus nicht näher genannten Gründen ausgestiegen. Die sechs Teile sind bereits im Kasten, im März will die ARD bekannt geben, wann sie ausgestrahlt werden sollen.

„Beck is back“

Anwaltsserien sind in den USA der Hit, nicht erst seit „Good Wife“. In Deutschland funktionieren sie nicht immer, wie der Flop „Die Anwälte“ 2006 bewies. Nun gibt es einen neuen Versuch mit „Beck is back“, der ursprünglich „Plötzlich Anwalt“ hieß. Das wäre auch schon grob die Handlung: Ein studierter Jurist, der immer Hausmann war, muss spät doch noch seinen Beruf ausüben. Um Komödie statt Krimi zu machen, hat Bert Tischendorf eigens seinen Job bei der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ gekündigt. Als Pflichtverteidiger wird er unterstützt durch seine schlagfertige Haushälterin Andreja Schneider. Die Geschwister Pfister werden das nicht immer komisch gefunden haben: Wegen des Drehs im Sommer mussten sie lange ohne ihr Fräulein Schneider auskommen. Die Serie startet Dienstag auf RTL.

„4 Blocks“

Die TNT-Serie um Kida Khodr Ramadan als Anführer eines libanesischen Familienclans in Berlin war eines der Serienhighlights des vergangenen Jahres. Selten hat man so drastische realistische Einblicke in die Unterwelt von Kreuzkölln gewonnen. Gedreht wurde an Brennpunkten wie Kotti Tor und Görlitzer Bahnhof. Beim Deutschen Fernsehpreis vor zwei Tagen hat die Serie gleich drei Trophäen eingestrichen. Ein idealer Auftakt für die zweite Staffel, deren Dreharbeiten am morgigen Montag beginnen. Vorab wird nichts verraten. Auch nicht, ob Frederick Lau als Ermittler überlebt hat. Die Serie soll im Herbst ausgestrahlt werden.

„Babylon Berlin“

Größte Medienaufmerksamkeit, beste Kritiken Ende 2017 und nun am Freitag auch noch vier Deutsche Fernsehpreise heimste „Babylon Berlin“ ein, die bis in kleinste Rollen star-besetzte XXL-Produktion von Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten über Schuld und Sünde im Berlin der 20er-Jahre. Eine Serie, die auch deshalb Geschichte schrieb, weil sie die erste Koproduktion eines Öffentlich-Rechtlichen mit einem Bezahlsender ist. Auf Sky sind die zwei Staffeln schon im November gelaufen, die ARD will sie erst Ende dieses Jahres zeigen. Das hat bei manchen Beitragszahlern für Unmut gesorgt, das Erste steht aber dazu, weil man die Serie sonst nicht so aufwendig hätte produzieren können. Freuen kann man sich in jedem Fall: Nie wurde das Berlin der 20-er in so großen, vibrierenden Bildern gezeigt. Die Filmemacher feilen bereits an der dritten Staffel.

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