Christian Ulmen ist in Filmen immer der Softie vom Dienst, ob in „Herr Lehmann“ oder „Männerherzen“ . Jetzt bricht er einmal aus dem Rollenklischee aus. In seinem neuen Film „Macho Man“, der am 29. Oktober in die Kinos kommt, verliebt er sich in eine Türkin und gibt vor deren Verwandten den strammen Max, weil er meint, das käme besser an. Wir haben mit dem Schauspieler über typisches Rollenverhalten gesprochen. Und für unseren Fotografen hat er sie auch gleich noch in Posen gegossen.
Berliner Morgenpost: Herr Ulmen, Sie sind vor kurzem 40 geworden. Hat die 4 vorne irgendwas verändert?
Christian Ulmen: Eigentlich war mir das immer sehr egal, die Reflexion darüber beginnt erst mit Ihrer Frage oder der lustigen Motivkarte zum Geburtstag. Nur, wenn ich früher meinen Arzt gefragt habe, ob wir nicht mal den Darm spiegeln und Krebsvorsorge machen sollten, hieß es immer: Nee, nee, das kommt erst dran, wenn Sie 40 sind. Jetzt, wo’s soweit ist, darf man sich offiziell Sorgen machen. Aber nun ja: Ich wollte immer schon Darmspiegelung machen.
Sie sind Sternzeichen Jungfrau. War das in einem gewissen Alter schwierig, wurde man dafür von Schulkameraden gehänselt?
Gott sei Dank haben Sternzeichen in meiner Jugend überhaupt keine Rolle gespielt. Wir haben uns selten bis gar nicht am Pausenhof über die Rolle der Widder und Jungfrauen unterhalten.

Schade. Das sollte eine schöne Überleitung zum eigentlichen Thema werden. Sie werden in „Macho Man“ als Weichei, Warmduscher, als Verständniszeiger bezeichnet. Trifft das auf Sie zu?
Das eine ist die Filmfigur. Ein Parade-Warmduscher. Für eine Komödie perfekt. Ich persönlich definiere mich nicht so, und ich glaube auch, dass in den meisten Männern mehr Aspekte schlummern als: der Warmduscher, der Haudrauf, der Frauenversteher. Das sind so klar programmierte Männer-Bots. Als ich 16 oder 17 war, haben mich solche Entwürfe interessiert. Ich hab überlegt: Wer hat eine Freundin? Wer kriegt eine richtig tolle ab? Was macht der? Wie agiert der? Zeig ich zu viel Verständnis, muss ich vielleicht härter sein? Und dann hab ich’s ausprobiert. Jetzt, kurz vor der ersten Darmspiegelung, bin ich ja alt genug, um zurückzublicken und zu sagen: Es gibt nicht diesen einen Männertyp, den alle Frauen wollen, und der am Ende der Evolution auf der Palme sitzt und triumphiert.
Was ist denn Männlichkeit für Sie?
Naja, man hat ja leider sofort Men’s-Health-Assoziationen: Schulter- und Brustmuskeln, Denimshirts, und die Frage, „wenn du ein Bier gemacht hättest, wie hättest du es gemacht?“ – aber das geht sofort in der Lächerlichkeit unter. Männer mit Männer-Entwurf sehen aus wie Alexander Dobrindt oder Tim Wiese. Als ernstzunehmende Personen fallen sie aus.
Darf ich ein paar Verhaltensmuster bei Ihnen erforschen? Wer hat bei Ihnen zuhause die Hosen an? Wer ist der Entscheider?
Eigentlich pocht ja meine Frau immer darauf, dass wir alles gemeinsam entscheiden. Das ist auch der Grund, warum in unserem Haus, in das wir vor einem Jahr gezogen sind, noch immer keine Bilder hängen. Weil alles gemeinsam entschieden werden muss. Manchmal wäre es vielleicht besser, der einer entscheidet über die Bilder und der andere über das Sofa. Aber so dauert die Entscheidungsfindung ein wenig länger.

Wenn doch mal ein Bild an die Wand käme, wer schlägt den Nagel in die Wand?
Das macht meine Frau. Hat sie jedenfalls früher immer gemacht. Handwerklich geschickter ist jedenfalls definitiv sie. Sie hat alle Kinderbetten aufgebaut.
Wer fährt das Auto bei Ihnen?
Ich natürlich. Ich fahre s-e-h-r gut.
Wer bringt den Müll raus?
Auch ich.
Und wer kümmert sich ums Geld?
Jeder um sein eigenes. Wir haben getrennte Buchführung. Von daher gibt es auch keine Haushaltsdebatten bei uns. Jeder verdient sein Geld, und manchmal legen wir halt zusammen.
Sie sind beide berufstätig, auch im gleichen Gewerbe. Wie geht das mit den Kindern?
Das ist natürlich ein Kraftakt für die Logistik. Der, der da ist, kümmert sich. Und wenn beide nicht können, muss man sich was einfallen lassen. Es hat sich jetzt so eingependelt, dass ich fürs Aufwecken und Zubettbringen zuständig bin. Aber auch das ändert sich, je nachdem, wer gerade da ist. Mein Traum wäre ja, zu drehen wie Woody Allen. Der dreht immer in seiner Stadt, von zehn bis sechs, und dann ist gut. Was das angeht, möchte ich gerne arbeiten wie ein Einwohnermeldeamt. Keine langen Überstunden mehr. Früh raus, klarer Cut, Zapfenstreich, Heimweg, um sieben Uhr zuhause sein.
Wenn Sie Ihre Kinder so paritätisch betreuen, wird das von anderen so angenommen? Oder ist es da toll, wenn der Papa sich auch mal ums Kind kümmert, und schlimm, wenn die Mutti es mal nicht tut?
Da sind wir jetzt bei der Schuhverkäuferin, die zu meiner Tochter sagt: „Ist ja toll, bist du mal mit dem Papa einkaufen!“ Wir haben doch jetzt keine Zeitreise in die 50er-Jahre gemacht. Gehen da wirklich nur Mütter mit? Oder macht die Verkäuferin nicht die Augen auf? Meine Tochter hat gar nicht verstanden, was die will. Und es ist wirklich so, dass meine Frau, wenn sie sich mal nicht um die Kinder kümmern kann, schon mal subtil verwunderte oder offen irritierte Kommentare zu hören kriegt. Da möchte man gern sagen: Liebe Freunde, Adenauer ist tot, der Mensch ist im All und ich gehe selbstverständlich und oft mit meiner Tochter Schuhe kaufen.

In den 80er-Jahren hat Ina Deter von den neuen Männern gesungen, die das Land braucht. Ist diese Generation Mann am Aussterben? Ist heute nicht wieder eine Zeit, in der man den Kerl in sich bejaht?
Ich tu mich immer sehr schwer mit allgemeingültigen Aussagen für Generationen und Geschlechter. Was denn jetzt? Pegida-Männer, die Pappbalken für Sigmar Gabriel basteln und sich in ihrer Wut baden, statt sich klarzumachen, dass sie ihre Kraft jederzeit produktiv nutzen können? Ja, dann bin ich bei Ina Deter. Aber Millionen Männer stehen ja morgens auf, gehen abends ins Bett und haben zwischendurch eine Aufgabe, die sie davon abhält, über ihr Männerdasein zu reflektieren. Aber offensichtlich gibt es Bedarf.
Sonst würden auch keine Filme wie „Macho Man“ gedreht.
Es gibt auch immer mehr Männermagazine, wo es auch nicht nur um den Sixpack geht. Sondern darum, dass man von Feministinnen untergebuttert wird, dass man sich wieder bekennen muss zu seiner Zigarre und zu seinem Porsche, und wie man Beef 48 Stunden im Eichen-Rauch schmauchen lässt. Wo ich immer denke: Warum bekennen? Rauch doch deine Zigarre, fahre deinen Porsche und schmore bitte dein Fleisch! Aber was ist das für ein seltsames Bekenntnis?
Wenn man sich die Rollen anschaut, die Sie so spielen, in „Männerherzen“ etc., sind Sie schon immer so ein gewisser Männertyp. War das auch mal eine Lust, auszubrechen aus diesem Rollenklischee? Waren Sie gern mal Macho? War das auch befreiend?
Aber ja. Das war schon eine große Lust, eine Figur zu spielen, die aus ihrem eigenen Verhalten ausbricht. Und ein Arschloch sein darf. Das hat Spaß gemacht.

Wünschten Sie sich denn, pardon, mehr solche Arschlochrollen? Oder doch Rollen, wo Sie einen anderen Typ verkörpern?
Ich habe gar nichts gegen Schubladen. Ich kann verstehen, dass man in diesen Figuren gewisse Ähnlichkeiten sieht. Für mich waren die aber unterschiedlich genug. Herr Lehmann ist nicht wie Daniel und der Typ aus „Der Fischer und seine Frau“ ist nicht wie der in „Wer’s glaubt, wird selig“. Für mich sind die Figuren so unterschiedlich, dass es mich nicht zu langweilen beginnt. Klar eint diese Rollen alle, dass sie nicht Batman sind. Aber ich verspüre auch nicht den Drang in mir, Batman spielen zu müssen.
Ich habe mal eine Blitzumfrage in unserer Redaktion gestartet, was man mit Ihnen am ehesten verbinden würde? Die Antwort war Softie. Können Sie damit leben?
Es klingt wie ein Drogerieprodukt. Aber macht nichts. Besser, als wenn die Leute gar nichts mit mir in Verbindung bringen würden. (lacht) Freuen wir uns also, dass überhaupt ein Begriff gefunden wurde.





