FIlm

David Kross muss sich gleich zwei Vergleichen stellen

Kann man mit 25 Jahren schon ein Comeback haben? David Kross spielt wieder Hauptrollen. Und muss sich mit Alexander Fehling messen.

Erst mal die volle Ladung Koffein: David Kross in der Böse Buben Bar, einem hübschen Café in Mitte auch für nicht so böse Jungs

Erst mal die volle Ladung Koffein: David Kross in der Böse Buben Bar, einem hübschen Café in Mitte auch für nicht so böse Jungs

Foto: Joerg Krauthoefer

Er kommt nicht ganz pünktlich ins Café. Und bestellt erst mal „die volle Ladung“. Espresso und Cola. Den Espresso trinkt er gleich, die Cola muss er später gegen Wespen verteidigen. David Kross braucht das Koffein. Es ist zwar schon Mittag, aber er ist noch nicht ganz wach. Es ist spät geworden am Abend zuvor.
Für seinen neuen Film „Boy 7 “, der gerade in die Kinos kam, hat er eine Tour durch mehrere Städte hinter sich. Als letztes stand Leipzig auf dem Plan. Nicht dass sie da so lange gefeiert hätten. Aber sie sind dann noch mitten in der Nacht nach Berlin zurückgefahren. Er ahnt unsere Frage und wiegelt grinsend ab. Er ist ohne Filmriss aufgewacht. Und hat sofort gewusst, wo und wer er ist.

„Boy 7“ nämlich handelt von einem jungen Hacker, der eines Tages in einem U-Bahnschacht aufwacht und keine Erinnerung, keine Ahnung von seiner Identität hat. Bis er ein Merkbuch findet, das er sich selbst geschrieben hat. Und in dem von einer großen Verschwörung die Rede ist, bei der Jugendliche wie er zu willfährigen Verbrechern umgepolt werden.

„Boy 7“ ist sowas wie die deutsche Antwort auf „Die Tribute von Panem“ oder „Divergent“, Dystopien unter Jugendlichen, die schon als Bücher Bestseller waren und dann verfilmt wurden. In diesem Fall nach dem Buch von der Holländerin Mirjam Mous.

„Comeback“ für den 25-Jährigen

David Kross hat sofort zugesagt, als er gefragt wurde, ob er diesen Jungen mit der Nummer Sieben spielen wolle. Er hat eine große Sehnsucht nach Genrekino – und findet, dass das im deutschen Film viel zu kurz kommt. „Es werden so viele Komödien und Kinderfilme gedreht, dann gibt es die Arthouse-Schiene. Aber dazwischen klafft ei­ne große Lücke“, stöhnt er.

In der Tat: Von Ausnahmen wie „Who am I“ oder „Blutsbrüdaz“ abgesehen, gibt es wenig Genrekost im heimischen Film. „In den USA gehört das fest dazu, auch in Skandinavien oder Frankreich wird da ganz viel gemacht. Da gibt es eine ganz andere Kinokultur, eine viel größere Vielfalt.“ Er sieht „Boy 7“ auch nicht nur in der Nähe von Jugenddystopien, sondern vor allem zu den Jason-Bourne-Filmen mit Matt Damon, der auch das Gedächtnis verloren hat.

Wir müssen bei der Gelegenheit unser Gedächtnis auch ein wenig anstrengen. David Kross hat ja im zarten Alter von 16 Jahren gleich mit seinem ersten Film „Knallhart“, dem Neukölln-Kiezdrama von Detlev Buck einen Senkrechtstart hingelegt. Und seit er in „Der Vorleser“ das Bett mit Kate Winslet teilen durfte, umweht ihn sogar ein bisschen Oscar-Luft.

Aber seit sechs Jahren, seit „Same Same But Different“, wieder von Detlev Buck, hat er keine Hauptrolle mehr gespielt. Muss man sich Sorgen machen um ihn? Kross, vor einem Monat 25 Jahre alt geworden, lacht: „Ich habe sogar schon von meinem Comeback gelesen!“

Das Glück der zweiten Geige

Das ist dann vielleicht doch ein wenig zuviel. Immerhin hat er in internationalen Produktionen mitgewirkt, an der Seite von Mads Mikkelsen in einer französischen „Michael Kohlhaas“-Adaption, in Steven Spielbergs Erstem-Weltkriegs-Drama „Gefährten“ und in der „Oscar und Rico“-Reihe, die jetzt auch als Film in die dritte Runde geht. Er war also immer da. War aber auch ganz froh, mal nicht immer die erste Geige spielen zu müssen.


„Ich hatte anfangs viele Hauptrollen, hab mir aber insgeheim gewünscht, auch mal kleinere Parts spielen zu dürfen“, sagt er und rührt in seiner halbleeren Kaffeetasse. „Um nicht immer einen ganzen Film tragen zu müssen. Um mich einfach mal im Spielen ausprobieren zu können, was da so möglich ist – oder auch nicht.“

Bei „Boy 7“ muss er jetzt wieder die Last der Hauptrolle tragen. Und hatte noch mal mit einer ganz anderen Herausforderung zu kämpfen: „Boy 7“ wurde gerade auch in der Heimat der Bestsellerautorin verfilmt. Das war kein Zufall: Die Produktionsfirma Hamster Film ist der deutsche Ableger der niederländischen Lemming Film. Die hat beide Adaptionen gleichzeitig produziert, mit verschiedenen Drehbüchern, Regisseuren, Drehorten und komplett anderem Cast.

Kross’ Rolle spielt dort der hierzulande unbekannten Matthijs van de Sande Bakhuyzen. Nicht dass er den persönlich kennen würde. „Aber das fordert dich natürlich noch mal ganz anders. Du willst natürlich schon den besseren Film drehen.“ Man kann, witzelt Kross, sich also bald einen „Boy 7-Abend“ machen, mit beiden Filmen als Double-Feature.

Der dritte Film zu Fritz Bauer

Und das ist nicht der einzige Vergleich, dem er sich stellen muss. Bald wird auch sein erster Fernsehfilm ausgestrahlt: „Der General“, ein Gerichtsdrama mit Ulrich Noethen über den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der die Frankfurter Holocaust-Prozesse in den fünfziger Jahren vorantrieb. Es ist schon der dritte Film über Fritz Bauer in nur anderthalb Jahren: der erste war „Das Labyrinth des Schweigens“ mit Alexander Fehling als junger Anwalt an Bauers Seite, der dort von dem inzwischen verstorbenen Gert Voss gespielt wurde.

Und nach „Der Staat gegen Fritz Bauer“, der am 1. Oktober in die Kinos kommt, mit Burghart Klaußner in der Titelrolle. Im „General“ spielt David Kross einen jungen Anwalt. Und muss sich nun also auch mit Alexander Fehling vergleichen lassen, der dafür sogar eine Lola-Nominierung ergatterte. Diesmal ist die Doppelung reiner Zufall. Aber Kross wird sich dem Vergleich tapfer stellen.

Ein Großfilm über Berlin 1936

David Kross spielt also wieder Hauptrollen. Und Hollywood hat ihn auch nicht vergessen. Gerade abgedreht ist „Race“, eine internationale Koproduktion über den schwarzen Leichtathlet Jesse Owens und seine Siege bei den Olympischen Spielen 1936 im Nazi-Berlin. Der kommt nächsten Sommer kurz vor den nächsten Olympischen Spielen ins Kino, mit Stars wie William Hurt und Jeremy Irons.
Und dann gibt es noch zwei weitere vielversprechende Projekte, über die er aber noch nichts verraten will. Da ist er abergläubisch. Aber so viel ist klar: Um den Schauspieler muss man sich keine Sorgen machen.