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"Homeland": Rupert Friend zieht Berlins Museen Clubs vor

"Homeland"-Star Rupert Friend im Interview über das Sensibelchen-Image, Stunt-Szenen, Arbeit und Leben in Berlin und die neue Staffel.

„Ich glaub, mein Schwein pfeift“: Sprüche wie diese hat der Brite Rupert Friend in Berlin gelernt

„Ich glaub, mein Schwein pfeift“: Sprüche wie diese hat der Brite Rupert Friend in Berlin gelernt

Foto: Getty Images / WireImage/Getty Images

Die Haare sind wieder dran. Hübsch nach oben verstrubbelt. Rupert Friend trägt dazu ein Blümchenhemd. Ganz wie man ihn kennt. Und gar nicht so, wie er in dem neuen Actionknaller „Hitman – Agent 47“ zu sehen ist, wo er sich glatzköpfig durch Berlin und Singapur schießt. Der US-Film feiert heute seine Weltpremiere am Potsdamer Platz, weil er zu großen Teil hier entstand. Der britische Hauptdarsteller musste dafür nicht lange anreisen - er dreht hier derzeit die neue Staffel der US-Serie Homeland. Wir trafen den 33-Jährigen im Hotel de Rome.

Berliner Morgenpost: Herr Friend, man kennt Sie hauptsächlich aus Historienepen wie „Young Victoria“ oder „Chéri“. Wollen Sie mit Ihrem neuen Film Ihr Image wechseln: der tough guy statt das Sensibelchen?

Rupert Friend: Ja, was ist da nur schiefgelaufen? Ich habe keine Ahnung, was die sich dabei gedacht haben. Es muss ein klares Missverständnis gewesen sein. Sie sollten mich baldmöglichst wieder ins Historienland schicken. Da gibt es ein Regierungsorgan namens Hollywood, das einmal in der Woche die Schauspielerlisten durcheinanderschüttelt.

„Hitman“ ist die Verfilmung eines Computerspiels. Spielen Sie selbst solche Spiele?

Ich habe mal Spiele gespielt, aber ich habe immer die tiefsinnigeren bevorzugt, wo es mehr um Strategien ging und weniger die, wo man nur Zombies totschießt. Als ich groß wurde, hat man ein Auto gefahren oder auf Zombies geschossen. Inzwischen ist das so ausgewachsen, das ist alles viel realistischer, wie du dich verhältst, das hat alles Konsequenzen und verändert das Spiel. Für mich ist das eine andere Art des Geschichtenerzählens geworden, wie Literatur oder Film.

Ursprünglich sollte Paul Walker den Hitman spielen. Als er gestorben ist, ging die Rolle an Sie? Fühlt sich das komisch an?

Ich bekam den Job. Und wir wollten den Film so gut machen wie möglich. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Sie müssen noch einem Vergleich ertragen: „Hitman“ wurde erst vor acht Jahren mit Timothy Olyphant verfilmt. Haben Sie sich den Film angesehen?

Nein. Das ist aber auch gut so. Ich habe so keine Meinung dazu.

Brauchten Sie sowas wie ein Kampftraining?

Oja. Ich habe die Waffen mit nach Hause genommen! Im Ernst, ich musste mit denen vertraut werden. Ich hatte auch einen (sagt es auf deutsch:) Waffenmeister, ein toller Riese namens Lutz, mit dem habe ich ziemlich viel Zeit verbracht. Wir haben Stunden und Stunden zusammen geschossen. Es sollte am Ende so natürlich, so einfach aussehen, als wenn ich mir die Zähne putzen würde.

Hat das was mit Ihnen gemacht? Verändert das dein Verhalten?

Es geht nur darum, etwas glauben zu machen. Das ist unser Job als Schauspieler. Ich werde jetzt bestimmt kein Waffennarr. Ich bin Brite, kein Amerikaner. Wir schießen nicht auf Leute, wenn sie auf unser Grundstück kommen.

Sie mussten sich die Haare abrasieren für die Rolle. War das ein großes Opfer?

Nein, das ist auch nichts anderes, als für eine Rolle Gewicht zu verlieren oder sich einen Schnauzbart wachsen zu lassen. Das macht was mit dir, es verändert dich. Ich wurde allerdings jeden Morgen kahl geschoren, das war ein seltsamer Start in den Tag.

Und haben Sie den Tom Cruise gemacht? Haben Sie auch Stunts selber gemacht?

Ich habe sie alle gemacht. Das war meine Bedingung. Ich kann nicht bei einem Actionfilm mitmachen und dann während der Action im Trailer sitzen. Sonst hätte ich auch ziemlich wenig zu tun gehabt.

Aber ist das nicht eine Frage der Versicherung?

Es gab zwei, drei Szenen, die hat man mir nicht erlaubt. Die hat dann wirklich ein Stuntman übernommen. Das war etwa die, in der ich gegen einen Wand geschleudert wurde. Der Stuntman hat sich dann auch wirklich was gebrochen und musste ins Krankenhaus. Da war ich sehr geschockt.

Der halbe Film wurde hier in Berlin gedreht. Jetzt stehen Sie für „Homeland“ wieder hier vor der Kamera. Fühlen Sie sich schon als Berliner?

Haha. So weit würde ich nicht gehen. Ich sollte die Stadt schon etwas besser kennen. Ich lebe ja jetzt schon seit zwei Jahren hier. Aber da ich so viel zu arbeiten habe, komme ich nicht so oft dazu, mir die Stadt so zu erkunden, wie ich das gern wollte. Das Nachtleben soll ja toll sein, das interessiert mich nur nicht so. Aber mal ins Museum zu gehen, steht definitiv auf meiner Liste. Am merkwürdigsten ist es aber, wenn man in Berlin Szenen dreht, die dann in Singapur spielen. Aber ich bin ja auch ein Brite, der vorgibt, ein Amerikaner zu sein.

Wo wohnen Sie denn jetzt?

In West-Berlin.

Verraten Sie uns, in welchem Kiez?

(lächelt) Es ist definitiv West-Berlin.

Unterscheiden Sie zwischen Ost- und West-Berlin?

Als ich „Hitman“ drehte, habe ich im Osten gewohnt, jetzt wohne ich im Westen.

Haben Sie schon ein bisschen Deutsch gelernt in der Zeit?

Ich hab am Set ein bisschen was aufgeschnappt. Am schönsten finde ich (sagt es mit süßem Akzent auf Deutsch:) Ich glaub’, mein Schwein pfeift. Keine Ahnung, was das bedeuten soll, das hat mich sehr beschäftigt.

Können Sie hier einfach so durch die Stadt spazieren? Oder werden Sie dann überall von Fans erkannt?

Oja, unbedingt. Ich bin hier noch nie erkannt worden. Na doch, einmal. Aber das war nicht in Berlin. Sondern in Potsdam, an einem dieser Seen.

>>>Alles rund um den "Homeland"-Dreh in Berlin

Haben Sie ein Berliner Lieblingsessen?

Schnitzel! Aber das ist ja was Wienerisches, richtig? Spätzle... Aber das ist auch nicht berlinerisch. Also wohl Currywurst.

Dürfen Sie uns etwas über die neue „Homeland“-Staffel verraten?

Ich habe vor kurzem in Kapstadt einen Film gedreht, der in Afghanistan spielen sollte. Die neue „Homeland“-Staffel spielt definitiv in Berlin. Clare Danes hat die CIA verlassen und lässt ihre Tochter in Berlin aufwachsen. Ich glaube, die neue Staffel wird viel realistischer, es geht auch um Privatrecht; Hacker und all die Snowden-Sachen. Es ist lustig. Als ich diese Rolle bekam, hatte ich nur eine Szene. Und jetzt bin ich hier, vier Jahre später.

Gibt es Parallelen zwischen diesen beiden Agenten aus „Hitman“ und „Homeland“?

Interessante Frage. Agent 47 ist eine Kampfmaschine, die lernt, Mensch zu sein. Peter Quinn hat immer schon eine tiefe Seele gehabt. Aber in beiden geht es um die Frage, ob es moralisch gerechtfertigt ist, Leute zu manipulieren, Seelen umzupolen.

Ihr nächster Film wird wieder etwas Sensibleres - den werden Sie erstmals selbst inszenieren.

Und ich habe auch das Drehbuch geschrieben. Es geht in „Barton & Charlie & Checco & Bill“ um zwei Trickbetrüger, die einen Roadtrip machen. Den Drehplan zu erstellen, ist gerade der größte Aufwand. Das beansprucht mich ganz schön. Idealerweise machen wir das vor der nächsten „Homeland“-Staffel.