Mein Berlin

Wenn die Telekom wieder und wieder ihre Kunden versetzt

Wer in Berlin einen Anschluss für Internet und Telefon will, benötigt ein starkes Nervenkostüm – und Zeit, beobachtet Nina Paulsen.

Autorin Nina Paulsen

Autorin Nina Paulsen

Foto: Reto Klar

Berlin. Liebe Telekom, ich habe hier eine Nachricht für dich! Wobei ich gleich am Anfang feststellen will, dass diese Nachricht gar nicht nur an dich gerichtet ist, sondern auch an alle anderen Telekommunikationsunternehmen in Deutschland – heißen sie nun O2, Vodafone oder Pÿur. Auch diejenigen, die jetzt hier nicht explizit genannt sind, dürfen sich angesprochen fühlen. Ihr seid nämlich, mit Verlaub, allesamt Saftläden. Nach 15 Jahren als Kundin bei euch kann ich das mit definitiver Sicherheit sagen.

Die Wortwahl tut mir leid, aber ich bin im Moment wirklich böse. Seit Oktober schon haben wir kein Fernsehen mehr – das war urplötzlich nur noch mit einem Wechsel in einen höherpreisigen Vertrag zu haben. Also haben wir gekündigt und sind quasi zum Mercedes unter den Telekommunikationsbuden gewechselt. Lieber ’ne Mark mehr bezahlen, wenn man dafür wenigstens gute und faire Leistung bekommt. Dachten wir.

Prenzlauer Berg ist ja auch wirklich schwer zu finden

Doch jetzt werden wir seit anderthalb Monaten versetzt. Der Techniker, der den Anschluss für Internet, Telefon und TV freischalten soll, findet einfach nicht den Weg zu uns. Beim ersten Termin, an dem ich von 8 bis 13 Uhr zu Hause wartete, passierte: nichts. Aber kann ja mal vorkommen, also schnell einen zweiten Termin vereinbart, doch: wieder nichts. Beim dritten Termin: nichts. Beim vierten – Überraschung – nichts. Beim fünften: genau. Prenzlauer Berg liegt ja auch am Ende der Welt. Jwd, und wirklich schwer zu finden. Es ist auch kaum auf Landkarten verzeichnet, und wenn doch mal jemand dorthin gelangt, dann nur völlig verdurstete Touristen, die sich auf dem Weg zum Alexanderplatz verirrt haben ... Immerhin: Die erste Monatsrechnung wurde bereits vom Konto abgebucht. Schön, dass das wenigstens funktioniert.

Ein Schicksal, das viele Menschen in Berlin teilen – und zwar Kunden von allen möglichen Anbietern, seien sie nun magenta, rot oder blau. Im Netz sind die Foren voll von Leuten, die sich nicht nur über überteuerte Tarife, igno­rierte Kündigungen oder sinnlose Extrakosten ärgern – sondern auch von solchen, die Teile ihres Jahresurlaubs dafür verbraten haben, vergeblich auf den Techniker zu warten. Was soll man in den Ferien auch nach Mallorca oder Sylt verreisen – zu Hause ist doch auch schön. Außerdem ist „Digital Detox“ ja auch total angesagt.

Keine Kapazität. Softwareprobleme. Warnstreik

Als gebeutelter Kunde quält man sich dann durch die Hotline-Hölle. Wer dort die langen Minuten und Stunden verbringt, würde irgendwann lieber für den Rest seines Lebens nur noch „Schnappi, das kleine Krokodil“ hören als noch einen Takt dieser verdammten Wartemelodie. Keine Kapazität mehr, heißt es nach tausendfachen Entschuldigungen dann als Grund für das Nicht-Erscheinen des Technikers. Oder: Softwareprobleme. Oder: Warnstreik. Bei der Pressestelle der Telekom heißt es auf Nachfrage, dass der Service im Rahmen laufender Tarifverhandlungen in der letzten Woche unter anderem in Berlin „an einzelnen Tagen von gezielten Warnstreiks betroffen war“. Man bedaure die eventuellen, dadurch bedingten Beeinträchtigungen. Zu den Wochen davor: kein Wort.

Aber so ist das, ihr lieben sogenannten Kommunikationsunternehmen: Ihr sitzt am längeren Hebel. Weil es leider kein flächendeckend freies Wlan gibt. Weil wir uns unser Internet nun mal nicht selber basteln können. Überlegt doch mal, in welcher Luxussituation ihr seid: Kein Mensch würde fünf Mal in ein Restaurant gehen, wo ihn der Kellner stundenlang igno­riert hat. Kein noch so verzweifelter Single würde einen Mann oder eine Frau daten, die ihn fünf Mal versetzt hat. Dann könnte man ja auch gleich jahrelang an einem Großflughafen bauen und kurz vor der Eröffnung ... Ach, lassen wir das!

Wir hoffen jetzt auf Technikertermin Nummer sechs. In einem Artikel bereits aus dem Jahr 2015 las ich allerdings, ein Paar aus Reinickendorf habe angeblich sieben Monate warten müssen, bis sein Anschluss freigeschaltet wurde. Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich suche mir zur Sicherheit schon mal die Platte von „Schnappi“ raus.

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