Mein Berlin

Fahrt mit der U8: Unheimliche Begegnungen der dritten Art

Die Menschheit würde freudig auf die Existenz von Aliens reagieren, weiß eine Studie. Nina Paulsen fragt sich: Wie wäre das in Berlin?

Ein U-Bahhof in Berlin (Archivbild)

Ein U-Bahhof in Berlin (Archivbild)

Foto: Reto Klar

Berlin. Neulich habe ich einen Artikel über eine interessante Studie gelesen. Darin wurde untersucht, wie die Menschheit wohl auf die Existenz außerirdischen Lebens reagieren würde. Das Überraschende: äußerst positiv. Freudig und gelassen würde eine Mehrheit die Nachricht aufnehmen, dass wir nicht allein im Weltall sind. Wobei man sagen muss, dass die Testpersonen in der Studie jetzt nur auf einen hypothetischen Fund außerirdischer Mikroben angesprochen wurden, was das Ganze dann doch etwas relativiert. So eine Mikrobe ist ja nun wirklich ein beherrschbares Risiko. Jede Haltestange in einem Berliner Bus dürfte mehr Mikroben beherbergen als Mars und Jupiter zusammen. Ich verstehe schon, wenn einen das nicht wirklich schockt.

Weil Wissenschaftler drollige Kerlchen sind, gilt das natürlich auch für die Autoren dieser Studie. So gaben sie zu bedenken, dass ihre Untersuchung nicht wirklich einen Rückschluss zulässt auf die Reaktion auf höher entwickelte Lebensformen. „Wenn außerirdische Kriegsschiffe über der Erde auftauchen würden, wäre die Reaktion sicher nicht positiv“, grübelte einer der Wissenschaftler. Ja. Ganz vielleicht hat er möglicherweise mit dieser steilen These recht. Kriegsschiffe sind grundsätzlich suboptimal. In den Weltmeeren der Erde ebenso, wie wenn sie plötzlich über der eigenen Terrasse kreisen.

Wenn der Taxifahrer gegen Aliens pöbelt

Wobei die Frage ja schon interessant ist, wo genau die Aliens landen würden, würden sie sich zu einer Reise nach Berlin entschließen. Der Potsdamer Platz wäre zum Beispiel ein spektakulärer Ort, zumal die Aliens dann viele Sehenswürdigkeiten direkt in der Nähe hätten. Und allein vom Auftritt her würde das ganz schön was hermachen. Auf der anderen Seite würde eine unangekündigte Raumschifflandung dort sicherlich für noch mehr Verkehrschaos sorgen als ohnehin schon existiert. Dann lernen die Außerirdischen aber wenigstens gleich mal die Berliner Schnauze kennen, wenn der erste Taxifahrer sie aus dem Fenster anpöbelt: „Macht mal hinne, wir sind hier nicht in Brandenburg.“ Oder was Taxifahrer halt so pöbeln. Aber vielleicht sind die Außerirdischen auch viel simpler gestrickt als wir denken. Vielleicht sind das sogar total verpeilte Typen, die dann irgendwo in Spandau auf dem Dach vom Lidl landen und sich erst mal durchfragen müssen, wie man denn nun mit der S-Bahn in die City kommt und wie um alles in der Welt der Ticketautomat auf dem Bahnsteig funktioniert.

In Berlin denkt man ja manchmal, die Aliens seien sowieso schon längst gelandet. Eine Fahrt mit der U8 – und zack hat man die unheimliche Begegnung der dritten Art. Es würde mich auch nicht wundern, wenn irgendwo in einem versteckten Keller des Pentagon ein supergeheimer Bericht herumliegt, in dem steht, dass das unsäglich hässliche Alexa in Wahrheit ein Raumschiff ist, das man nur zur Tarnung in eine futuristische Shoppingmall umgewandelt hat. In Friedrichshain soll ja im Herbst dieses Jahres noch so ein Ding eröffnen, die East Side Mall. Auch die sieht irgendwie sehr ufomäßig aus. Wer weiß, welcher Alien-Absturz da wieder vertuscht werden soll. Auch das ICC im Westen lässt herzlich grüßen. Im Pentagon lachen sie jedes Mal, wenn in Berlin wieder jemand liebevoll-scherzhaft „Raumschiff“ zu dem Aluminium-Monster sagt.

Ich persönlich habe ja keine große Angst vor Außerirdischen. Ich wurde in meiner Kindheit durch E.T. und Alf an das Thema herangeführt. Beide sind mehr so die Lidl-in-Spandau-Typen und hätten nicht wirklich Interesse daran, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Aber erst mal muss ja sowieso irgendjemand den Kontakt zu irgendwelchen Aliens herstellen, bevor man sich ernsthaft darüber Gedanken macht. Und dann sollte man als Erstes eine Studie mit ihnen durchführen und herausfinden, wie sie auf die Mikroben aus einen Berliner Bus reagieren. Wenn sie dann noch immer kommen wollen, sind sie herzlich willkommen. Hauptsache, sie nehmen am Ende das Alexa wieder ins Weltall mit.

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