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Unhöflichkeit und Undank - Nie wieder Ebay Kleinanzeigen!

Seltsame Mails und Unzuverlässigkeit: Wer bei Ebay Kleinanzeigen verkaufen will, braucht starke Nerven. Eine Kolumne von Nina Paulsen.

Ebay Kleinanzeigen ist im Grunde ein anderer Planet

Ebay Kleinanzeigen ist im Grunde ein anderer Planet

Foto: Schoening / picture alliance / Arco Images

Berlin. Die erste Nachricht, die ich bekomme, besteht aus zwei Ziffern: „30“. Keine Anrede, keine Frage, kein gar nichts. Nur: „30“. Soll ich jetzt darauf antworten? Und wenn ja: was? Spätestens in diesem Moment hätte mir klar sein sollen, dass ich schon deutlich bessere Ideen in meinem Leben hatte als diese: auszumisten. Und den Krempel bei Ebay Kleinanzeigen im Internet zu verhökern.

Für alle, die es nicht wissen: Ebay Kleinanzeigen ist im Grunde ein anderer Planet. Einer, in dem Kommunikation ausschließlich über Ein-Wort-Sätze erfolgt, in dem geschenkt zu teuer ist und vor allem einer, in dem man wirklich sehr viele Menschen antrifft die leider vor allem eines sind: ziemlich doof.

Doch von Anfang an. Weil sich Sport, Sparsamkeit und Salat, die heilige Dreifaltigkeit guter Neujahrsvorsätze, bei uns zu Hause bislang eher nicht so durchgesetzt hat, dachten wir, dass Aufräumen mal eine ganz gute Sache sein könnte. Als erstes inserierte ich eine alte Playstation 3 vom Mann, zu vergeben an Selbstabholer, für 60 Euro. Und ich dachte: super! Endlich kommt das nervige Ding mal weg.

Nur wenige Sekunden nach der Veröffentlichung schreibt mir ein Nutzer die besagte, bedeutungsschwangere „30“. Ich nehme an, er will einen Preisvorschlag von 30 Euro unterbreiten. Ja nee, is’ klar. So nervig ist die Konsole nun auch wieder nicht. 30 Euro? Nur über meine Leiche.

„Alles klar IHRE Adresse DANN“

Interessent Nummer zwei meldet sich wenig später. Er hat immerhin ein bisschen öfter auf seine Tastatur getippt: „Ohne Spiel?“, fragt er. Ja, du Spezi, sonst würde es ja wohl dabei stehen. Nummer drei schreibt: „Fest Preis bitt“, worauf ich nun wirklich keine Antwort weiß, außer, dass ich ihm gern ein „e“ geschenkt hätte.

Nummer vier versucht es mit: „Versand?!?!?!“ Nummer fünf macht hingegen direkt Nägel mit Köpfen: „Alles klar IHRE Adresse DANN“. Inklusive Großbuchstaben. Die derart fordernd und zackig daher kommen, dass ich mich und meine Familie schon gefesselt und geknebelt in der Küche sitzen sehe, weil Mr. Großbuchstaben gar nicht so sehr an der Playsi, sondern vor allem am Ausrauben unserer Wohnung interessiert ist. Nein danke, so etwas muss zum Jahresanfang nun wirklich nicht sein.

Solcherlei Nachrichten bekommt man bei Ebay Kleinanzeigen sehr sehr viele. Was man nicht bekommt: Eine Anrede oder eine beliebige Grußformel. Selbst ein „Hi“ ist für die meisten ein No-Go.

Mit Namen halten sich die Nutzer auch zurück, sie nennen sich „Papa“, „Pumpernickel aus Reinickendorf“ oder „ich“, was jetzt nicht so direkt eine vertrauensbildende Maßnahme ist. Hat man sich gegen alle Widerstände mit einem Interessenten geeinigt, beginnt der Poker erneut. Da ist zunächst „Russ“, der am Abend zwischen 20 und 21 Uhr vorbeikommen will. Er erscheint nie, schreibt aber nach zwei Tagen nochmal: „Sorry für die späte Nachricht... die nächsten Tage passt‘s ganz schlecht bei mir.“ Alles klar, danke für nichts.

Vielleicht stellen die Berliner deshalb ihren Krempel einfach an die Straße

„Ich“ wiederum verschiebt die Abholzeit 18 auf 19 auf 21 Uhr, um dann nie wieder von sich hören zu lassen. „Nadine“ interessiert sich für unser altes, aber sehr gut erhaltenes Schlafsofa, das ich unter der Rubrik „zu verschenken“ eingestellt habe. Sie kommt tatsächlich. Ganz allein. Wie sie sich das vorgestellt hat? Sie zuckt die Schultern. Zusammen wuchten wir also das Teil drei Stockwerke das Treppenhaus herunter und müssen es unten schließlich noch auseinanderschrauben, damit es in ihren Bulli passt. 1,5 Stunden kostet mich das, draußen ist es eiskalt. Nadine fährt schließlich genervt von dannen. „Gern geschehen“ rufe ich ihr in die grautrübe Januarluft hinterher.

Vielleicht sind Ebay Kleinanzeigen ja der wahre Grund, warum so viele Leute in Berlin ihren Kram einfach an die Straße stellen. Wer weiß das schon.

Ich jedenfalls bin durch mit dieser Art des Ausmistens. So schnell hat sich noch kein Neujahrsvorsatz erledigt. Dann doch lieber die Sache mit dem Sport. Also, irgendwann später vielleicht. Die nächsten Tage passt’s da wirklich auch ganz schlecht bei mir.

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