Mein Berlin

Warum Halloween in Prenzlauer Berg keinen Spaß macht

Immer mehr Berliner Kinder folgen dem Grusel-Trend aus den USA. Wie schrecklich, findet unsere Kolumnistin Nina Paulsen.

Halloween naht wieder einmal

Halloween naht wieder einmal

Foto: Christian Charisius / dpa

Im Namen der Völkerfreundschaft möchte ich mich an dieser Stelle jetzt mal lobend über Amerika äußern. Wir Deutschen machen uns in letzter Zeit ja vor allem lustig über die Amis und ihren doofen Präsidenten, der ständig komische Sachen twittert und da so wahnwitzig vor sich hinregiert. Man darf bei alldem aber nicht vergessen, dass auch viele gute Dinge aus Amerika kommen, ja, dass wir der Neuen Welt sogar einige unserer größten Errungenschaften verdanken.

Die Rolltreppe zum Beispiel. Hätte diese 1892 nicht ein Amerikaner erfunden, könnten wir uns heute gar nicht so schön darüber aufregen, dass sämtliche Berlin-Touristen grundsätzlich mit ihren Schrankkoffern alle Stufen versperren und dann oben abrupt stehen bleiben, um ausgiebig den BVG-Fahrplan zu studieren, sodass wir ihnen mit Wumms in die Hacken latschen. Lobend hervorzuheben ist außerdem der Cheeseburger, den man, wie jeder weiß, am besten in den frühen Morgenstunden als knoblauchfreie Variante zum Döner nach einem ausgiebigen Clubbesuch verspeist. Wenn der Alkohol sowohl das Geschmacks- als auch das Vernunftzentrum vernebelt, schmecken die Dinger richtig gut – und man kann danach sogar noch knutschen. Auch ein Amerikaner ist übrigens für die Erfindung der Mikrowelle verantwortlich, in der man dann die Reste vom Vortag aufwärmen kann, wenn man auf dem Sofa seinen Kater auskuriert.

So, damit ist der Völkerfreundschaft fürs Erste Genüge getan. Denn aktuell werden wir wieder von einem amerikanischen Trend überrollt, der fast so furchterregend ist wie Donald Trump und seine Tweets: Anfang der kommenden Woche ist wieder Halloween. Gefühlt werden es jedes Jahr mehr Kinder, die als Hexen, Vampire und Skelette verkleidet an Berliner Haustüren klingeln und "Süßes oder Saures" schreien. Und jedes Jahr passiert es uns wieder, dass wir am Tag X völlig unvorbereitet in die Situation stolpern und absolut nichts an Süßkram im Haus haben, den wir den kleinen Plagegeistern in ihre gefräßigen Jutebeutel werfen können. Ich stelle mich dann jedes Mal tot, wenn es an der Tür klingelt. Und eigentlich ist das auch die allerkonsequenteste Art, Halloween zu begehen. Meine Meinung.

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Zum Glück verspricht der Anbieter: "Öffnungen an Augen und Nase bieten Platz zum Sehen und Atmen"

Mein Freund dagegen findet das herzlos. Im letzten Jahr suchte er hektisch unseren Kühlschrank ab, nachdem er zwei verkleideten Kindern die Tür geöffnet hatte. Als er den Jungs je einen Schokoriegel überreichen wollte, lernte er aber, dass Halloween in unserem spießigen Prenzlauer Berg ungefähr genauso viel Spaß macht wie Cheeseburger­essen ohne Alkohol. Kind eins nahm den Riegel lachend an. Kind zwei aber rümpfte die Nase. "Finn mag keine Schokolade", erklärte Kind eins dann. Also bekam Finn einen Euro überreicht, für den er sich dann einen Soja-Chia-Riegel aus dem Bioladen kaufen konnte. Ich hoffe, mein Freund hat aus diesem Erlebnis gelernt und stellt sich in diesem Jahr mit mir tot.

Nicht aus dem Weg gehen kann man dagegen leider den ganzen Halloween-Devotionalien, die einem im Supermarkt auflauern. Da ist zwischen Toilettenpapierrollen und Waschmittel plötzlich ein Regal aufgebaut, aus dem blutige Gliedmaßen aus Plastik herausragen, Gummiprothesen mit Gammelzähnen und zerzauste Perücken. Ich glaube, der Zombie-Look ist in diesem Jahr als Verkleidung besonders angesagt. In Berlin zucken wir da natürlich ungerührt mit den Achseln. So einen Anblick kennt jeder, der frühmorgens mit der U8 zur Arbeit fährt. Im Internet entdeckte ich im "Horror-Shop" aber tatsächlich auch eine Donald-Trump-Maske. Das Latex-Ungetüm kann man sich über den Kopf stülpen, zum Glück verspricht der Anbieter: "Öffnungen an Augen und Nase bieten Platz zum Sehen und Atmen." Puh. Da es keine Mundöffnung gibt, kann man den Maskenträger aber leider nicht verstehen, wenn er etwas sagt. Wer weiß?! Im Sinne der Völkerverständigung ist das vielleicht sogar besser so.

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