Single Mom

Um keinen Preis der Welt als prekär gelten

Wie arm oder wie reich eine Alleinerziehende ist, scheint immer wieder ein Thema zu sein. Eine Replik von Caroline Rosales.

Zwei kleine Kinder und Reichtum schließen sich aus, sagt Caroline Rosales

Zwei kleine Kinder und Reichtum schließen sich aus, sagt Caroline Rosales

Foto: pa/Reto Klar

Berlin.  Nun schreibe ich diese „Single Mom“-Kolumne schon ein paar Monate und immer wieder ist da diese Frage in den Kommentarspalten, in den Mails, die mir zugesendet werden. Die Frage oder die Aussage geht von der Tonalität her so: „Bist Du nicht zu privilegiert, um die Zielgruppe der Alleinerziehenden zu repräsentieren? Du leistest Dir ein Aupair, der Vater deiner Kinder zahlt regelmäßig Unterhalt, und Du gehst aus.“

Wieder und wieder wurde mir diese Frage gestellt und zugegeben: Ich habe ihr nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet. Sie war mir lange zu privat. Dennoch kann ich den Einwand verstehen, den offenbar einige diese Kolumne und mein gleichnamiges Buch betreffend haben. Also hier eine Antwort darauf.

Mein Name ist Caroline Rosales und ich bin nichts Besonderes. Ich stamme aus Bonn, meine Eltern waren wohl das, was man Mittelstand nennt. Typische Alt-68er, extrem links mit hohem intellektuellen Anspruch. Geld und Vermögen galt bei uns zuhause als verpönt und prollig. Golfplätze waren für reiche Idioten gemacht, Flugzeugreisen schlecht für die Umwelt. Wir kauften im Reformhaus ein (das ist teuer!), aber fuhren den ältesten, rostigsten Volvo der Stadt. Als Mädchen träumte ich von Kindergeburtstagen mit bunten Plastikpappbechern und gebuchten Zauberern. Stattdessen spielten meine Eltern auf meinen Partys mit meinen Freunden Gesellschaftsspiele auf Picknickdecken im Garten. Heute wären solche Geburtstage ein DIY-Event, damals als Kind liefen sie allerdings für mich unter der Kategorie: peinlich.

Später im Studium erwarteten meine Eltern nicht nur, dass ich es selbst finanzierte, sondern auch, dass ich es mindestens mit der Bestnote abschließen sollte. Das war sicherlich der Punkt, in dem ich mir mit meinen Eltern bis heute nicht einig bin. Es war nämlich nicht lustig, vier Jahre lang zu kellnern, später zu schreiben und bereits mit 19 Jahren für seine Miete, seine erste eigene Wohnung arbeiten zu gehen. Ich reüssierte trotzdem, auch einfach aus der Angst heraus, meine Eltern enttäuschen zu können.

Irgendwann waren diese Jahre auch vorbei, ich verdiente mein eigenes Geld, wurde mit 28 Jahren Mutter, mit 30 zum zweiten Mal und machte neben all der Freude (wie sie alle Eltern haben) auch die Erfahrung, dass Kinder sehr, sehr viel kosten. Ein Windelpaket 20 Euro, die günstigen zehn. Stoffwindeln: Noch teurer. Der Kinderwagen, der Autositz, die Impfungen – gut, kürzen wie das hier ab. Mein Vater sagte immer: „Entweder Du kaufst Dir ein Haus oder hast ein Kind.“

Heute arbeite ich Vollzeit, in der Redaktion, in der Freizeit für die Bücher, eine Aupair „leiste“ ich mir nicht, nein, sie ist nach Jahren des Ausprobierens die beste Lösung für jemanden wie mich, der auch Abendtermine und Spätdienste macht.

Ich bin nicht reich, es wäre irrsinnig, das anzunehmen. Jeder der Eltern ist, weiß: Zwei kleine Kinder und Reichtum schließen sich aus. Ich bin dieses Jahr aus verschiedenen Gründen nicht in den Urlaub gefahren, sicherlich aber auch, weil das Geld anders verplant war.

Am Ende ist es das, was ich zu dieser Frage zu sagen habe. Weil es um andere Dinge geht. Zum Beispiel um fehlende Steuererleichterungen für Alleinerziehende. Darum, dass Frauen immer noch eingeredet wird, sie wären ohne Mann aufgeschmissen. Wir, die Alleinerziehenden, sollten uns verbünden, Probleme bekämpfen, Politikern das Regieren schwer machen und nicht streiten, wer das größere Eis hat. Das Thema Alleinerziehend darf nicht immer tranig, trashig und anstrengend wirken. Darauf lege ich großen Wert. Ich will um keinen Preis der Welt als prekär gelten.

„Ich verstehe nicht, warum Mütter nicht vermitteln können, dass sie allein zurechtkommen“, sagt meine Single-Mom-Freundin Katja. Am Freitag saßen wir auf ihrem Balkon in Prenzlauer Berg und tranken Wein. Meine Kinder schliefen bei ihrem Kind im Zimmer. Und so ging es (zum Beispiel) auch wie so oft mit Ausgehen, aber ganz ohne (teuren) Babysitter.

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