Single Mom

Warum für Single-Dads andere Regeln gelten

Alleinerziehende Mütter bekommen Mitleid, die Papas öfter mal Komplimente und Telefonnummern, beobachtet Caroline Rosales.

Haben es alleinerziehende Väter leichter, fragt sich Caroline Rosales

Haben es alleinerziehende Väter leichter, fragt sich Caroline Rosales

Foto: pa/Reto Klar

Berlin.  Auch wenn ich mich jetzt der unlauteren, platten Werbung schuldig mache, aber seitdem mein Buch „Single Mom“ vergangene Woche erschienen ist, habe ich viele E-Mails bekommen – Briefe schreibt ja keiner mehr. Mails, besonders – und das ist interessant – von Papas. Single-Papas. Männern.

Das hätte ich ehrlich gesagt so nicht erwartet, weil diese Mails weniger Heiratsanträge oder Kontaktanfragen beinhalteten (oder ich bin naiv) als ernst gemeinte Fragen zur Sache. Zum Thema, ob mein Buch und die Thesen, die ich darin über Alleinerziehende aufstelle, auch für sie gelten. Und tatsächlich habe ich viel über die Fragen nachgedacht. Und bin zu einer kurzen und einer langen Antwort gekommen. Und beide sind wichtig und müssen immer mitbedacht werden.

Zunächst die kurze. Bei der geht es um die nackten Zahlen. Rund 90 Prozent der Alleinerziehenden sind laut Statistischem Bundesamt Frauen. Sprich: Das sind Frauen, die mit ihren Kindern zusammenwohnen und diese haben ihren alleinigen Wohnsitz bei ihnen. Dazu kommt, dass die verbleibenden zehn Prozent (also die Männer) meist alleinerziehende Väter von Kindern über zwölf Jahren sind, sprich Erziehungsberechtigte von Menschen, die sich einigermaßen selbst versorgen können. Aber bewerten wir das nicht und kommen wir zu langen interessanteren Antwort.

Tatsächlich kenne ich einen alleinerziehenden Vater, den ich jetzt mal K. nenne. K. ist Immobilienmakler, groß, blond, Kammfrisur, Marke Karl-Theodor. Er trägt bunte Hosen, wie das Adelige und Lifestyler in den Vierzigern eben so tun, und lebt mit seiner vierjährigen Tochter in einem Apartment neben uns. Unsere Kinder besuchen denselben Kindergarten. K.s Freundin, die Mutter seiner Tochter, ist wenige Monate nach der Geburt schwer erkrankt, die beiden waren vorher schon getrennt und so wächst die Tochter bei ihm auf.

Ich mache K. keinen Vorwurf, aber er nervt mich. Wenn er als Elternsprecher beim Kita-Elternabend plötzlich anfängt, Weißwein auszuschenken, wenn ich höre, dass er mit der Mutter von D. ein Affärchen hat. Er kommt jeden Morgen zu spät – dieser Armleuchter – , aber wenn er als Lila-Laune-Bär reinkommt, schafft er es, dass die Erzieherinnen ihn beim Rausgehen noch anlächeln. Die Erzieherinnen haben mich noch nie angelächelt, als ich zu spät kam.

Vielleicht liegt es daran, dass ich eine blöde Kuh bin, vielleicht aber auch an der Tatsache, dass die gesellschaftliche Stigmatisierungen für alleinerziehende Väter im Allgemeinen wegfällt. Wenn K. mit seiner Tochter auf dem Spielplatz sitzt und die Feuchttücher vergessen hat, beobachte ich mitfühlende Blicke und helfende Hände. Vergesse ich mal den Wechsel-„Schlüppi“, verdrehen sich hinter meinem Rücken die Augen – so etwas spüre ich.

Ein Vater kandidiert als Elternsprecher in der Schule – Szenenapplaus, eine Rede. Eine Mutter stellt sich zur Wahl – alle so mit ihren iPhones beschäftigt. Väter (ob alleinerziehend oder nicht) werden für die Übernahme von Elternaufgaben gefeiert, Frauen (ob alleinerziehend oder nicht) ignoriert. „Hallo, hallo, was denkst Du denn auch“, meldet sich da die gesellschaftliche Norm zu Wort. „Du bist ja schließlich auch die M-U-T-T-E-R.“

Vater K. aus dem Kindergarten findet auch, dass ich mich anstelle und immer so verkrampft wirke. Er will mir beim Elternabend auch ein Glas Wein einschenken, aber ich sage „Nein, danke.“ Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn ich als Mother-of-Two Rosé ausschenken würde. Kopfschütteln, ernste Sorge, ob ich ein Alkoholproblem habe.

K. erinnert mich an meinen Vater, der den Schulmuttis beim Sommerfest immer erzählte, Männer könnten besser kochen als Frauen, wenn sie seinen Reissalat vom Buffet lobten. Die Schulmuttis fanden meinen Vater deshalb offenbar auch noch lustig, jedenfalls lachten sie ganz laut, sodass ich schon als Sechsjährige verstand, was flirten ist. Haben es alleinerziehende Väter also leichter? Nicht unbedingt, aber sie dürfen es mit mehr Verständnis und Savoir-vivre sein. Denke ich zumindest.

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